Die institutionellen Portfolios sind derzeit großem Stress ausgesetzt. Wie sollte sich ein Institutioneller in einem deartigen Stress-Szenario verhalten?

Wie lautet Ihre Strategie gegen Inflation?

Matthias Kurzrock, Portfoliomanager und Stockpicker der Aktienstrategie Paladin ONE: Unternehmen sind Sachwerte, die Cashflows generieren. Per se sind wir damit in der richtigen Asset-Klasse. Wir setzen auf Unternehmen, die idealerweise Inflation weitergeben können. Das Portfolio zeichnet sich durch diversifizierte Geschäftsmodelle aus, die sich in der Gesamtheit aus eigener Kraft möglichst unabhängig von der konjunkturellen Großwetterlage entwickeln.

Nick Clay, Lead Portfolio Manager der Global-Equity-Income-Strategie  Redwheel: Bei Aktien bekämpfen wir die Folgen der Inflation über steigende Dividenden. Das ist nur möglich mit Unternehmen, die ihre Preise erhöhen können, ohne die Nachfrage zu drosseln. Die Geschichte zeigt, dass Inflationsphasen zu Volatilität an den Aktienmärkten führen können, die die Kapitalrendite verringert, was die Zinserträge zu einem größeren Treiber der Gesamtrendite macht.

Thorsten Schneider, Executive Director, Country Manager und Head of Institutional Sales, Robeco Deutschland: Als einer der führenden Anbieter von Factor Investing-Strategien untersuchen wir umfassend, wie sich ein solches Umfeld auf Faktoren auswirkt. Faktorprämien zeigen aussagekräftige und empirische Ergebnisse, die eine attraktive und signifikante Durchschnittsrendite im Zeitverlauf erkennen lassen. So sehen wir zum Beispiel eine starke Performance bei konservativen Aktien, insbesondere bei niedriger und hoher Inflation.

Gergely Majoros (CFA), Portfolio Advisor und Mitglied des Investment-Komitees, CARMIGNAC:

Die Inflation dürfte in den nächsten Jahren hoch und hartnäckig bleiben. Wir verfolgen daher eine Barbell-Strategie, d.h. einen Teil der Portfolios stellen wir für dauerhaft höhere Inflation und einen Teil des Portfolios auf die Gefahr einer Rezession hinauf. Das Thema Inflation wird unter anderem durch selektive Investments bei Aktien, Anleihen und Währungen abgebildet, die vom aktuellen Energie-Zyklus profitieren.

 

Welches Hauptszenario prognostizieren Sie für die kommenden 6 bis 12 Monate?

Matthias Kurzrock, Portfoliomanager und Stockpicker der Aktienstrategie Paladin ONE: Wer hätte während des Corona-Crashs im März 2020 prognostiziert, dass die Märkte das Jahr mit neuen Rekordständen beenden? Dies ist exemplarisch für unsere Anlagephilosophie: Unser Portfolio darf nicht auf Annahmen für ein Hauptszenario basieren, sondern muss in ganz unterschiedlichen Szenarien robust sein.

Nick Clay, Lead Portfolio Manager der Global-Equity-Income-Strategie  Redwheel: Da sich die Weltwirtschaft in den nächsten 12 Monaten weiter abkühlt, muss der Markt nun die Gewinnrückgänge bewältigen, die sich aus steigenden Kosten und langsameren Wachstum ergeben. Er wird beginnen, zwischen den Unternehmen zu unterscheiden, die dies aufgrund ihrer Dominanz und Preissetzungsmacht verkraften und denjenigen, die es aufgrund von Zyklizität, Verschuldung oder einem disinflationären Geschäftsmodell nicht können.

Thorsten Schneider, Executive Director, Country Manager und Head of Institutional Sales, Robeco Deutschland: Die Fed und die EZB haben die Zinsen deutlich angehoben. Andere Notenbanken dürften folgen. Der Umfang der Kreditschöpfung verringert sich damit und der Immobilienmarkt wird gedämpft. Daher kommt es zu weniger Nachfrage und möglicherweise geringerer Wirtschaftskraft. Eine solche Konjunkturabschwächung ist wesentlich für eine höhere Inflation, die im dritten Quartal 2022 ihren Höchststand erreicht haben sollte.

Gergely Majoros (CFA), Portfolio Advisor und Mitglied des Investment-Komitees, CARMIGNAC:

Wenn der Ölpreis auf dem heutigen Niveau bleibt, war „Peak Inflation“ in den USA bereits im Juni. Das heißt, dass die monatlichen Inflationsdaten in den USA voraussichtlich fallen werden. Gleichzeitig ist aber davon auszugehen, dass die Inflationszahlen in den nächsten 12 Monaten deutlich über dem Ziel der Zentralbanken bleiben, sodass es noch zu früh ist, einen Kurswechsel bei der Fed oder EZB zu erwarten.

 

Welchen Fehler sollte man in diesen unsicheren Zeiten auf keinen Fall machen?

Matthias Kurzrock, Portfoliomanager und Stockpicker der Aktienstrategie Paladin ONE: Viele Aktien – ungeachtet der Marktkapitalisierung – haben drastische Kursverluste verzeichnet. Auf Basis der derzeitigen Prognosen für das laufende Jahr erscheinen viele Unternehmen nun sehr billig. Dies dürfte sich an vielen Stellen als Trugschluss erweisen. Viele der aktuell vermeintlich günstigen Bewertungen werden sich in der Rückschau als nicht mehr billig erweisen, wenn die Prognosen von der Wirklichkeit eingeholt worden sind.

Nick Clay , Lead Portfolio Manager der Global-Equity-Income-Strategie  Redwheel: 1) Zu glauben, dass der Markt zu seinem früheren Charakter zurückkehrt. Es ist nie derselbe Sektor, der in eine Blase hinein- und wieder hinausführt. 2) Seit der Finanzkrise sind kaum noch Unternehmen zahlungsunfähig geworden. Die Fülle billiger Kredite hat die Anfälligkeit vieler Geschäftsmodelle verschleiert. Wahrscheinlich ist, dass es nun zu einem “Bad Debt“-Zyklus kommt, auf den viele nicht vorbereitet sind.

Thorsten Schneider, Executive Director, Country Manager und Head of Institutional Sales, Robeco Deutschland: Kurzfristige Ereignisse sollten tendenziell nicht überbewertet werden. Auf lange Sicht zeigen Investments in ein gut diversifiziertes Aktienportfolio einen starken Inflationsschutz. Wer eine langfristige Strategie verfolgt, sollte auch die aktuell turbulente Zeit gut überstehen.

Gergely Majoros (CFA), Portfolio Advisor und Mitglied des Investment-Komitees, CARMIGNAC:

Anleger sind gut beraten, die aktuelle Verlangsamung der Konjunktur im Auge zu behalten, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Rezession führen wird. Eine Gewinnrezession für Unternehmen in den kommenden Quartalen ist ziemlich wahrscheinlich, da die Gewinne, sogar ohne Rezession, erheblich unter höheren Kosten und den Versorgungslücken leiden werden.

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