Die Mitgliedsinstitute des Verbands deutscher Pfandbriefbanken hadern auch im Jahresauftaktquartal mit fehlender Dynamik auf dem Immobilienmarkt. Die noch nicht abgeschlossene Adjustierung von Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern führt zu wenigen Transaktionen und damit auch zu einem geringen Neugeschäft.

Das Immobilienfinanzierungsneugeschäft der im Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zusammengeschlossenen Institute belief sich im ersten Quartal 2023 auf 25,6 Milliarden Euro. Gegenüber dem vierten Quartal 2022 (24,8 Milliarden Euro) ergibt sich damit zwar ein leichter Anstieg um 3,2 Prozent, die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen bewegt sich jedoch grundsätzlich weiter auf einem im längerfristigen Vergleich niedrigen Niveau.

Der Immobilienmarkt büßte aufgrund veränderter Rahmenbedingungen – wie beispielsweise dem Krieg in der Ukraine oder dem Inflations- und Zinsanstieg – bereits im Verlauf des vergangenen Jahres jegliche Dynamik ein, was sich folglich auch im Finanzierungsgeschäft niederschlug. Gegenüber dem ersten Quartal 2022, in dem unter anderem aufgrund von Vorzieheffekten in Erwartung steigender Zinsen mit 49,0 Milliarden Euro ein Rekordergebnis verzeichnet worden war, ergab sich nach den ersten drei Monaten des Jahres 2023 ein Minus von 47,8 Prozent. „Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen wird nach wie vor von der generellen Zurückhaltung der Marktteilnehmer im Immobilienmarkt bestimmt. Die noch nicht abgeschlossene Adjustierung von Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern führt zu wenigen Transaktionen und damit auch zu einem geringen Neugeschäft bei den Immobilienfinanzierern“, kommentiert vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt.

Von Kunden der vdp-Mitgliedsinstitute wurden im ersten Quartal dieses Jahres 16,3, Milliarden Euro an Wohnimmobilienkrediten nachgefragt. Gegenüber dem vierten Quartal 2022 (17,0 Milliarden Euro) entspricht dies einem Minus von 4,2 Prozent. Die größten Anteile entfielen dabei im ersten Quartal 2023 auf die Finanzierung von Ein- und Zweifamilienhäusern (44 Prozent) und Mehrfamilienhäusern (36 Prozent). Das weitere Wohnimmobilienfinanzierungsneugeschäft im Anfangsquartal 2023 betraf Eigentumswohnungen (15 Prozent) und Sonstiges wie zum Beispiel Bauland (5 Prozent). Im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres (32,1 Milliarden Euro) fiel das Neugeschäft in der Wohnimmobilienfinanzierung um 49,2 Prozent geringer aus.

Das Volumen an Gewerbeimmobilienfinanzierungen betrug in den ersten drei Monaten dieses Jahres 9,3 Milliarden Euro und lag damit 19,2 Prozent oberhalb des Volumens im vierten Quartal 2022 (7,8 Milliarden Euro). Auf Bürogebäude entfiel ein Volumen von 4,8 Milliarden Euro beziehungsweise ein Anteil von 52 Prozent am gesamten Finanzierungsvolumen der Objektklasse Gewerbeimmobilien. Die Finanzierung von Einzelhandelsimmobilien machte 25 Prozent beziehungsweise 2,3 Milliarden Euro aus. Im Vergleich zum ersten Quartal 2022 (16,9 Milliarden Euro) nahm das Volumen an Gewerbeimmobilienfinanzierungen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres um 45 Prozent ab. Der Bestand an ausgereichten Krediten belief sich zum 31. März 2023 auf 998,3 Milliarden Euro, nach 994,3 Milliarden Euro zum Jahresende 2022.

Der Erwerb von Wohneigentum und das Investment institutioneller Anleger in Wohn- oder Gewerbeimmobilien gestalten sich angesichts der seit vergangenem Jahr geltenden Rahmenbedingungen schwieriger. Die Preissteigerungen der vergangenen Dekade auf dem deutschen Immobilienmarkt führen in Verbindung mit den stark gestiegenen Finanzierungskosten dazu, dass die Erschwinglichkeit von Wohneigentum deutlich zurückgegangen ist. Des Weiteren sind die Renditeanforderungen an Immobilieninvestitionen gestiegen, da andere Asset-Klassen wie Anleihen an relativer Attraktivität gewonnen haben. „So lange die gegenwärtige Phase der Unsicherheit über die weitere Preis- und Zinsentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, dürfte auch die Nachfrage nach Finanzierungen verhalten bleiben“, prognostiziert Tolckmitt.

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