Die Assets under Management (AuM) der Hedgefonds-Branche stiegen zum Abschluss des volatilen Corona-Jahres 2020 stark an. Grund hierfür sind unter anderem die kräftigen Gewinne für Equity-Hedge-Strategien, schreiben Vivien Steinhübl und Michael Lennert.

Die Assets under Management, die in Hedgefonds allokiert sind, stiegen zum Jahresende auf 3,6 Billionen US-Dollar. Damit verbuchte die Branche einen vierteljährlichen Vermögensanstieg von 290 Milliarden US-Dollar – den größten Zuwachs in der Geschichte. Dabei beliefen sich die geschätzten Nettomittelzuflüsse auf drei Milliarden US-Dollar, wobei sich die Gesamtzuflüsse im zweiten Halbjahr 2020 auf 16,0 Milliarden US-Dollar erhöhten. Diese und die folgenden Ergebnisse entstammen einer aktuellen Analyse von HFR®, einem Beratungshaus für Indexierung, Analyse und Research der globalen Hedgefonds-Industrie.

Deutliche Outperformance im vierten Quartal 2020

Der HFRI 500 Fund Weighted Composite Index erzielte im vierten Quartal einen Wertzuwachs von 9,0 Prozent. Damit konnte er die Gewinne des dritten Quartals ausbauen, sich vom Rückgang Anfang 2020 erholen und erreichte auf Jahressicht eine sehenswerte Wertentwicklung von 10,0 Prozent. Die Jahres-Performance übertrifft damit die des Dow Jones Industrial Average (DJIA) um nahezu 275 Basispunkte und überstieg die Entwicklung des FTSE 100 um mehr als 2.400 Basispunkte. Auch der HFRI Fund Weighted Composite Index®, der Richtwert für die globale Hedgefonds-Branche, legte im vierten Quartal um ganze 10,7 Prozent zu. Damit betrug die Performance im Pandemie-Jahr 2020 11,6 Prozent und lag damit um mehr als 400 Basispunkte über der des DJIA oder um 2.600 Basispunkte über dem FTSE 100.

2021 auf angepasste und unkorrelierte Performance setzen

„Investoren leiteten im vierten Quartal neues Kapital in Hedgefonds, sowohl aufgrund einer defensiven Outperformance durch die vom Coronavirus verursachte Volatilität Anfang 2020 als auch infolge von opportunistischen Gewinnen durch die ungleichmäßige Erholung der Finanzmärkte im zweiten und dritten Quartal“, kommentiert Kenneth J. Heinz, Präsident von HFR, die zentralen Aussagen der Analyse.

Er ergänzt, dass Institutionen auf der ganzen Welt Allokationen in Hedgefonds vornehmen würden, um sich für die kurzfristige Ungewissheit hinsichtlich der Eindämmung des Virus sowie für die mittelfristigen makroökonomischen Unsicherheiten der Volkswirtschaften in den USA, in Europa und in Asien bis ins Jahr 2021 zu positionieren. Hedgefonds-Strategien, die 2020 eine starke, opportunistische und unkorrelierte Performance gezeigt haben, sollten auch im Jahr 2021 das Wachstum der Branche anführen, ist der Hedgefonds-Experte überzeugt.

Equity-Hedge-Strategien durchbrechen die eine-Billion-AuM-Marke

Bei den einzelnen Hedgefonds-Strategien erzielte der HFR Cryptocurrency Index mit einem Zuwachs von 193 Prozent das beste Ergebnis. Equity-Hedge-Strategien standen wiederum an der Spitze der Vermögenszuwächse im vierten Quartal. Im Vergleich zum Vorquartal erzielten sie einen Anstieg um rund 121 Milliarden US-Dollar. Durch diesen Anstieg erreichten die Assets under Management 1,10 Billionen US-Dollar, wobei die Mittelzuflüsse im vierten Quartal schätzungsweise 1,7 Milliarden US-Dollar betrugen.

Des Weiteren erhielten Fundamental-Value-Fonds im vierten Quartal circa 4,0 Milliarden US-Dollar an neuem Anlegerkapital. Dieser Zufluss trug dazu bei, dass Fundamental-Value-Fonds derzeit rund 80 Milliarden US-Dollar an Vermögen verwalten. Im letzten Quartal betrug wiederum der Wertzuwachs des HFRI 500 Equity Hedge Index 12,4 Prozent. Diese Entwicklung steigerte die Rendite des Kalenderjahres auf insgesamt 15,4 Prozent. Der HFRI Equity Hedge (Total) Index wiederum legte im selben Quartal um 14,4 Prozent zu, was auf das Gesamtjahr bezogen einer Wertsteigerung um 17,4 Prozent entspricht.

Parallel dazu kletterte der HFRI EH: Technology Index im Jahr 2020 um 28,3 Prozent in die Höhe. Diese Entwicklung wurde nur noch vom HFRI EH: Energy/Basic Materials Index übertroffen, der im Jahresvergleich um 33 Prozent anstieg.

Special-Situations-Strategien besonders beliebt

Laut Analyse ist das gesamte in Event-Driven-Strategien (ED) investierte Kapital im vierten Quartal 2020 angestiegen, genau genommen um 2,94 Milliarden US-Dollar. Damit verwaltete die Strategie zum Jahresende rund ein Vermögen von 961 Milliarden US-Dollar.

Die Zuflüsse in Event-Driven-Unterstrategien wurden von der Strategie „Special Situations“ angeführt. Somit erhielten Special Situations im letzten Quartal 2020 rund 4,2 Milliarden US-Dollar an neuem Nettokapital, wodurch sich der Wert des verwalteten Vermögens auf 436 Milliarden US-Dollar erhöhte.
Was die Wertentwicklung betrifft, legte der HFRI 500 Event-Driven Index im vierten Quartal um 11,1 Prozent zu und erhöhte somit die Performance des Kalenderjahres 2020 auf 7,5 Prozent, während der HFRI Event-Driven (Total) Index um 11,3 Prozent anzog und damit das Plus des Jahres 2020 auf 8,8 Prozent erhöhte.

HFRI 500 Macro: Discretionary Thematic Index mit stärkster Entwicklung

Unkorrelierte Makrostrategien verzeichneten im vierten Quartal ebenfalls geringfügige Mittelzuflüsse, da sich Investoren weiterhin für makroökonomische Unsicherheiten und ausgeprägte Trends an den globalen Finanzmärkten rüsteten. Anleger investierten im Laufe des Quartals schätzungsweise 185 Millionen US-Dollar an neuem Nettokapital in Makrostrategien, so dass das gesamte Makrovermögen zum Jahresende auf 604 Milliarden US-Dollar kletterte. Dies bedeutet ein Plus von 24,8 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorquartal.

Mit geschätzten 1,6 Milliarden US-Dollar führten Währungsstrategien die Zuflüsse bei Makrostrategien an. Des Weiteren wurde der Anstieg des Gesamtvermögens bei quantitativen, trendorientierten Systematic Diversified/CTA-Strategien angeleitet. Diese legten aufgrund starker, Performance-basierter Gewinne um 14,9 Milliarden US-Dollar zu und steigerten das CTA-Kapital zum Jahresende auf 285 Milliarden US-Dollar. Was die Wertentwicklung betrifft, verbesserten sich im vierten Quartal der HFRI 500 Macro Index und der HFRI Macro (Total) Index um 4,4 Prozent beziehungsweise 4,8 Prozent, während der HFRI 500 Macro: Discretionary Thematic Index bei Makrostrategien mit einer Rendite von 9,8 Prozent im Jahr 2020 die stärkste Wertentwicklung an den Tag legte.

RVA-Multi-Strategy-Fonds verzeichneten größtes Wachstum

Fixed-Income-Relative-Value-Arbitrage-Strategien (RVA) verbuchten im vierten Quartal einen geringfügigen Kapitalabfluss, obwohl das Gesamtvermögen der Strategien aufgrund der starken Performance anstieg. Bei RVA nahmen Anleger im Quartal geschätzte 1,8 Milliarden US-Dollar zurück, obwohl das Strategievermögen aufgrund von Performance-basierten Gewinnen um 38,1 Milliarden US-Dollar anstieg, so dass das RVA-Kapital zum Jahresende 941 Milliarden US-Dollar betrug. RVA-Multi-Strategy-Fonds führten die Vermögenszuwächse an, da das Kapital im Vergleich zum Vorquartal um 18,8 Milliarden US-Dollar auf 550,7 Milliarden US-Dollar anwuchs. Der HFRI 500 Relative Value Index stieg im vierten Quartal um 4,3 Prozent, indes legte der HFRI Relative Value (Total) Index während des Quartals um 5,6 Prozent zu.

Bei den Zuflüssen der Anleger standen die größten Hedgefonds-Anbieter der Branche an der Spitze, wobei Unternehmen, die jeweils mehr als 5 Milliarden US-Dollar verwalten, im Quartal schätzungsweise 4,8 Milliarden US-Dollar an neuem Nettokapital erhielten. Mittelgroße Firmen, die zwischen 1 Milliarde US-Dollar und 5 Milliarden US-Dollar verwalten, verzeichneten einen kleinen Nettoabfluss von 436 Millionen US-Dollar, während Unternehmen, die weniger als 1 Milliarde US-Dollar verwalten, Abflüsse von 1,3 Milliarden US-Dollar verbuchten.

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