01.07.2019 | Von Dr. Eckhard Bergmann

Deutschland bleibt für BlackRock ein ausbaufähiger Markt

BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, verzeichnet eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Das gilt auch für das deutsche Geschäft.

BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, verzeichnet eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Das gilt auch für das deutsche Geschäft. Wie Deutschland-Chef Dirk Schmitz anlässlich des traditionellen Gesprächs bei „Summer Drinks“ ausführte, beläuft sich das Vermögen, das Black Rock für deutsche Institutionelle und Privatanleger verwaltet, inzwischen auf rund 100 Milliarden Euro. Künftig kann er sich noch deutlich mehr vorstellen.

Für das Unternehmen gibt es drei wichtige Wegmarkierungen: Vor 31 Jahren, 1988, wurde BlackRock in den USA gegründet. Seit 25 Jahren ist BlackRock in Deutschland präsent. Und seit 10 Jahren arbeitet das Unternehmen mit den beiden unterschiedlichen Investmentstilen: gemanagten Fonds auf der einen Seite und passiven ETFs, verkörpert durch die Fondsgesellschaft iShares, auf der anderen Seite. Die enorme Schubkraft der ETFs zeigt sich allein in zwei Zahlen: Bei Übernahme von iShares vor 10 Jahren betrug das ETF-Volumen 300 Milliarden US-Dollar, heute sind es bereits 2 Billionen US-Dollar.

Weltweit verwaltet BlackRock derzeit rund 6,5 Billionen US-Dollar an Vermögensanlagen, davon rund die Hälfte in USA. Die andere Hälfte liegt zum größeren Teil in Europa. Dabei hat der Standort Großbritannien natürlich einen gewichtigen Anteil. Ein ähnlich gewichtiger Anteil entfällt inzwischen aber auch auf Nord- und Kontinentaleuropa, insbesondere Deutschland, die Niederlande, die nordeuropäischen Länder, Italien und Frankreich, wobei Frankreich wegen seines starken „home bias“ bislang relativ schwer zugänglich war. Auch in Deutschland strebt Black Rock einen höheren Marktanteil an. Denn verglichen mit Großbritannien oder den Niederlanden mit Marktanteilen um die 20 Prozent liegt der deutsche Marktanteil bislang erst im unteren einstelligen Bereich. Und von den 100 Mrd. Euro sind nur 30 Mrd. Euro institutionelle Vermögen; der Rest sind Anlagen von Privatanlegern und ETFs (wobei von diesen aber wahrscheinlich noch ein Teil institutionellen Anlegern zuzurechnen ist).

Verstärkte Bemühungen werden darüber hinaus auch in der übrigen Welt, insbesondere in Ostasien gemacht, um Marktanteile zu gewinnen. Dabei profitiert Black Rock sicher auch von der Kompetenz und Expertise, mit der das Unternehmen die gesamte Breite der Asset-Klassen abdeckt. Teil dieser Kompetenz sind auch die Engagements in Private Equity. Die verwalteten Vermögen in dieser Asset-Klasse bezifferte Schmitz auf weltweit 30 Milliarden US-Dollar.

Geldpolitisch getriebene Aktienmärkte

„The Central Bank is back in town“, mit diesem Satz charakterisierte der Leiter Kapitalmarktstrategie, Dr. Martin Lück, die Sicht von Black Rock auf den Kapitalmarkt. Die Wende von der Wende der Geldpolitik beherrscht die Aussichten an Aktien- und Rentenmärkten. Gemeint ist insbesondere die Abkehr der Fed von weiteren Zinserhöhungen hin zur Zinsermäßigung. Auch die Abkehr der EZB von ihrer geplanten Normalisierung der Zinspolitik wie auch die Politik anderer Notenbanken wirken dabei mit. Es komme, so Lück, nicht darauf an, ob diese Politik als richtig oder falsch empfunden werde. Man müsse die Fakten nehmen wie sie sind. Und sie sprächen dafür, dass in diesem geldpolitischen Umfeld mit einer moderaten Beschleunigung des Wachstums und der Unternehmensgewinne im 2. Halbjahr zu rechnen sei.

Die Zentralbanken, so Lücks Kollege Felix Herrmann, sind aber nicht die alleinigen Treiber. Wachstumsimpulse gehen vor allem von China aus, das mit einer lockeren Geldpolitik und dem Ausbau der Seidenstraße deutliche Zeichen setzt. Auch das Wachstum in den USA sei noch zu robust, als dass der Zyklus dort einbrechen könne. Am wenigsten robust erscheinen die Wachstumsaussichten in Europa. Die EZB sei realwirtschaftlich nicht in der Lage, die Wirtschaft zu stimulieren. Insgesamt bleibe das globale Wachstumsbild aber doch noch relativ homogen.

Auf längere Sicht ist das wirtschaftspolitische Bild in der Eurozone problematisch, da die EZB mit ihrer Politik praktisch das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Realwirtschaftlich könne sie im Falle eines Abschwungs kaum noch zusätzliche Wirkung erzielen. Die EZB müsse sich insofern neu erfinden. Die Gedanken könnten insoweit in Richtung einer neuen Abstimmung von Geld- und Fiskalpolitik gehen – Stichwort Helikoptergeld. Mit anderen Worten, die Notenbank müsste durch die Finanzierung von gezielten Ausgabenprogrammen über Zentralbankgeld notwendige fiskalische Impulse setzen. Eine solche Neuorientierung der Geldpolitik würde allerdings wohl grundsätzliche Entscheidungen auf EU-Ebene voraussetzen. Und auch die anstehende Wahl des EZB-Präsidenten als Nachfolger von Mario Draghi dürfte für den Ausblick von Bedeutung sein.

 

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