Über die Auswirkungen der Krise auf institutionelle Investments im Logistiksegment sprach Antje Schiffler mit Kuno Neumeier von Logivest und Nicholas Brinckmann von Hansainvest Real Assets.

Kuno Neumeier ist geschäftsführender Gesellschafter vom Logistikimmobilien-Consultant Logivest. Nicholas Brinckmann ist Sprecher der Geschäftsführung von Hansainvest Real Assets. Sie sprachen mit dpn darüber, was institutionelle Investoren in der Corona-Krise beachten sollten, und welche Immobilien-Assets gestärkt aus der Krise kommen könnten.

Was ist in dieser Zeit der Krise das wichtigste Gebot der Stunde für institutionelle Investoren?

Brinckmann: Ruhe bewahren, denn wir können derzeit nichts anderes tun. Die Corona-Krise geht irgendwann wieder vorbei. Was für institutionelle Investoren zählt, sind langfristige Megatrends, und die werden von Corona nur vorübergehend außer Kraft gesetzt. Bei Immobilien-Investitionen gilt es daher heute umso mehr, genau auf die Mieter beziehungsweise Branchen im Portfolio zu schauen. Diversifikation ist mehr denn je Trumpf. Für Logistik- und Core-Büroimmobilien mache ich mir langfristig keine Sorgen.

“Generell sind die Fundamentaldaten der Immobilienkonjunktur in Deutschland überaus robust. Es ist explizit keine über Jahre aufgelaufene Blase geplatzt – es handelt sich um einen rein exogenen Schock.”
Nicholas Brinckmann, Sprecher der Geschäftsführung, Hansainvest Real Assets

Neumeier: Logistikimmobilien werden weiterhin eine äußerst attraktive Assetklasse bleiben, aber auch hier dürfte es einen Einbruch geben. Dieser wird jedoch deutlich geringer und kürzer ausfallen als in anderen Assetklassen. Und er wird schnell kompensiert werden können, da die Nutzernachfrage nach Logistikflächen eher zunehmen dürfte. Die Volatilität von Logistikimmobilien wird also ohne Frage geringer sein als die anderer Gewerbeimmobilien – von der aktuellen Achterbahnfahrt auf den Aktienmärkten ganz zu schweigen.

Während der Krise jetzt neu auf Logistikimmobilien zu setzen ist aber nicht so einfach. Denn zum einen sind Due-Diligence-Prüfungen von Fonds zurzeit aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit von Wertgutachtern schwieriger, zum anderen werden Bankfinanzierungen in Krisenzeiten nicht einfacher. Das bedeutet aber auch, dass es Eigenkapitalkäufern nun leichter fallen wird, sich bei Transaktionen durchzusetzen.

Welche Immobilien-Assets könnten gestärkt aus der Corona-Krise kommen?

Brinckmann: Nicht alle Assetklassen sind gleichermaßen betroffen. Bei vielen Online-Händlern beispielsweise brummt gerade das Geschäft. Allerdings erwarten wir im Logistiksegment auch über die momentane Situation hinaus anhaltende Folgen. Wir beobachten zum Beispiel, dass viele Unternehmen als Konsequenz aus der Krise ein Stück weit von der globalen Just-in-time-Belieferung abrücken und wieder eigene Lagerbestände aufbauen wollen. Wir gehen davon aus, dass sie dies auch nach der Corona-Krise beibehalten werden. Damit steigt die Nachfrage nach Lagerflächen. Es freut mich, dass die bislang oft negativ diskutierte Assetklasse Logistikimmobilien – Stichwort Stau, Flächenversiegelung, hässliche Architektur – mittlerweile endlich vermehrt als für unsere Volkswirtschaft essentielle Stütze begriffen wird.

Neumeier: Kurzfristig ist die Nachfrage nach Logistikflächen vor allem seitens der Nahversorger massiv gestiegen. Restaurants haben geschlossen, der Großteil des Lebens findet zu Hause statt – entsprechend benötigen die Menschen mehr Lebensmittel aus ihrem Supermarkt und Discounter. Diese größere Nachfrage bedeutet, dass die Nahversorger eine bessere Logistik und mehr Flächen benötigen. Zudem gibt es einiges an gestrandeten Waren – sei es aufgrund unterbrochener Lieferketten oder aufgrund mangelnder Absatzmöglichkeiten. Auch dafür werden Lagerflächen benötigt. Aber das sind alles nur vorübergehende Effekte, die mit dem Abklingen der Pandemie zurückgehen dürften. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen sind weniger eindeutig, da sie von vielen noch unbekannten Faktoren abhängen – vor allem wie sich die deutsche Wirtschaft insgesamt entwickeln wird, ist momentan unklar.

“Die Nachfrage nach Logistikflächen könnte jedoch deutlich zunehmen, wenn sich Unternehmen gegen die in der aktuellen Krise offenbarten Schwächen in ihren Lieferketten, die vielerorts zu Werksschließungen geführt haben, absichern wollen. Auch der E-Commerce dürfte durch die Pandemie an Bedeutung gewinnen.”
Kuno Neumeier, geschäftsführender Gesellschafter, Investment Consultant Logivest

 

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »