Über die Performance von Infrastruktur-Investments sprach Jan-Peter Müller, Head of Infrastructure Investment der Commerz Real.

Herr Müller, die Aktienmärkte haben in dieser Krise ihren Schwachpunkt gezeigt: Volatilität. Was ist eigentlich das Gegenteil einer Aktie – langweilig, stabil und mit physischem Wert hinterlegt?

Die Bafin hat nicht umsonst entschieden, die fixe Immobilien-Quote für KAGB-regulierte institutionelle Anleger vorerst und auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Durch die enorme krisenbedingte Volatilität der Aktienmärkte und der daraus resultierenden massiven passiven Abwertung von Aktienbeständen waren nur so Notverkäufe von Sachwerten – die weitestgehend stabil geblieben sind – zu verhindern. Ich hoffe, dass diese pragmatische Ad-Hoc-Lösung mittelfristig institutionalisiert wird. Sie ist definitiv sinnvoll.

In jedem Fall schärft die jüngste Krisenerfahrung sicher den Blick bei dem ein oder anderen Investor für Asset-Klassen, die eine niedrige Korrelation zur Gesamtkonjunktur und den Finanzmärkten aufweisen – allen voran Infrastruktur-Assets wie Telekommunikationsnetze, Windparks oder etwa Energiespeicher. Zu einem großen Teil handelt es sich dabei sogar um systemrelevante Assets, die besonders unempfindlich gegen exogene Schocks wie Covid-19 sind. Langweilig und stabil im besten Sinne also!

Was ist in dieser Zeit der Krise das wichtigste Gebot der Stunde für institutionelle Investoren? Was raten Sie Ihren Kunden?

Wichtig ist es natürlich immer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Keep calm and keep going. Auch die jetzige Krise wird vorüber gehen und bietet langfristig orientierten Anlegern ausdrücklich auch Opportunitäten. Das beginnt bei dem möglichen Anreiz zur Neuausrichtung des eigenen Portfolios und der Diversifizierung mit neuen Asset-Klassen und endet bei potenziell günstigen antizyklischen Ankäufen.

Speziell im Bereich Infrastruktur können staatliche Hilfsprogramme, die auch ökologische Nachhaltigkeitsziele verfolgen, Investitionen in Assets rund um die Energiewende attraktiver machen. Auch ist nicht auszuschließen, dass die öffentliche Hand mancher Länder in den kommenden Jahren bedingt durch sinkende Steuereinnahmen verstärkt auf Privatisierungen von Infrastruktur setzen könnte – auch das bietet Chancen für institutionelle Investoren.

Infrastruktur ist ein weites Feld. Was sind die sichersten Investment-Optionen für risikoaverse Anleger?

In der Tat handelt es sich bei „Infrastruktur“ nicht um eine, sondern viele verschiedene Asset-Klassen. Sie alle haben aber gewisse Merkmale gemeinsam, etwa den langfristigen Anlagehorizont und die hohe Wertstabilität. Besonders risikoarm sind natürlich Assets, die in ihren Cashflow-Strukturen von staatlichen Preisgarantien, Quasi-Monopolen oder stabilen natürlichen Gegebenheiten profitieren.

Ein Paradebeispiel für staatliche Preisregime ist natürlich das deutsche EEG, das auskömmliche und stabile Cashflow-Renditen aus erneuerbaren Energieerzeugungs-Assets garantiert. Eher eine Investment-Nische ist dagegen noch das Thema Glasfaser-Netze, was ich zu den Quasi-Monopol Anlagen zählen würde. Eine ähnliche Logik gilt auch für Strom- und Fernwärme-Netze. Dies sind Assets, die sich schlecht ersetzen lassen und damit eine monopolartige Rolle einnehmen.

Rechnen Sie im Zuge der Corona-Krise mit steigenden Infrastruktur-Quoten in institutionellen Portfolios?

Die Corona-Krise wirkt weniger als Auslöser sondern mehr als Katalysator eines seit Jahren bestehenden Trends unter institutionellen Investoren in Richtung höherer Sachwerte-Quoten. Neben Immobilien sind Infrastruktur-Assets und hier vor allem Renewables und ESG-konforme Infrastruktur-Assets die großen Profiteure, was sich auch in Form eines Verkäufermarktes in diesen Asset-Klassen niederschlägt. Nicht nur im Zuge der weltweiten Energie- und Mobilitätswende sondern auch bedingt durch andere Megatrends wie Bevölkerungswachstum, demografischer Wandel und Urbanisierung wird weltweit Kapital in einer Größenordnung für Infrastrukturprojekte benötigt, die Staaten allein hoffnungslos überfordern würde.

Es führt schlichtweg kein Weg an einem deutlich stärkeren institutionellen Engagement im Infrastrukturbereich vorbei – seien es Assets im Bereich Mobilität und Transport, Energie oder Telekommunikation. Die geringe Korrelation zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und damit ein hohes Maß an Immunität gegenüber Krisen und exogenen Schocks wird sein Übriges tun, so dass ich fest davon überzeugt bin, dass institutionelle Infrastruktur-Quoten auch in Zukunft weiter steigen werden

Wo sehen Sie Unterschiede, speziell mit Blick auf Infrastruktur-Märkte, zwischen Corona-Krise und Finanzkrise ab 2008?

Die Finanzkrise hatte klar strukturelle Gründe und war in diesem Sinne kein exogener Schock wie Covid-19. Der wesentliche Unterschied der beiden Krisen ist, dass 2008 die Krise vom globalen Finanzsystem in die Realwirtschaft getragen wurde, jetzt haben wir die Gefahr einer umgekehrten Bewegung. Durch Pleiten und Insolvenzen in der Realwirtschaft könnte das Finanzsystem infiziert werden. Die Kreditvergabe von Banken ist nicht erst seit Ausbruch der Krise sondern schon seit Jahren konservativer als 2008, die Eigenkapitalausstattung der Banken wesentlich besser und die Fundamentaldaten der Realwirtschaft deutlich robuster. Last but not least haben Staaten sowie Notenbanken in dieser Krise schneller und entschiedener reagiert.

Insofern stehen die Chancen für eine schnellere Normalisierung und wirtschaftliche Erholung in der aktuellen Situation besser als damals. In Bezug auf die Infrastruktur-Märkte lässt sich festhalten, dass generell institutionelle Anleger heute ein deutlich größeres Exposure zu den Infrastrukturmärkten haben als noch 2008, die entsprechenden Quoten sind gestiegen. Dies führt dazu, dass sich Infrastruktur-Assets gerade als Stabilitätsanker für institutionelle Portfolios in Krisenzeiten beweisen können.

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