Auf dem dpn-Roundtable Asset Liability Management (ALM) sprach Dr. Nicolas Vogelpoth, SVP und Head of Asset Management & Quantitative Strategy bei Uniper, über Stressszenarien in einer Pandemie und die strategische Ausrichtung für das CTA.

Herr Dr. Vogelpoth, lässt sich das Stressszenario einer Pandemie im ALM abbilden?

Dass eine solche Pandemie kommt und sich ein daraus folgendes Stressszenario einstellt, haben wir so nicht vorhergesehen. Natürlich müssen wir mit externen Schocks rechnen. Auch eine Pandemie als exogene Schockursache sollte in der Kapitalanlage nichts Neues sein. Seit der zweiten Jahreshälfte 2019 ist Uniper dabei, eine neue ALM-Studie und eine neue strategische Asset Allocation für das CTA zu entwickeln. Wir haben uns damals Gedanken über mögliche neue Kapitalmarktregime gemacht und drei Szenarien diskutiert.

Welche drei Szanarien sehen Sie für neue Kapitalmarktregime?

Erstens: Das Lower-for-longer-Szenario wird sich weiter entfalten mit niedrigen Zinsen, niedriger Inflation und hohen Asset-Ankäufen durch die Zentralbanken. Zweitens: Wir kommen durch eine Rezession in ein Szenario, das wir mit Debt Monetization beschreiben. Vieles, was gegenwärtig an den Kapitalmärkten passiert, erinnert mich an dieses Szenario, in dem die Zentralbanken mit ihren konventionellen Maßnahmen wie Zinssenkung und unkonventionellen Maßnahmen wie Quantitative Easing am Ende sind. Effekte wie „Pushing on a String“ aus den 1930er Jahren zeigen sich wieder. In dieser Situation ist eine konzertierte Fiskal- und Monetärpolitik gegen den Schock notwendig.

Das Szenario, dass Fiskal- und Monetärpolitik Hand in Hand gehen, tritt typischerweise dann ein, wenn Volkswirtschaften hoch verschuldet sind und wenn Zentralbanken mit ihren Zinsmaßnahmen an ein Limit kommen. Dieses Kapitalmarktregime haben wir in den vergangenen Wochen gesehen, und damit müssen wir uns auch in den nächsten Jahren auseinandersetzen. Das bedeutet mehr direkte Schuldenfinanzierung durch Zentralbanken. Die Fed hat angekündigt, alle emittierten US-amerikanischen Staatsanleihen aufzukaufen. Ähnlich hat sich die Bank of England zu Ankäufen britischer Staatsanleihen geäußert. Die EZB stellt 750 Milliarden Euro für den Kauf von Staatsanleihen in Aussicht.

Werden die Zentralbanken weiter Staatsanleihen kaufen?

Ich gehe davon aus, dass die Notenbanken diesen Weg fortsetzen werden. Kritisch wird es bei der Frage, wer die Rechnung am Ende bezahlen soll. Zentralbanken werden die Zinsen vermutlich auf einem leicht erhöhten Niveau deckeln, sie werden weiterhin als Käufer eintreten, um die Zinsen niedrig zu halten. Das wird mit Restrukturierungen beziehungsweise mit anderen Reduktionen auf der Ausgabenseite Hand in Hand gehen müssen. Eine ­weitere Schraube ist die Einnahmenseite. Wir werden über neue Vermögensabgaben und Steuererhöhungen sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass diese drei Maßnahmen – das Drucken von Geld, das Zurückfahren der Ausgaben und die Steigerung der Einnahmen – zur Verfügung stehen, um die Folgen der Pandemie in den Griff zu bekommen. Für die Kapitalanlage erwarte ich ein Umfeld höherer Inflation, weiterhin niedriger Zinsen und politischer Unsicherheit.

Das dritte Szenario, das wir uns im Rahmen unserer ALM-Studie anschauen, ist ein zunehmender Vertrauensverlust in die globalen Reservewährungen zusammen mit erhöhter Inflation.

 

Lesen Sie das gesamte Gespräch zum Thema ALM in der aktuellen dpn-Sonderausgabe Mai 2020.   Zu Gast waren neben Herrn Vogelpoth von Uniper auch Horst Grögler, Head of Pension Asset Management der TRATON SE, Eberhard Haug, Director Asset Management – Liquid Assets bei EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Wolfgang Murmann, Head of Solutions Germany von Insight Investment, Martin Thiesen, Geschäftsleitung der Metzler Pension Management GmbH, und Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director und Head of Sales and Client Management bei Willis Towers Watson.

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