Bis 2025 plant die Kirchliche Zusatzversorgungskasse (KZVK) einen Renditeportfolio-Anteil von 67 Prozent an. Vor allem die Investitionen in Real Assets sollen ausgebaut werden, berichtet Eckhard Bergmann.

Die Kirchliche Zusatzversorgungskasse des Verbandes der Diözesen Deutschlands (KZVK) hat das Finanzierungssystem zum 1. Januar 2020 umgestellt. Damit ist der Weg frei für den institutionellen Investor für eine Neuausrichtung der strategischen Kapitalanlage in Richtung „angelsächsischer Verhältnisse“. Aber der Weg in die „neue Welt“ ist noch lang – fast sieben Jahre – und ambitioniert.

Über die nächsten fünf Jahre soll das Verhältnis der beiden Teilportfolios „ALM” und „Rendite” von einer 50:50-Gewichtung in Richtung „ein Drittel zu zwei Drittel“ drehen. Das ALM-Portfolio, das sich ausschließlich aus festverzinslichen Wertpapieren im Direktbestand zusammensetzt, wird kaum noch wachsen.

Um den bisherigen aktuariellen Rechnungszins von 3,25 Prozent zu halten, ohne den Beitragssatz abgesehen von einem noch geplanten einmaligen Beitragssprung 2027 nach oben zu drehen, muss die Kapitalanlage einen großen Beitrag leisten.

Das Renditeportfolio muss im Mittel um 3,5 Prozent wachsen. „Das ist nach unserer heutigen Einschätzung eine ambitionierte, aber lösbare Aufgabe“, befindet Dr. Oliver Lang, das zuständige Vorstandsmitglied für die Kapitalanlage. Zum Vergleich: 2019 war die Performance des Renditeportfolios sogar zweistellig, rund 10,5 Prozent. „Natürlich wird es auch andere Jahre geben“, ist sich Lang bewusst.

Die passende strategische Allokation dazu sieht die KZVK im Ziel bei einem Realwertanteil im Renditeportfolio von 75 Prozent zuzüglich eines Anteils von 25 Prozent gut rentierlicher Rentenwerte. Bezogen auf die gesamten Kapitalanlagen wären das 50 Prozent Realwerte – fast „angelsächsische Verhältnisse“, möchte man sagen. Es gibt nicht viele Pensionskassen oder Versorgungswerke, die sich so weit vorwagen.

Aus vier Asset-Klassen soll der Realwerteblock bestückt werden: zu ungefähr gleichen Teilen aus Aktien und Private Equity einerseits sowie Infrastruktur und Immobilien andererseits. Das ist die Zukunft. Bis dahin allerdings ist insbesondere bei Private Equity und Infrastruktur „noch ein ordentlicher Weg zu gehen“, so Lang. Das ist kaum verwunderlich. Denn dazu muss nach Rechnung des Managements eine Milliarde Euro pro Jahr an Kapital zugesagt werden, um auf die Zielquoten zu kommen. Im vergangenen Jahr ist dies gelungen, und – was noch höher zählt – etwa 230 Millionen Euro wurden bereits unmittelbar investiert. Hinzu kamen Immobilien-Investments von circa 500 Millionen Euro. Diesen Erfolg schreibt Lang auch dem konsequenten Aufbau von strategischen Partnerschaften zu.

Direkt-Investments in Infrastruktur

Sie eröffnen insbesondere Zugang zu Direkt-Investments in Infrastruktur. So wurden 2019 erstmals zwei Direkt-Investments im Bereich erneuerbarer Energien getätigt. Vorteil solcher Co-Investments ist, dass die KZVK sozusagen huckepack von der Expertise der Partner – zum Beispiel großer in- oder ausländischer Versicherungsunternehmen – profitieren kann.

Auch bei Immobilien-Investments arbeitet man inzwischen – neben einer Vielzahl von Fondspartnern – mit vier strategischen Partnern in Ein-Anleger-Mandaten zusammen. Ausgeprägter als bei üblichen Fondsbeteiligungen ist man hier „Partner auf Augenhöhe“, der bei der Anlage mitbestimmt. Im Immobilienbereich ersetzen solche strategischen Partnerschaften inzwischen die früheren Direkt-Investments.

Aktien am globalsten angelegt

Wie weit reicht das regionale Spektrum der Anlagen dabei? Das Aktienportfolio ist natürlich am globalsten angelegt. Das gilt auch im Hinblick auf Nischenstrategien wie zum Beispiel Small-Cap-Strategien, die ebenfalls in entfernten Märkten gemacht werden. Bei den anderen Asset-Klassen ist das nicht ganz so. Dort liegt der regionale Fokus vor allem auf Europa und den USA.

Bei Private Equity sind zudem 2019 erstmals gezielt Länder in Asien (außerhalb Chinas) erschlossen worden. Ähnlich ist die regionale Verteilung der Infrastrukturanlagen. Asien wird hier aber zurzeit noch nur als Beimischung in globalen Mandaten angesteuert. Im Immobilienbereich liegt dagegen ein besonderer Fokus auf europäischen Ländern außerhalb der Eurozone, insbesondere Skandinavien. Aber auch in den USA wird seit 2018 investiert.

Nicht zu vergessen: Fixed Income!

Trotz aller Renditeorientierung darf nicht aus dem Blickfeld geraten, dass 50 Prozent des Zielportfolios festverzinsliche Wertpapiere bleiben – derzeit sogar noch über 60 Prozent. Wie geht die KZVK dort vor?

Der Fixed-Income-Block aus dem Renditeportfolio ist natürlich hochprozentiger angelegt als das ALM-Portfolio. Da handelt es sich um aktive (Fonds-)Strategien, nicht um Held-to-Maturity-Ansätze wie im ALM-Portfolio. Hinzu kommen spezifische Strategien im Covered-Bond-Bereich, High-Yield- und EM-Anleihen. Das Thema Nachränge steht für 2020 auf der Agenda.

Aber auch das ALM-Portfolio ist mit einer Marke jenseits der 2,5 Prozent renditestärker, als es zunächst scheinen mag. Das Management nutzt Opportunitäten bei großvolumigen Private Placements (in Richtung dreistelliger Millionenbeträge und langen Laufzeiten 15 bis 20 Jahre), wo 2019 auch mit bonitätsstarken, oft staatsnahen Schuldnern noch Einstiegsrenditen zwischen 1,7 und 2,0 Prozent erzielt werden konnten. Dafür hat das Anlageteam inzwischen ein beachtliches Netzwerk aufgebaut. „Wenn uns nur drei oder vier solcher Transaktionen im Jahr gelingen, haben wir unsere Ziele schon erreicht“, so Lang.

Nachhaltigkeit als Gesamtziel…

Ein wichtiges Merkmal des Finanzierungssystems ist last, but not least der ­Nachhaltigkeitsansatz. Er soll das gesamte Portfolio von 25 Milliarden Euro, nicht wie häufig nur Teile, erfassen. Nach­haltigkeit hat für das Management aber einen doppelten Sinn. Sie bezieht sich nicht allein auf die ethisch-nachhaltige ­Maxime, sondern umfasst auch die dauerhafte Tragfähigkeit des gesamten Finanzierungsansatzes.

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