Auf 5 Milliarden Euro will die Talanx Gruppe ihre Investitionen in Infrastruktur und Erneuerbare Energien ausbauen. Warum der Trend zu langfristigen realen Assets erst an Fahrt gewinnt und wie Ampega das Infrastruktur-Portfolio für die Muttergesellschaft Talanx aufstellt, berichtet Antje Schiffler.

Drei Transaktionen in Höhe von insgesamt über 600 Millionen Euro hat Talanx allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres getätigt. Mit der Beteiligung am Oldenburger Versorger EWE haben die Infrastruktur-Investitionen der Gruppe erstmals die Marke von 3 Milliarden Euro überschritten. Hierfür spielt Ampega die gesamte Klaviatur der Sub-Asset-Klassen. „Wir sind bewusst sehr breit aufgestellt und decken alle wichtigen ­Sektoren ab“, erläutert Rouzbeh Amini, Senior Investment Manager bei Ampega.

Die Sektoren reichen von Erneuerbaren Energien über Netze bis hin zu ­Gasspeichern und Pipelines. Hinzu kommen der Transportsektor, Telekommunikation sowie Projekte im Bereich der sozialen Infrastruktur. Denn oft gibt es attraktive Anlagemöglichkeiten in den diversen Sub-Asset-Klassen für zwei oder drei Jahre, dann schließt sich das Window of Opportunity, so die Erfahrung der Kölner: „Wir sehen in den verschiedenen Anlageklassen Zyklen. Ein zu enger Fokus bedeutet daher einen zu geringen Deal Flow“, so Amini. Das breite Mandat ermöglicht der Ampega, in die Sektoren zu investieren, die fundamental gut aufgestellt sind, und bietet gleichzeitig die Flexibilität, sich aus überhitzten Märkten heraus­zuhalten.

Infrastruktur-Investments: Durations-Match

Infrastruktur-Investitionen passen wegen der langen Duration der Passivseite gut in viele institutionelle Portfolios, betont Dr. Peter Brodehser, Head of Infrastructure Investments bei Ampega. „Die Passivseite eines institutionellen Investors, insbesondere im Bereich der Lebensversicherung, hat eine normale Duration von 10 bis 15 Jahren. Anlagen im Kapitalmarktbereich haben dagegen eine weitaus kürzere Laufzeit. Unsere Infrastruktur-Investments sind in aller Regel langlaufend – im Schnitt genau 10 bis 15 Jahre. So haben wir eine optimale Balance zwischen Aktiv- und Passivseite“, erläutert der Experte.

Mit der langen Laufzeit einher geht eine entsprechende Durationsprämie. Für einen Versicherer, der in den meisten Fällen lange im Voraus seine Mittelabflüsse prognostizieren kann, bietet dies eine willkommene Renditequelle. Auch die Illiquidität von Investitionen im Bereich Real Assets ist für viele institutionelle Investoren kein Hindernis. Ganz im Gegenteil: Denn wenn ein Investment nicht liquide am Markt handelbar ist, können die dafür gezahlten Prämien vereinnahmt werden. Schließlich ist der schnelle, unerwartete Zugang zu Liquidität selten notwendig. Dies gilt in besonderem Maße für Lebensversicherungen und Pensionskassen.

Mit einem inzwischen 12-köpfigen Team hat Ampega die Kapazitäten, sich verschiedene Märkte zu erschließen, Investments zu begleiten und so die Komplexitätsprämien auszuschöpfen. „Um Rendite zu erzielen, gehen wir in eine lange Duration, in Illiquidität und Komplexität, aber nehmen kein erhöhtes Risiko in Kauf. Ganz im Gegenteil: Die Asset-Klasse Infrastruktur birgt deutlich weniger Risiken als beispielsweise klassische Corporate Bonds. Diverse Studien belegen, dass bei gleicher Ausfallwahrscheinlichkeit die Ausfallraten deutlich niedriger sind als bei klassischen Corporate Anleihen. Das heißt, Infrastruktur-Investments weisen ein geringeres Risikoprofil als herkömmliche Asset-Klassen auf“, fasst Brodehser die Strategie zusammen.

Anfänge im Fondsbereich

Das Infrastruktur-Team des Versicherers ist aus dem Fondsbereich heraus gewachsen. Nach der Finanzkrise wurden zunächst Co-Investments auf den Weg gebracht. Mit den stetig weiter absackenden Zinsen wurde klar, dass alternative Investment-Strategien weiter angeschoben werden müssen. Im Jahr 2014 hat die Ampega daher eine eigene Abteilung für Infrastruktur-Investitionen aufgesetzt, die bisher rund 50 Transaktionen in 12 Ländern umgesetzt hat. „Angefangen haben wir mit Eigenkapital-Investments. Aber für uns als Versicherer mit starkem Fokus auf Fixed Income ist Fremdkapital kulturell naheliegender“, erläutert Amini. Das Ziel für Neugeschäft ist daher: rund zwei Drittel Fremdkapital und ein Drittel Eigenkapital.

Inzwischen bietet Ampega auch Beteiligungen für Drittparteien an. Hiervon profitieren vor allem Häuser aus dem institutionellen Bereich, die nicht über die personellen Ressourcen verfügen, um Infrastruktur-Deals selber zu strukturieren. „Die DNA dieser Anleger ist identisch zu unserer und wir bewegen uns im selben regulatorischen Rahmen. Die Investoren sehen, dass wir unsere eigenen Gelder in die Projekte legen. Das erzeugt Vertrauen“, ist Amini überzeugt. Auf diese Art und Weise hat Ampega bereits über 2 Milliarden Euro allein in Projekten im Bereich Erneuerbare Energien strukturiert, wobei auf die Drittparteien „deutlich mehr als die Hälfte“ der Gelder entfallen.

Lesen Sie mehr über Infrastruktur-Investments sowie ein ausführliches Interview mit Dr. Peter Brodehser, Head of Infrastructure Investments bei Ampega, und Rouzbeh Amini, Senior Investment Manager bei dem Unternehmen, in der neuen dpn-Printausgabe. Erscheinungstag ist der 3. Juli 2020.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »