Tobias C. Pross, Leiter Institutionelle Kunden bei Allianz Global Investors in Europa, zu Beratungs-Tools, Infrastrukturinvestments und Risiko.

Institutionelle Kunden klagen über das Niedrigzinsumfeld. Haben Sie Antworten?

Tobias C. Pross: Zunächst muss man genau fragen und zuhören, um zu verstehen, wie Kunden ihre Ziele erreichen können. Wir beraten unsere Kunden ganzheitlich. Ein wichtiger Baustein ist dabei unser Portfolio Health Check, eine webbasierte Applikation, die wir in der Beratung einsetzen. Damit können wir mit wenigen Eingaben aufzeigen, wie sich eine Veränderung der Asset Allocation auf die Volatilität, die erwartete Performance und die Verteilung des Risikos im Portfolio auswirken.

Der Computer bezwingt also das Niedrigzinsumfeld und macht automatisch die Optimierung?

Pross: Wir haben dezentrale Intelligenz auf zwei Füßen. Wir fragen unsere Kunden, was sie mit ihrer Kapitalanlage erreichen wollen. Da haben sie nicht nur den Kapitalmarkt als Gegenspieler, sondern unterschiedliche regulatorische Anforderungen. Wir können das alles durchspielen, angefangen von der Risiko-Illiquiditätsprämie für bestimmte Assets, über Inflationsszenarien, hin zu Verlustrisiken bis zum erforderlichen Eigenkapital.

Und dieses Tool wird ständig mit neuen Informationen gefüttert?

Pross: Unsere Kollegen von risklab speisen monatlich Markt- und Szenariodaten ein.

Sind institutionelle Investoren offen für Portfolio-Optimierungen?

Pross: Institutionelle sind offener gegenüber Portfolio-Anpassungen, seit Bonitätsrisiken auch bei Staatsanleihen ein Thema sind. Dazu kommt, dass sie nicht mehr das verdienen, was sie früher mal verdient haben. Gleichzeitig sind weder die Verpflichtungen auf Kundenseite zurückgegangen noch deren Leistungsversprechen: Die Leute werden älter und bekommen so in Summe mehr Rente. Als Verantwortliche haben Sie zwei Stellschrauben – entweder Sie optimieren Ihr Portfolio und können das Leistungsversprechen bedienen, oder es gibt eine Rentenkürzung.

Wie wird geschraubt?

Pross: Viele institutionelle Investoren reagieren und ändern ihre Asset Allocation. So haben wir bereits ein Volumen von gut 2 Milliarden Euro im Bereich Infrastruktur platziert. Wir sehen das als möglichen Ersatz auf der Pfandbriefseite.

Consultants beraten heute ganz ähnlich. Was können Sie besser?

Pross: Ich liebe provokante Fragen. Zu unseren wichtigsten Kunden gehört unsere Muttergesellschaft. Wir sprechen dort über die Absicherung von 17 Millionen Menschen in Deutschland und global 70 Millionen Kunden im Versicherungsportfolio. Sie dürfen also davon ausgehen, dass unsere Kunden zu Recht ein hohes Maß an Expertise und kompetente Beratung von uns erwarten. Wir wollen dabei die Dinge anschaulich machen und messbar sein gegenüber unserem Leistungsversprechen. Und: Wir ersetzen nicht die Consultants – die haben ebenfalls ihre Funktion.

Es geht also auch um Komplexreduktion?

Pross: Es gibt den bekannten Spruch, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Passt die Asset-Klasse beispielsweise ins bestehende Portfolio? Kann ich das Leistungsversprechen in meinem regulatorischen Umfeld erfüllen? Darum geht es im Grunde genommen. Es ist keine Hexerei, sondern eine strategisch ausgerichtete Diskussion mit unseren Kunden.

Wächst die Zuversicht bei institutionellen Investoren, die Probleme zu bewältigen?

Pross: Es kommt sehr darauf an, in welchem Segment Sie unterwegs sind. Für Stiftungen beispielsweise ist das Umfeld herausfordernd. Welche Reserven haben Sie, damit Sie den Stiftungszweck erfüllen können? Der Kapitalstock soll ja nicht angetastet werden. Sprechen Sie mit Unternehmen, ist die Situation häufig schon ein bisschen entspannter. Wiederum anders ist die Situation bei Versicherern, die sich auf die Regularien mit Solvency II vorbereiten. Das Stimmungsbild ist also nicht einheitlich. Andererseits konnten Institutionelle auf der Aktienseite im letzten Jahr gut verdienen.

Welche aktuellen Trends sehen Sie am Markt?

Pross: Einen Trend haben wir bereits angesprochen, das ist Infrastruktur. Daneben optimieren viele Anleger ihr Fixed Income Portfolio. Wir haben mit dem European High Yield Defensive ein Produkt mit besonderen Blick auf die Bedürfnisse von Versicherungen entwickelt. Auf der Aktienseite sehen wir hohes Interesse an globalen Small Caps. . Es gibt aktuell viele Themen…

Bleiben wir bei Infrastruktur.

Pross: Von den 2 Milliarden Euro Kundengeldern haben wir bereits 1,2  Milliarden in konkrete Projekte investiert. Der Schwerpunkt liegt auf Senior Secured-Projekten mit Investment Grade. Im Vorfeld durchleuchten wir die Investitionsvorhaben sowohl auf Projektrisiken wie auch Kreditrisiken in der Due Diligence.

Als größtes Risiko gilt heute, kein Risiko einzugehen. Wie überzeugen Sie einen Investor, Risiko zu nehmen?

Pross: Mit unserem Risk Management Overlay partizipieren unsere Kunden seit langem erfolgreich an den Risikoprämien und begrenzen gleichzeitig die Downside. Muss jemand ein skeptisches Gremium überzeugen, können wir zum Beispiel vom bestehenden Portfolio einen kleinen Teil abspalten, wo dann das Bessere des Guten Feind ist. Das heißt also, wir lassen parallel kleinere Accounts mit unserem Risk Management-Ansatz laufen und schauen, wie diese im Vergleich performen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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