Wird sich die eingesetzte Erholung fortsetzen oder überwiegen die Risiken im Bereich Unternehmensanleihen?

Vor allem Hochzins- und Schwellenländeranleihen sind beim historischen Markteinbruch im März unter die Räder gekommen. Seitdem haben sich viele Titel erholt. Angesichts der erhofften konjunkturellen Wiederbelebung und der Eingriffe der Notenbanken haben viele Unternehmen neue Anleihen begeben, um die Bilanzen aufzubessern. Dies birgt Risiken bei Unternehmensanleihen. Ausfallraten von rund 9 bis 10 Prozent in den USA und 8 bis 9 Prozent in Europa erwartet etwa Newton IM, eine Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management. „So sind etwa Hochzinsanleihen aus dem Energiesektor immer noch anfällig für Zahlungsausfälle und könnten zudem von signifikanten Umstrukturierungen betroffen sein“, betont Paul Brain, Fondsmanager und Head of Fixed Income bei der Gesellschaft.

Zahlreiche Unternehmen dürften Schwierigkeiten haben, die Couponzahlungen aufrechtzuerhalten. Denn das schwierige konjunkturelle Umfeld werde mindestens zum dritten oder vierten Quartal 2020 anhalten.

Positiv gestimmt ist der Asset Manager jedoch für supranationale Anleihen mit AAA-Rating und Teile des Investment-Grade-Segments. Für institutionelle Investoren ist dieses Segment schon allein wegen der stabilen Erträge attraktiv. „Durch die unsichere Wirtschaftslage steigt zwar das Risiko, dass Anleihen herabgestuft werden oder ausfallen, aber gleichzeitig sind die Renditechancen bei sehr vielen Unternehmensanleihen gestiegen – und das wirkt sich positiv auf den zukünftigen Einkommensstrom aus“, betont Brain.

Die US-Notenbank hat bereits weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft in Aussicht gestellt. Allerdings dürften die weiteren geldpolitischen Maßnahmen über einen längeren Zeitraum verteilt werden, um Banken nicht zu überfordern. Weitere Kreditausfällen wird die Geldpolitik somit nicht vollständig verhindern können.

Historischer Einbruch beim BIP

Aktuelle Konjunkturdaten verdeutlichen das historische Ausmaß der Coronakrise: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal 2020 um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Die Wirtschaft im Euroraum ist um 12,1 Prozent eingeknickt. Die USA legten mit minus 9,5 Prozent (annualisiert 32,9 Prozent) ebenfalls eine Vollbremsung hin.

Die Commerzbank warnt angesichts der weltweit steigenden Infektionszahlen vor der Auswirkungen einer zweiten Welle auf den Fixed-Income-Bereich. Es bestünden weiterhin Risiken bei Unternehmensanleihen. Die Berichtsperiode laufe für in Euro denominierte Unternehmensanleihen bisher besser als erwartet, so die Bank. Bis in den BBB-Bereich sind die Total Returns oft positiv. Allerdings könnte dies der vorläufige Höhepunkt sein: Neuerliche Einschränkungen könnten die ohnehin angegriffene fundamentale Lage von Unternehmen weiter verschlechtern. Bei manchen Firmen sei die Überlebensfähigkeit nicht sicher.

Bei schwächeren Ratings bleibe der Spielraum für Fehler im Hinblick auf fundamentale Abwärtsrisiken bei den derzeitigen Bewertungen deshalb hauchdünn. Das Verhältnis von Risiko zu Ertrag sei unter den Investment-Grade-Namen mit niedrigem Risiko, gefallene Engel zu werden, weiterhin vergleichsweise gering, so das Fazit der Commerzbank.

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