Die Qualität von High Yields steigt in der Rezession, so Legal & General Investment Management (LGIM). Dies bietet Chancen für institutionelle Investoren.

Geld- und Fiskalpolitik konnten das Vertrauen der institutionellen Anleger nach den Marktturbulenzen im Großen und Ganzen wiederherstellen. Die Folge war ein sich selbst immer weiter verstärkender Kreislauf aus neuen Kapitalzuflüssen, umfangreichen Neuemissionen, verringerten Rating-Herabstufungen und rückläufigen Ausfallprognosen. “Am Markt sind mittlerweile in so großem Umfang Refinanzierungen erfolgt, dass nur wenige Unternehmen noch zusätzliche Liquidität benötigen”, sagen Volker Kurr, Head of Europe Institutional und Martin Reeves, Head of Global High Yield, bei Legal & General Investment Management (LGIM).

Mittlerweile wollen Emittenten vor allem die laufende Verzinsung reduzieren und ohnehin schon günstige Fälligkeitsstrukturen weiter strecken. Da die Renditen von Staatsanleihen eingebrochen sind, können sich selbst die so genannten „Fallen Angels“, deren Anleihe-Rating von Investment Grade auf Hochzinsniveau herabgestuft wurde, zu niedrigeren Kupons refinanzieren, als sie derzeit zahlen.

BB-Anleihen dominieren Hochzinsmarkt

Dies deutet laut LGIM darauf hin, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten in den Rating-Segmenten BB und B eher denen im Jahre 2016 als im Jahr 2008 ähneln. Der Bereich der CCC-Ratings dürfte indes eine Entwicklung wie 2008 erfahren, da Schuldner aus den Sektoren Energie und Einzelhandel erneut stark unter Druck stehen. Allerdings: Diese Branchen haben inzwischen einen weitaus kleineren Marktanteil als 2008 und früher.

Zudem hat sich alles in allem die Qualität der Hochzinsanleihen verbessert. Zahlungsausfälle waren über den Marktzyklus hinweg insgesamt weniger zu sehen. In den High Yield Indizes von ICE BofA dominieren mittlerweile BB-Ratings, mit steigender Tendenz. Die Bonität von High Yields ist stetig gestiegen und Fallen Angels haben dazu beigetragen, so LGIM.

Nach 2008 wurden bei fremdfinanzierten Übernahmen Anleihen durch Loans verdrängt, da diese nicht zur Einhaltung festgelegter finanzieller Anforderungen (Covenants) verpflichten, leichter verfügbar sind und niedrigere Finanzierungskosten mit sich bringen. Nun könnten sich aber  laut LGIM erstmals vom Loan-Markt ausgehend die Ausfallraten erhöhen.

Steigende Volumina am Hochzinsmarkt

Wegen der gewachsene Bedeutung von Fallen Angels und dem Trend, dass einige notleidende Loans und direkte Kredite wohl über Anleihen refinanziert werden dürften, wird auch das Volumen am Hochzinsmarkts deutlich zunehmen. Diese Entwicklung war schon 2008 zu sehen.

Laut Kurr und Reeves ist die Erholung der Kurse von Hochzinsanleihen auch noch nicht vorbei. Nach jedem starken Anstieg der Zahlungsausfälle gehen die Insolvenzen deutlich zurück und es kommt zu einem „Survivorship Bias“. Dies gilt insbesondere, da Fallen Angels dann am Markt ein höheres Gewicht haben.

Im derzeitigen Tiefstzins-Umfeld können die absoluten Erträge zwar zwangsläufig nicht so hoch sein wie in früheren Phasen. Doch die Spread-Einengung dürfte immer noch ähnlichen Mustern wie in der Vergangenheit folgen, weshalb das Hochzinssegment auf risikobereinigter Basis attraktiv erscheint.

Spannend an der jüngsten Marktentwicklung war, dass die Herabstufungen durch die Rating-Agenturen bei Anleihen mit dem Status von Fallen Angels nur recht begrenzte Auswirkungen hatten. Dies ist laut LGIM weitgehend auf das Ausmaß der direkten staatlichen Unterstützung für Unternehmen zurückzuführen. Da das im Kurs berücksichtigte Verlustrisiko begrenzt blieb, haben sich absolut betrachtet die Renditechancen bei Fallen Angels zwar verringert. Doch möglicherweise hat sich dadurch relativ betrachtet ein attraktives risikobereinigtes Renditepotenzial ergeben.

Qualität steigt weiter

Kommende Anreizprogramme werden die Qualität am Markt für Hochzinsanleihen lauit LGIM weiter steigern. Die Zahlungsausfälle sollten Mitte 2021 auf historisch niedrigem Niveau liegen. Die meisten Unternehmen werden sich wohl um eine Verbesserung ihrer Bonität und ihres Ratings bemühen.

Auch die Anleiherenditen werden laut LGIM wahrscheinlich historisch niedrig sein. Die Belastung durch laufende Zinskosten sinkt. Dadurch wird sich die Bonität der Emittenten wesentlich verbessern. Zudem plagen Anleger Sorgen um die Stabilität von Dividenden und Mieteinnahmen. Damit einhergehen dürfte der Wunsch, Zahlungsausfälle zu vermeiden, da die erzielten Erträge Verluste nicht mehr decken würden. “In dem skizzierten Umfeld sinkender Zahlungsausfälle könnte diese Kombination von Faktoren unserer Meinung nach die Spreads auf Rekordtiefs drücken und eine starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen schaffen”, so Kurr und Reeves.

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