Welche Strategien zurzeit verstärkt zum Einsatz kommen erläutert Vincent Weber, CEO des Hedgefonds Advisors Resonanz Capital.

Im Bereich Global-Macro-Strategien, die auf gesamtwirtschaftliche Entwicklungen verschiedener Märkte und Branchen setzen, konnten Hedgefonds im Handel mit Staatsanleihen und Währungen die Tumulte nutzen. Sie bilden anhand von Zins- und Währungsderivaten Zahlungsprofile ab, die von einem Anstieg der Volatilität profitieren. „In ruhigen Jahren hat diese Strategie eher underperformt und stand deswegen in der Gunst der Investoren nicht allzu weit oben. Im aktuellen volatilen Umfeld erlebt sie jedoch ein Comeback“, sagt der Spezialist für Hedgefonds-Strategien.

Bei den Strategien Managed Futures und Trendfolge, die auf quantitativen Handelsansätzen mit börsengehandelten, Derivaten basieren, beobachtet Resonanz Capital für den laufenden Monat eine flache Performance. „In Anbetracht der stark gefallenen Aktienmärkte könnte man denken, dass Short-Positionen in Aktien-Indizes zu den Gewinntreibern gehören. Allerdings ist das Gegenteil der Fall. Wie fast alle anderen Investoren wurden Hedgefonds bei Aktien-Positionen auf dem falschen Fuß erwischt. Diese Verluste konnten sie jedoch aufgrund einer breiten Portfolio-Diversifikation wieder ausgleichen“, so Weber.

„Performance liefern vor allem Short-Positionen in Energie-Märkten sowie Long-Positionen im US-Dollar. Diese Positionen haben die verantwortlichen Manager bereits vor der Krise basierend auf bestehenden Trends aufgebaut.“
Vincent Weber, CEO Resonanz Capital

 

Kreditmarkt: Ausverkäufe und Distressed-Debt-Strategien

Auf dem Kreditmarkt kam es in den letzten Wochen zu einem breiten Ausverkauf über alle Ratingstufen hinweg, denn durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie steigt das Risiko von Zahlungsausfällen und Insolvenzen. Viele Hedgefonds nutzten diese Gelegenheit, um günstig Anleihen von Unternehmen mit hoher Bonität zu erwerben.

Am stärksten vom Ausverkauf betroffen ist das bonitätsschwächere High-Yield-Segment. Das Ausmaß der Korrektur liegt jedoch noch unterhalb der Werte von 2008: Der Preis für Kreditabsicherungen (Credit Default Swap Index) verteuerte sich lediglich von rund 2 Prozent auf 8 Prozent per Jahr, während im vierten Quartal 2008 über 18 Prozent verzeichnet wurden. „Der endgültige wirtschaftliche Schaden ist für die meisten Unternehmen allerdings noch nicht absehbar. Letztlich hängen die Folgen davon ab, wie lange die einzelnen Shut-Downs in den verschiedenen Ländern anhalten und wie genau etwaige Staatshilfen ausgestaltet sein werden”, so die Einschätzung von Weber.

Zudem ist zu beobachten, dass sich zurzeit viele Distressed-Debt-Fonds in Position bringen, um die erwarteten Umwälzungen im Corporate-Credit-Bereich auszunutzen. Denn viele traditionelle Investmentfonds stoßen Anleihen ab, sobald sie signifikant herabgestuft werden oder Zahlungen ausfallen.

„Nicht nur Downgrades, auch Schuldenumstrukturierungen oder Insolvenzen sind beliebte Einstiegsgelegenheiten. Solche Ereignisse treten erfahrungsgemäß nach der ersten Schockwelle um einige Monate verzögert auf. Ein gutes Beispiel dafür ist die Griechenlandkrise 2010, die indirekt durch die Wirtschaftskrise 2008 ausgelöst wurde.“
Vincent Weber

 

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