Der Niedrigzins treibt Anleger in illiquide alternative Assets. Infrastruktur dürfte durch den Renditedruck im Niedrigzinsumfeld und die Corona-Krise laut Ampega Asset Management weiter an Fahrt gewinnen.

Drei Infrastruktur-Transaktionen in Höhe von insgesamt über 600 Millionen Euro hat Ampega für die Muttergesellschaft Talanx allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres getätigt. Dr. Peter Brodehser, Head of Infrastructure Investments bei Ampega, und Rouzbeh Amini, Senior Investment Manager, erläutern die Vorteile dieser Investments für institutionelle Anleger.

Erneuerbare Energien bilden einen großen Bestandteil Ihres Infrastruktur-Portfolios. Was macht diese Investments attraktiv?

Brodehser: Wir als Versicherer sind von der DNA her Fixed-Income-Anleger. Mit Infrastruktur finden wir hierfür ein Surrogat. Im Bereich der Stromerzeugung zum Beispiel generieren Abnahmeverträge mit festen Mengen- und Preisklauseln (PPA) einen konstanten Cashflow. Außerdem bieten Erneuerbare einen natürlichen Hedge fürs Portfolio. Wir verfolgen die Strategie, in eine Kombination aus Solar- und Windprojekte zu investieren. Diese sind negativ korreliert: So lag im warmen Sommer 2019 zwar die Windausbeute unter den Erwartungen, dafür aber lag die Solarstrom-Produktion deutlich höher. Außerdem korrelieren Wind und Sonne nicht mit anderen Asset-Klassen wie beispielsweise Aktien. Während des historischen Einbruchs am US-Aktienmarkt im März 2020 war unser Portfolio daher sehr stabil.

Wie hoch sind die Restrisiken bei PPAs? Schließlich laufen diese Kontrakte in der Regel nur über 10 bis 15 Jahre, eine typisches Solar- oder Windparkprojekt hat aber eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren. Und wie schätzen Sie die Preis- und Mengenrisiken während der Vertragslaufzeit ein?

Amini: Um uns ein genaues Bild über die Entwicklung dieser Risiken zu machen, binden wir pro Projekt mehrere externe Consultants ein. Sie erstellen für die entsprechende Region, Topographie und angewandte Technologie maßgeschneiderte Mengen- und Strompreisprognosen mit statistischen Konfidenzintervallen, die wir in Szenarioanalysen und „Stresstests“ einbeziehen. Langfristige Festpreise durch PPAs mit starken Kontrahenten bilden primär die Basis zur Sicherung von Kapitalerhalt und Mindestverzinsung. Hinzu kommen nach der PPA-Festpreisperiode Verlängerungsoptionen und der Kauf (Verkauf) von Floors (Caps).

Die verbleibenden Restrisiken gehen wir gerne ein, denn diese kommen mit Chancen einher und ohne Risiko gibt es keine Rendite. Um auch „risikoadjustierte“ Renditen sicherzustellen, greifen wir im Rahmen der Due Diligence unter anderem auf Analysemethoden zurück, die sich über Jahrzehnte zur Einschätzung von Preisrisiken auf Rohstoffmärkten als „Best Practice“ bei Investoren, Banken und Ratingagenturen etabliert haben.

Die verbleibenden Einflussfaktoren auf die Rendite sehen wir als weitgehend unkorreliert zur konventionellen Kapitalanlage und damit als attraktive Diversifizierungsmöglichkeit, ähnlich wie sie Versicherungskonzerne zum Beispiel über Wetterderivate suchen.

Brodehser: Bei Infrastruktur-Investitionen soll nach unserer Auffassung immer derjenige das Risiko tragen, der es am besten einschätzen kann. Für den Strompreis sind wir das nicht. Hierfür gibt es Experten, etwa bei Utilities. Deshalb haben wir bei allen Finanzierungen entweder eine feste Einspeisevergütung oder ein PPA abgeschlossen, um genau dieses Risiko zu managen.

Welche Regionen bevorzugen Sie?

Brodehser: Wir sind ganz klar auf Europa fokussiert. Das ist zum Ersten der Währung geschuldet. Unsere Passivseite ist fast ausschließlich in Euro denominiert, und deshalb ist auch das Gros der Kapitalanlagen in Euro. So haben wir einen Match zwischen Aktiv- und Passivseite. Zum Zweiten ist Infrastruktur zwar ein internationales, aber kein interkontinentales Geschäft. Ich halte es für schwierig, von Köln heraus zu versuchen, ein Projekt in Australien zu strukturieren. Wir verfolgen solche Investments durchaus mal opportunistisch, um Erfahrungen zu sammeln und dem Portfolio beizumischen, aber unser Flaggschiff ist das nicht. Wir haben einen starken Fokus auf den Euroraum.

Bieten indirekte Investments eine Alternative, um solche Märkte zu erschließen?

Amini: Fonds sind definitiv ein Vehikel, um in diese Märkte einzusteigen, und wir halten auch indirekte Investments in Fonds. Wir verfolgen eine Komplementärstruktur aus direkten und indirekten Investments. Aber Vorfahrt haben immer die direkten Investments, schon weil hierfür keine Gebühren für Drittparteien anfallen. Die Region Asien aber versuchen wir zum Beispiel über Fonds abzubilden. Denn wenn man dort nicht vor Ort ist, kommt man mit direkten Investments schwierig in den Markt. Man braucht das Netzwerk. Und unser Netzwerk ist in Europa.

Also lieber „Make“ als „Buy“?

Brodehser: Absolut. Um dies zu realisieren, muss man als Investor aber eine gewisse Größe haben. Denn der Arbeitsaufwand im Portfoliomanagement ist hoch. Man braucht gewisse Ressourcen, um Projekte hinreichend zu begleiten. „Buy“ bietet dagegen die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln zu investieren. Als passiver Investor ist man aber nicht nahe dran am Asset. Der Nachteil sind wie erwähnt die Gebühren, die an die Fondsmanager gezahlt werden. Aber man kann auch eine Option dazwischen wählen. Das sind die Managed Accounts, die wir anbieten. Wir bringen damit Parteien an den Markt, die qua Ressourcen und Know-How nicht in der Lage wären, einen Deal eigenständig zu strukturieren.

Welche Bedeutung hat ESG für Ampega?

Brodehser: Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Die Talanx Gruppe hat im vergangenen Jahr die Principles for Responsible Investment (PRI) unterzeichnet. Außerdem hat sich Talanx auch zur Einhaltung der das eigentliche Versicherungsgeschäft betreffenden Principles for Sustainable Insurance (PSI) verpflichtet. In vielen Bereichen sind Infrastruktur-Investments per Definition nachhaltig, etwa im Bereich Erneuerbare Energien. Aber auch die vierte Säule in unserem Portfolio, die soziale Infrastruktur, zahlt ein auf das „S“. Wir beteiligen uns über Public Private Partnerships (PPP) zum Beispiel an Krankenhäusern in Irland und Portugal.

Wie performten Infrastruktur-Inestments bisher in der Krise?

Amini: Infrastruktur ist in der Corona-Krise ein Safe Haven. Während die liquiden Asset-Klassen gelitten haben, war Infrastruktur nur sehr gering betroffen. Infrastruktur adressiert die Grundbedürfnisse einer Bevölkerung. Während man sich einen Restaurantbesuch vielleicht spart, ändert sich der Strom- und Wasserverbrauch eines Haushalts kaum. Die Nachfrage ist sehr unelastisch. Ausnahmen sind natürlich Flughäfen und auch Mautstraßen. Wir haben diese Assets nicht im direkten Bestand, sondern sind hier nur indirekt über Fonds investiert. Der Anteil dieser Assets am Portfolio ist aber zu vernachlässigen.

Brodehser: Ich erwarte eine steigende Nachfrage. Für die Asset-Klasse sprechen die Stabilität und der gute Match von Aktiv- und Passivseite, ebenso wie die attraktiven Renditemöglichkeiten bei geringem Risiko. Viele Konjunkturprogramme beinhalten zudem auch Infrastrukturmaßnahmen, zum Beispiel den Ausbau des Breitbandnetzes.

Ich gehe davon aus, dass Regierungen versuchen werden, für die Programme auch private Gelder zu gewinnen, und so dürfte es zu einem Nachfragesprung kommen. Viele dieser Projekte werden wohl über Public Private Partnerships finanziert werden.

Ich erwarte einen Shift von liquiden zu illiquiden Assets in einem nie dagewesenen Ausmaß. Dies wird kommen und alternativlos sein. Denn die Branche wird auskömmliche Renditen nur über illiquide Assets erzielen können.
Peter Brodehser, Head of Infrastructure Investments, Ampega

 

Die Talanx Investment Group verantwortet unter der Marke Ampega die Vermögensverwaltung des Talanx-Konzerns. Dabei ist die Ampega Asset Management GmbH verantwortlich für die Anlagen des Talanx-Konzerns am Geld-, Kapital- sowie  Immobilienmarkt.

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