17.06.2019 | Von Bernhard Raos

Die Altersrenten der Eidgenossen sinken

Die Schweizer Pensionskassen haben ein schwaches Anlagejahr 2018 hinter sich. Das erhöht den Druck auf die Leistungen.

S&P(Bildquelle:ipopba/iStock/Getty Images Plus)

Mit einer durchschnittlichen Performance von – 2,8 Prozent (2017: +7,6 Prozent) war das vergangene Jahr das schlechteste Anlagejahr für die Schweizer Pensionskassen seit 10 Jahren. Die Rendite lag damit unter der durchschnittlichen Zielrendite der Vorsorgeeinrichtungen von 3 Prozent. Die Durchschnittswerte überdecken die grosse Bandbreite: Die schlechteste Performance einer Kasse lag 2018 bei -8,2 Prozent, die beste bei +11,0 Prozent.

Diese Resultate liefert die aktuelle Pensionskassenstudie von Swisscanto, an der 531 Vorsorgeeinrichtungen mit einem Gesamtvermögen von 660 Milliarden Franken teilnahmen. Gesamthaft sind damit 3,8 Millionen Versicherte und gut drei Viertel der Vorsorgevermögen in der Schweiz repräsentiert.

Langfristig beunruhigend

Eindrücklich sind vor allem die Auswertungen über einen längeren Zeitraum. So sank der durchschnittliche Umwandlungssatz von 6,74 Prozent auf 5,73 Prozent, was einer um 15 Prozent tieferen Rente entspricht. Der effektive Rückgang wäre noch viel grösser gewesen, hätte nicht über die Hälfte der teilnehmenden Kassen in den letzten Jahren ihre Sparbeiträge erhöht.

Die Studie prognostiziert für 2023 noch einen durchschnittlichen Umwandlungssatz von 5,5 Prozent – mit weiter fallender Tendenz. Laut Swisscanto liegt der rechnerisch korrekte Umwandlungssatz bereits bei 4,9 Prozent. Ausgehend von dieser Berechnungsgrundlage tun sich grosse Leistungslücken in der beruflichen Vorsorge aus: Ohne Gegenmassnahmen muss ein Arbeitnehmer, der heute in einen Vorsorgeplan eintritt, mit einer um 27,9 Prozent tieferen Rente rechnen als vor zehn Jahren.

Weil viele Pensionskassen bereits Massnahmen ergriffen haben, wurde der Rückgang abgefedert. Dennoch bleibt auf das obige Beispiel angewendet eine durchschnittliche Leistungslücke von 15,2 Prozent.

Zuviel Immobilien, zu wenig Risiko

Insgesamt haben die Vorsorgeeinrichtungen im Durchschnitt der letzten 10 Jahre ihren Immobilienanteil trotz Warnungen vor einer Blase um einen Drittel von 19 auf 25 Prozent erhöht. Diese Quote liegt deutlich über dem internationalen Vergleich.

Gleichzeitig verzichten die Pensionskassen gemessen an ihrer Risikofähigkeit und aufgrund allzu starker Risikoaversion auf Renditechancen. Dies trifft laut Studie vor allem auf Kassen mit einem guten Verhältnis von Aktiven zu Rentnern zu. Dazu schreibt Swisscanto: “Durch eine bessere Ausnutzung der Risikofähigkeit und dadurch höhere Renditen liesse sich zumindest ein Teil der Leistungsrückgangs kompensieren und dies ohne zusätzliche Kosten für die Versicherten”.

 

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