21.11.2018 | Von DR. ECKHARD BERGMANN

Inflations-indexierte Anleihen – jetzt?

Inflationsindexierte Anleihen führen ein Schattendasein in deutschen Portfolios. Das hat zum Teil damit zu tun, dass die Institutionellen Investoren solche Anleihen zu kompliziert finden und ihre Marktgängigkeit und Liquidität bezweifeln. Vor allem fehlten aber die Inflationserwartungen. Das könnte sich jetzt ändern.

Die Inflationsrate ist in letzter Zeit kräftig gestiegen, in Deutschland mit 2,5 Prozent sogar auf die höchste Rate in der Eurozone. Auch wenn der Streit darüber anhält, wo die Kerninflationsrate wirklich liegt, ist unübersehbar, dass eine deutliche Tendenz nach oben erkennbar ist – wie ja auch bei der ultralockeren Geldpolitik nicht anders zu erwarten war.

Dies wurde beim diesjährigen „Faros Institutional Investors Forum“ in Frankfurt zum Anlass genommen, die Anlagebedingungen für Inflations-indexierte Anleihen unter die Lupe zu nehmen. Dazu war ein Experten-Panel ausersehen, dem von Emittentenseite Dr. Tammo Diemer, Geschäftsführer der Bundes-Finanzagentur, und Edgar Kresin, Treasurer des Finanzministeriums Sachsen-Anhalt, angehörten sowie von Anlegerseite Alexander Froschauer, Head of Fixed Income AXA Investment Managers Deutschland, und von Consultantseite Martin Dürr, CIO Faros.

Was die Bedenken hinsichtlich Marktgängigkeit und Liquidität angeht, machte das Panel deutlich, dass inzwischen eine beträchtliche Marktreife erreicht ist. Größter Markt sind die USA mit einem Marktvolumen von zirka 1.300 Milliarden US-Dollar. In Großbritannien, dem eigentlichen „Erfinder“ dieses Anleihetyps beläuft sich das Marktvolumen auf rund 900 Milliarden US-Dollar und in der Eurozone auf mehr als 600 Milliarden, darunter rund 300 Milliarden in Frankreich und 200 Milliarden in Italien.

In der Bundesrepublik Deutschland werden Inflations-indexierte Staatsanleihen seit 2006 begeben, mit einem Volumen von jährlich zirka 6 Mrd. Euro. Dass die Emissionsvolumen bis zuletzt jeweils eher am unteren Rand des Emissionsspielraums geblieben sind, hängt mit dem geringen Finanzbedarf des Bundes und der gemäßigten Inflations-„Fantasie“ zusammen. Der erste Bond davon wurde in Sachsen-Anhalt emittiert. Inzwischen hat sich das Land daraus zurückgezogen und ist eher auf die Anlegerseite übergewechselt, weil es zu klein ist, um einen breiten Markt organisieren zu können. Das hat die Finanzagentur des Bundes übernommen und inzwischen eine breite Handelbarkeit hergestellt – mit einem Turn-over-Faktor von 4, mit dem der Bestand derzeit umgeschlagen wird. Benchmark im Euroraum, daran besteht kein Zweifel, sind zwar immer noch die französischen Inflation-Linker. Aber die deutsche Seite hat in Sachen Marktliquidität und Handelbarkeit nachgezogen. Gemessen an der Benchmark-Rolle, die deutsche Bundesanleihen international einnehmen, liegen die deutschen Inflation-Linker „in der zweiten Reihe, gleich dahinter“ – völlig ausreichend für Anlagezwecke, so die Meinung.

Der Performancespielraum der Anleihen bemisst sich nach der Kennzahl der sog. break-even-Inflation. Sie beträgt derzeit 1,28 Prozent. Auch wenn sich keiner der Teilnehmer zu einer Spekulation über künftige Inflationszahlen hinreißen lassen wollte, ist bei einer tatsächlichen Inflationsrate von 2,5 Prozent somit bereits ein attraktiver Spielraum gegeben.

Welche Rolle sollten Inflations-indexierte Anleihen in institutionellen Portfolios künftig spielen?

Zwei klare Einsatzziele kristallisierten sich heraus:

– erstens die Verbreiterung der Diversifikation. Das Mittel der Diversifizierung „zieht“ immer, zumal in ertragsarmen Zeiten wie jetzt. Dabei besteht der Vorteil, dass sich das Risiko der Anlageklasse „Anleihen“ dadurch nicht verändert. Stattdessen findet aber eine Ertrags-Bereicherung des Portfolios durch die eingepreiste Inflation statt. Die könnte derzeit „einen schönen Bonus“ mit sich bringen.

– Ein zweiter Gesichtspunkt ist taktischer Natur. Da der Markt noch nicht so effizient ist wie etwa der Bundesanleihe-Markt, lassen sich bei Inflations-indexierten Anleihen taktische Gewinne erzielen. Das zeigt sich insbesondere bei Fluchtbewegungen, wie sie etwa in der Finanzkrise, beim Brexit oder ähnlichen Gelegenheiten zu beobachten waren. Wer sich dort positioniert, kann sich deutliche taktische Gewinne zunutze machen.

Interessante Argumente also, um über Inflations-indexierte Anleihen nachzudenken.

Artikel teilen