Viele institutionelle Investoren schauen bei der Portfolio-Allokation weiter stark auf den Heimatmarkt. Dadurch verpassen sie Chancen.

Eine Untersuchung, die die Frankfurt School of Finance and Management im Auftrag von Nomura Asset Management durchgeführt hat, legte zu Jahresbeginn eines schonungslos offen: Deutsche institutionelle Investoren lassen Rendite liegen, weil sie zu stark auf den heimischen Markt setzen – 2,5% im Schnitt pro Jahr. Trotz dieses Wissens hat sich an der Portfolio-Allokation auch ein halbes Jahr später wenig verändert, wie wir im Gespräch mit Richard Schmidt, Leitung Multi Asset und ESG bei der DJE Kapital AG, erfahren. Zwei Drittel seiner institutionellen Kunden, für die Pullacher rund sechs Milliarden Euro verwalten, bevorzugten den heimischen Markt. Bei einigen sei dieser Home Bias gar auf dem Vormarsch. Auch, weil viele das Fremdwährungsrisiko scheuen. Mehr als 20 Prozent in Nicht-Euro-Anlagen seien das Maximum, während viele globale ETFs 60 Prozent aufwiesen.

Je kleiner, desto freier

Es seien vor allem Investoren, die für größere Gruppen Kapital anlegen, bei denen die Regeln strenger werden: Viele dürften in Ländern, die mehr als drei Prozent des BIP für Rüstung ausgeben, Atomwaffen besitzen, Menschenrechte nicht adäquat achten oder in denen die Todesstrafe nicht verboten haben, schlichtweg nicht anlegen. Und darunter fallen keinesfalls nur Schurkenstaaten, sondern beispielsweise auch die USA. „Solche Kunden möchten mehr deutsche und zum Beispiel skandinavische Titel im Portfolio haben“, so Schmidt. „Das führt zu einem stärkeren Home Bias.“

Je weniger stark die Kunden in größere Konzerne eingebettet seien, desto freier könnten sie entscheiden, so der Anlageexperte. Sie schauten stärker auf historische Performancedaten, was zu einer stärkeren Gewichtung des US- gegenüber des europäischen Marktes führe – also weniger Home Bias. Auch DJE hat das Deutschland-Exposure zuletzt etwas verringert und ist stärker in den USA und vor allem in China vertreten.

Alternativen im Aktienmarkt und außerhalb

Besonders im Reich der Mitte hat Schmidt Renditepotenzial ausgemacht: Nachdem viele US-Investoren Mitte März China-Aktien im großen Stil verkauft hatten und die Kurse an den Börsen in Shanghai und Hongkong einbrachen, erfährt der Markt seither eine fulminante Rally, die den MSCI China fast 20 Prozent nach oben trieb. Zum Vergleich: S&P 500 und DAX verloren jeweils über sieben Prozent. Viele Risiken, wie die stärkere Regulierung von Tech-Werten und die Pflicht für Unternehmen, auf Kosten von Shareholder Value mehr Geld für gemeinnützige Dinge zu investieren, seien inzwischen ebenso eingepreist wie Corona- und Rezessionssorgen. Die im Vergleich zum Westen deutlich geringere Inflation sowie geldpolitischer Handlungsspielraum der Notenbank wirkten unterstützend.

Stichwort Notenbank: Die zunehmende Rezessionsgefahr in Deutschland und Europa könnte zu einem Ende der EZB-Zinserhöhungen führen. Das habe das Thema Duration wieder auf den Zettel gebracht, so Schmidt, bei dem es wegen erwarteter Zinssteigerungen lange Zeit Zurückhaltung gegeben habe: „Wir shorten den Bund Future nicht mehr und haben dadurch die Duration auf vier bis fünf Jahre erhöht.“ Diese Art von Home Bias dürfte großen institutionellen Investoren, die wegen ihrer geringen Verlusttoleranz keine China-Risiken eingehen dürfen, gefallen.

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