Trade Finance ist eine der letzten Anlageklassen, die von institutionellen Investoren noch relativ unerschlossen ist. dpn sprach darüber mit Suresh Hegde, er ist Head of Structured Private Debt bei NN Investment Partners.

dpn: Herr Hegde, Trade Finance hat eine lange Tradition im Finanzwesen, wurde aber bisher von Investoren eher verschmäht. Wie kommt das?

Suresh Hegde: Trade Finance ist eine bewährte und stabile Anlageklasse, die allerdings in der Vergangenheit von Banken dominiert wurde. Regulatorische Änderungen haben deren Kapazität beeinträchtigt, Finanzierungen in ausreichender Höhe zur Deckung der Nachfrage bereitzustellen. Heute stellt der Trade-Finance-Bereich, der die wesentlichen Waren- und Güterströme weltweit unterstützt, einen Markt von 15 Billionen US-Dollar dar, der derzeit eine Finanzierungslücke von schätzungsweise 10 Prozent aufweist. Und diese Lücke wird immer größer.

dpn: Was ist an den regulatorischen Eingriffen für institutionelle Investoren anders als für Banken?

Hegde: Die Regulierung hat die Fähigkeit der Banken, den globalen Handel zu unterstützen, gebremst. Die Situation für institutionelle Investoren hat sich anders entwickelt. So macht beispielsweise Solvency II die Kreditvergabe im Trade-Finance-Bereich für europäische Versicherer zu einer sehr kapitaleffizienten Angelegenheit. Sie können die kurzen Durationen und strukturellen Verbesserungen, die bei diesen Assets zu finden sind, bei der Berechnung ihrer Kapitalanforderungen leichter anrechnen. Mit großen Mengen verfügbarer liquider Mittel kombiniert mit einer Niedrigzinsphase und einer Verengung der Credit Spreads auf den liquiden Märkten, wird es immer interessanter, dort einzusteigen, wo die Banken aussteigen.
Der Anteil der Investitionen von Nicht-Banken in diesem Bereich ist allerdings noch recht klein. Es wird geschätzt, dass derzeit etwa 40-50 Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 10-15 Milliarden US-Dollar aktiv sind, was einen winzigen Anteil des Gesamtmarktes ausmacht.

dpn: Welche Gründe sehen Sie für die Zurückhaltung der institutionellen Investoren?

Hegde: Wir glauben, dass der Grund für die derzeit geringe Beteiligung darin liegt, dass sich die Fonds bisher auf eine relativ renditestarke, risikoreichere Nische für Direktkredite konzentriert haben und noch nicht in der Lage waren, ihre Strategie ausreichend auf die Anforderungen und Interessen größerer Investoren auszurichten. Die sehr hohen Spreads, die von vielen Fonds angeboten werden, scheinen im Widerspruch zu den niedrigen erwarteten Verlusten des Gesamtmarktes zu stehen. Die Investoren haben sich zu Recht gefragt, ob der Rückzug einiger Banken aus dem Markt ein größeres Risiko signalisiert, als sie eingehen wollen.

dpn: Welche Vorteile sehen Sie bei dieser Anlageklasse für Investoren?

Hegde: Als Investitionsmöglichkeit ist Trade Finance attraktiv, da diese Anlageklasse größtenteils selbstliquidierend, kurzfristig und oft besichert ist, bietet sie auch Schutz vor Ausfall- und Marktrisiken, wenn sich die Konjunktur dreht. Daten weisen auf ein begrenztes Verlustrisiko und eine schnelle Erholung und zeigen eine geringe Korrelation mit traditionellen Kreditmärkten. Allerdings gilt wie bei anderen Anlageklassen auch hier: Risiken und Chancen müssen genau geklärt werden. Die angebotenen Chancen sollten so gefiltert werden, dass nicht nur der relative Wert und die risikobereinigten Renditen berücksichtigt werden, sondern auch die Portfoliokonstruktion, die Kapitalbeschaffung, die betrieblichen Auswirkungen, ESG- und KYC-Aspekte. Ein wichtiger Faktor ist, dass man darauf achtet, Transaktionen zu finanzieren und nicht Unternehmen.

Herr Hegde, vielen Dank für das Gespräch.

Suresh Hedge. Quelle: NN Investment Partners

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