Neue Struktur, größere Geschäftsführung, mehr Professionalität: Dr. Hans Wilhelm Korfmacher steuerte als Vorsitzender der Geschäftsführung den Umbau an der Spitze des Versorgungswerks der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer im Lande Nordrhein-Westfalen (WPV).

Herr Dr. Korfmacher, das WPV wurde 1993 gegründet und ist damit ein relativ junges berufsständisches Versorgungswerk. Wie kam es zur Gründung?

Hans Wilhelm Korfmacher: Mitte der 80er Jahre dachten auch die Wirtschaftsprüfer darüber nach, ein eigenes Versorgungswerk zu gründen, wie es die meisten anderen freien verkammerten Berufe bereits in den Jahrzehnten davor getan hatten. Vorher mussten Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer sich selbst um ihre Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung kümmern. Eine bundesweite Versorgungseinrichtung – parallel zur Kammerorganisation in nur einer bundesunmittelbaren Körperschaft des öffentlichen Rechts – war im Hinblick auf die Gesetzgebungszuständigkeit der Bundesländer für die berufsständische Versorgung nicht möglich.

Daher ist der Berufsstand an das Land Nordrhein-Westfalen mit der Bitte herangetreten, zunächst in diesem Bundesland eine Versorgungseinrichtung zu schaffen. Zwei Gründe sprachen für NRW: Zum einen hatte die Wirtschaftsprüferkammer damals ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen, zum anderen war mehr als ein Viertel aller Wirtschaftsprüfer im Land an Rhein und Ruhr angesiedelt. Das Land hat diese Anregung aufgegriffen und im Jahr 1993 mit dem „Gesetz über die Versorgung der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer im Land Nordrhein-Westfalen“ das WPV errichtet. In den Materialien zum Gesetzentwurf hat das Land NRW damals bereits bekundet, dass die Bereitschaft besteht, in geeigneter Form anderen Bundesländern die Mitwirkung an dieser Versorgungseinrichtung zu ermöglichen.

In den Jahren 1997 bis 2002 sind sodann Staatsverträge zwischen dem Land NRW und 14 Bundesländern geschlossen worden, für die Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer im Saarland ist im Jahr 2002 eine Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung durch Einbeziehung in ein gemeinsames Versorgungswerk mit den Steuerberatern eingerichtet worden.

Dr. Hans Wilhelm Korfmacher Bildquelle: WPV

Wer sind die Mitglieder des WPV, und wer ist weiterhin leistungsberechtigt?

Hans Wilhelm Korfmacher: Ähnlich wie in anderen berufsständischen Versorgungswerken gilt auch bei uns eine Pflichtmitgliedschaft für alle Angehörigen des Berufsstandes, also für Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer. Mitglieder sind zudem die gesetzlichen Vertreter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die selbst nicht Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer sind. Dazu gehören insbesondere Steuerberater und Rechtsanwälte, aber zum Beispiel auch Ingenieure oder Diplom-Mathematiker, die mit Genehmigung der Wirtschaftsprüferkammer als gesetzliche Vertreter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Buchprüfungsgesellschaft tätig sind.

Für Mitglieder anderer berufsständischer Versorgungswerke, also beispielsweise Rechtsanwälte, sind Regelungen getroffen worden, die eine Beitragspflicht in zwei Versorgungswerken verhindern. Unsere Mitglieder entrichten grundsätzlich Pflichtbeiträge in einer Höhe, die der Höhe des Beitrags an die gesetzliche Rentenversicherung entspricht. Neben den Pflichtbeiträgen können zusätzliche freiwillige Beiträge entrichtet werden, die Beitragshöhe darf 250 Prozent des Beitrages an die gesetzliche Rentenversicherung nicht übersteigen.

Das WPV bietet seinen Mitgliedern eine Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung. Die Regelaltersgrenze liegt bei 67 Jahren, die Leistungen können aber – mit Abschlägen oder Zuschlägen – flexibel zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Bei Eintritt in das Versorgungswerk zum Beispiel mit 36 Jahren – dies entspricht dem kalkulatorischen durchschnittlichen Zugangsalter – und Zahlung des Regelpflichtbeitrages – also eines der Höhe nach dem Höchstbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung entsprechenden Beitrages – errechnet sich zum 67. Lebensjahr eine Altersrente in einer Größenordnung von rund 3.200 Euro.

Welches Finanzierungsverfahren nutzt das WPV?

Hans Wilhelm Korfmacher: Wir arbeiten nach dem offenen Deckungsplanverfahren. Es verknüpft aus unserer Sicht die Vorteile und Nachteile des Umlageverfahrens und des Kapitaldeckungsverfahrens und ist dadurch das stabilste der für uns in Betracht kommenden Finanzierungsverfahren. Das WPV ist, wie wohl bis vor wenigen Jahren alle berufsständischen Versorgungswerke, zunächst im Jahr 1993 mit einem Rechnungszins von 4 Prozent gestartet.

Im Hinblick auf die bekannte Kapitalmarktentwicklung mit deutlich sinkenden Renditeerwartungen insbesondere bei festverzinslichen Wertpapieren haben wir frühzeitig den Rechnungszins zunächst temporär und – nachdem eine Änderung der Zinslandschaft auf sich warten ließ – sodann auf Dauer für das gesamte Kollektiv, also anders als viele andere Versorgungseinrichtungen nicht nur für Neubeiträge, abgesenkt. Der Rechnungszins, der derzeit für den gesamten Bestand bei 3,35 Prozent liegt, soll, abhängig von der Kapitalmarktentwicklung, weiter abgesenkt werden. Wie bisher wollen wir dies ohne Eingriff in das Leistungsrecht unter teilweisem Verzicht auf ansonsten mögliche Anpassungen von Anwartschaften und Leistungen aus den Überschüssen darstellen. Im Hinblick auf den Aufbau erheblicher Reserven auf der Passivseite beträgt die tatsächlich erforderliche Nettoverzinsung im Übrigen nicht 3,35 Prozent, sondern rund 2,9 Prozent.

Wer ist beim WPV für die Kapitalanlage verantwortlich?

Hans Wilhelm Korfmacher: Hier sind wir anders aufgestellt als viele andere Versorgungswerke.
Ich muss deshalb zunächst unsere neue Organstruktur skizzieren, die durch Gesetzes- und nachfolgend Satzungsänderung 2019 geschaffen wurde. Geschäftsführendes Organ ist seit letztem Jahr eine hauptamtliche Geschäftsführung, nicht mehr wie vorher ein ehrenamtlicher Vorstand. Der Vorstand – an dieser Bezeichnung ist trotz seiner aufsichtsratsähnlichen Aufgaben bewusst festgehalten worden – besteht aus sechs Personen. Er überwacht als Kollegialorgan eine fünfköpfige Geschäftsführung. Zudem bestimmt der Vorstand im Hinblick auf den Selbstverwaltungscharakter des WPV die Grundsätze der Geschäftspolitik.

Das heißt für den Bereich der Kapitalanlage, dass der Vorstand auf der Grundlage von Asset-Liability-Studien zum Beispiel die strategische Allokation mit Zielkorridoren für einzelne Asset- bzw. Risikoklassen und die Risikoneigung der Vermögensanlage, ausgedrückt unter anderem über ein Risikobudget, festlegt. In operative Entscheidungen zur Kapitalanlage ist der Vorstand nicht eingebunden. Diese operativen Entscheidungen zur Kapitalanlage treffen die Geschäftsführung und die insoweit zugeordneten Experten für die einzelnen Asset-Klassen. Konkret sind drei Geschäftsführer auf der Seite des Portfoliomanagements und zusätzlich ein Geschäftsführer für das Risikomanagement mit Kapitalanlagefragen befasst.

Wie organisieren Sie die Kapitalanlage?

Hans Wilhelm Korfmacher: Insgesamt beläuft sich unser Anlagevermögen derzeit auf gut vier Milliarden Euro. Das Anlagevermögen wird, da das WPV noch ein vergleichsweise junges Versorgungswerk mit geringen Zahlungsverpflichtungen ist, in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen, so dass – im Hinblick auf das Zinsniveau und die sonstigen Herausforderungen muss man leider sagen – in erheblichem Umfang Neuanlagen getätigt werden müssen. Dass dies im aktuellen Kapitalmarktumfeld eine Herausforderung darstellt, bedarf sicherlich keiner weiteren Erläuterung.

Neben der Direktanlage in Zinsträgern und zum Beispiel Grundschulddarlehen ist die Vermögensanlage über einen Master-Spezialfonds für liquide AssetKklassen wie beispielsweise Aktien, Wandelanleihen, High Yield, Senior Secured Loans und Emerging Market Debt sowie zwei Luxemburger SCS für Immobilien und alternative Anlagen strukturiert. Als Master-KVG haben wir die BayernInvest in München mandatiert, das Portfoliomanagement und Risikomanagement der Luxemburger Fonds obliegt der BayernInvest Luxemburg. Als Verwahrstelle fungiert bereits seit 2002 BNP Paribas.

Die Aufsichten für berufsständische Versorgungswerke sind in der Regel auf Landesebene angesiedelt. Für das WPV ist das Finanzministerium in Düsseldorf zuständig.

Hans Wilhelm Korfmacher: Das ist zutreffend, für das WPV ist das Ministerium der Finanzen in Düsseldorf zuständig. Rechtsgrundlage für die Aufsicht bzw. für die Geschäftstätigkeit und die Kapitalanlage des WPV ist dabei die Versicherungsaufsichtsverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, die leider feste Grenzen für die einzelnen Anlageklassen vorsieht. Diese Anlagegrenzen sind dabei sehr formal konzipiert und berücksichtigen zum Teil nicht den wahren Risikogehalt der Assets. Zudem verleiten die formalen Kriterien zu unnötigen Rechtsgestaltungen mit dem Hauptziel, Assets bestimmten Anlagequoten zuordnen zu können. Besser wäre es, die Regeln für die Anlagetätigkeit, die es selbstverständlich im Interesse der ordnungsgemäßen
Aufgabenerfüllung geben muss, an den Spezifika berufsständischer Versorgungseinrichtungen allgemein und nachgelagert der konkreten Versorgungseinrichtung, insbesondere an der Risikotragfähigkeit der einzelnen Versorgungseinrichtung, auszurichten.

Ich gehe davon aus, dass das Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen, dem die Spezifika der Versorgungswerke ja sehr bewusst sind, wie auch in der Vergangenheit bei anderen Fragestellungen konstruktiv daran arbeiten wird, die Spezifika in Ansehung der Herausforderungen für die Versorgungswerke bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und bei der Aufsicht angemessen zu berücksichtigen. Generell kann ich sagen, dass ich die Aufsicht durch das Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen in meiner nunmehr gut 25-jährigen Tätigkeit für das WPV nie als repressiv, also negativ, sondern als unterstützend für die Aufgabenerfüllung empfunden habe. Ich verstehe die staatliche Versicherungsaufsicht als positives zusätzliches externes Element unseres Risiko-Managements.

 

 

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