Nachranganleihen bieten attraktive Renditen bei überschaubarem Risiko, so die Einschätzung von Grégoire Mivelaz, Fondsmanager bei Atlanticomnium, einem Partnerunternehmen von GAM Investments.

Nachranganleihen sind laut Grégoire Mivelaz für institutionelle Investoren attraktiv, und zwar nicht nur wegen der Rendite, sondern vor allem wegen der Sicherheit dieser vermeintlich risikobelasteten Anleihen. Die Ergebnisse vorrangiger Unternehmensanleihen können sie zumeist deutlich schlagen. So werfen Investment-Grade-Anleihen lediglich Renditen von etwa 0,2 Prozent ab.

Besonders im Finanzsektor finden sich zahlreiche Emittenten nachrangiger Papiere mit Investment-Grade. Der Sektor sei nach wie vor einer der stärksten unter den Credit-Märkten. “Der Finanzbereich ist stark reguliert mit hohen Anforderungen an die Kernkapitalquote”, betont Mivelaz. In den vergangenen Jahren habe es daher kaum größere Ausfälle gegeben.

Auch im Krisenjahr 2020 habe die Finanzbranche somit Robustheit gezeigt und biete institutionellen Investoren daher Opportunitäten. So haben europäische Banken ihre Kapitalposition noch einmal verbessern können. Die Kernkapitalquoten (CET1) lagen in 2020 mit insgesamt 15 Prozent nahe am Allzeithoch.

Finanzsektor im Allzeithoch

„Die europäische Zentralbank (EZB) agiert nach wie vor äußerst zurückhaltend, was offensichtlich gut für europäische Kredite ist“, so Mivelaz. „Gleichzeitig haben wir zuletzt einige der stärksten Unternehmensgewinne seit einem Jahrzehnt gesehen. Der europäische Finanzsektor befindet sich im Allzeithoch, mit entsprechend positiver Auswirkung auf Liquidität und Solvabilitätsquote.“

Das habe sich sehr unterstützend für Inhaber nachrangiger Schuldtitel im Finanzsektor ausgewirkt. Trotz des steigenden Zinsumfelds war das Marktsegment im zweiten Quartals daher von einer gewissen Spreadstraffung und positiver Performance gekennzeichnet.

Auch für das dritte Quartal sind die Asset Manager optimistisch, denn es ein Quartal mit Einkommens- und Preissteigerungen sein. „Die Kombination aus starken Fundamentaldaten, attraktiven Bewertungsniveaus und technischen Daten dürfte sehr unterstützend auf die Preise wirken“, meint Mivelaz.

“Covid-19 war ein echter Stresstest und die Banken haben ihre Widerstandsfähigkeit und ihre Fähigkeit, Kunden und die Wirtschaft zu unterstützen, unter Beweis gestellt”, sagt Mivelaz. Anders als in der Finanzkrise 2007/2008 betonen Regulatoren, dass in der Corona-Krise der Finanzsektor Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist.

Nachranganleihen: Renditen dürften steigen

Unter den aktuellen Marktbedingungen seien Nachranganleihen daher eine der attraktivsten Möglichkeiten, um Alpha zu generieren.

Mit ihrer in Euro denominierten Strategie will das Genfer Team in diesem Jahr eine Realrendite von rund 7,5 Prozent erzielen, nach 0,3 Prozent im Krisenjahr 2020. Der in US-Dollar geführte Fonds werde bei rund 6 Prozent gesehen, nach 3,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Insgesamt verwaltete GAM in diesen Fonds in der ersten Jahreshälfte rund 5 Milliarden Euro. Der größte Anteil entfiel dabei auf die Strategie in der europäischen Gemeinschaftswährung (2,6 Milliarden Euro), gefolgt vom US-Dollar mit etwa 2 Milliarden AUM und einem in britischen Pfund angelegten Vehikel mit umgerechnet rund 0,7 Milliarden Euro.

Die Trends der Aktiva-Qualität waren im Krisenjahr 2020 ebenfalls positiv: Die notleidenden Kredite sind seit Jahresbeginn lediglich um 20 Basispunkte auf 2,9 Prozent gestiegen. Im zweiten Halbjahr 2021 dürften diese zwar ansteigen, da fiskalpolitische Programme auslaufen. Für die Inhaber von Nachranganleihen stelle dies aber kein wesentlich erhöhtes Risiko dar, da Banken durch neue Rechnungslegungsregeln IFRS 9 zu vorausschauenden Rückstellungen für Kreditverluste verpflichtet werden.

Auch nachrangige Anleihen von Versicherungen vielversprechend

Rund 80 Prozent des Kapitals legt GAM bei den nachrangigen Anlagen im Finanzsektor an. Aber institutionelle Anleger sollten sich nicht nur nach Additional Tier 1 Capital Contingent Convertibles (AT1 CoCos) von Banken umschauen, also den bedingten Wandelanleihen, die bei den Banken dem zusätzlichem Kernkapital zugerechnet werden. Auch Versicherungen bieten Chancen.

“RT1-Anleihen von Versicherungsunternehmen bieten ähnliche Spreads wie die Banken bei geringerem Risiko”, sagt Mivelaz. Die Restricted-Tier-1-Instrumente (RT1) sind relativ neu. Die ersten Emissionen fanden 2017 statt. Inzwischen beläuft sich der Markt aber auf stolze 12 Milliarden Euro. Mivelaz erwartet, dass dieser Markt bis 2026 auf zirka 40 bis 60 Milliarden Euro wachsen wird. Über das Spektrum hinweg erwirtschafteten Nachranganleihen laut GAM seit dem Krisenjahr 2007 im Schnitt eine jährliche Rendite von 6,6 Prozent.

Nachranganleihen: Definition

Im Unterschied zu vorrangigen Unternehmensanleihen bedienen Emittenten die Halter von Nachranganleihen im Falle einer Insolvenz erst in einem späteren Schritt. Es besteht das Risiko des kompletten Verlustes des angelegten Kapitals. Wegen des höheren Risikos werden die Papiere höher verzinst. Emittenten von Nachranganleihen sind in der Regel Banken, aber die Versicherungsbranche holt auf.

 

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