Die vorläufige Inflationsrate für Deutschland im Dezember 2021 lag bei 5,3 Prozent. Der Jahresdurchschnitt liegt damit bei 3,1 Prozent.

Die Inflation in Deutschland bleibt auf hohem Niveau. Im Dezember 2021 lag sie 5,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 1992. Vor allem die hohen Energiepreise sind für die Preissteigerungen verantwortlich. Der entsprechende Index verteuerte sich auf Jahressicht um satte 18,3 Prozent, berichtet destatis. Hinzu kommen Verteuerungen durch Lieferengpässe sowie Basiseffekte aus der temporären Senkung der Mehrwertsteuersätze sowie der neuen CO2-Abgabe.

Fürs Gesamtjahr 2021 würde die Inflationsrate in Deutschland damit bei 3,1 Prozent liegen. Dies ist der höchste Wert seit 1993. Ökonomen erwarten zwar nicht, dass sich die Verteuerung in diesem Tempo fortsetzt. Doch aufs Vorkrisenniveau wird sie auch nicht so schnell zurückkehren.

Inflation in Deutschland: Höhepunkt erreicht

“Aller Unsicherheit zum Trotz: Weil viele der Sonderfaktoren sowie das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sich im Jahresverlauf 2022 zumindest abschwächen sollten, erwarten wir bis Ende des Jahres einen Rückgang der Inflationsrate auf etwas unter zwei Prozent”, schreibt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Union Investment. Zudem sei mit einer Beruhigung der Ölpreise zu rechnen. Die stark gestiegenen Gaspreise werden sich jedoch aufgrund vieler Verträge mit langfristiger Preisbindung erst im Laufe des Jahres auswirken und verzögern daher den Rückgang der Teuerung, so Zeuner.

Die DWS geht davon aus, dass die Inflation in Deutschland und auch in Europa im Dezember 2021 den Höhepunkt erreicht hat. Allerdings müssen Verbraucher noch etwas auf eine wirkliche Entspannung warten. Denn nicht nur Öl, sondern auch Strom- und Gaspreise sind ordentlich nach oben geklettert. Alles in allem erwartet die DWS im ersten Halbjahr 2022 eine Inflationsrate von 3 bis 4 Prozent. “Real bleibt da bei den Haushalten kaum etwas in der Tasche. Dies wird den Ruf nach deutlich steigenden Löhnen, nicht nur in Deutschland, weiter verstärken”, so Ulrike Kastens, DWS-Volkswirtin Europa. Auf die EZB dürfte damit der Druck steigen, eine restriktivere Geldpolitik zu forcieren. Doch nach Einschätzung von Kastens wird sie diesem Ruf nicht nachgeben.

Die Commerzbank hebt hervor, dass die Produzentenpreise aufgrund der Lieferengpässe um 19,2 Prozent gestiegen sind. Dies geben die Erzeuger an die Konsumenten weiter. Aber auch langfristig bleibt Druck im Kessel: Durch die weiterhin hohen Haushaltsdefizite und die Anleihenkäufe der EZB gelangt fortgesetzt zu viel Geld in Umlauf. Hinzu kommen strukturelle Faktoren wie die Klimapolitik, die demographisch bedingte Verknappung von Arbeitskräften in den USA, Europa und China sowie die De-Globalisierung, so die Commerzbank.

“Wir sind mehr denn je der Meinung, dass der für dieses Jahr erwartete Rückgang der Inflation nur vorübergehend ist und die Inflation 2023 wieder steigen sollte.” Die EZB solle dem Beispiel der US-Notenbank folgen. Dies dürfte aber nicht geschehen, weil die EZB auf die Bedürfnisse der hoch verschuldeten Mitgliedsländer schielt, so die Commerzbank.

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