Gegenüber dem Vorjahr gab es im Segment der High-Yield-Unternehmensanleihen in den USA wegen der Corona-Pandemie deutlich mehr Zahlungsausfälle als in den Vorjahren. Die Capital Group sieht aber auch Chancen für institutionelle Anleger.

Es traf auch große Namen wie Hertz oder die US-Kaufhauskette Neiman Marcus. Sie gehörten zu den US-Unternehmen, die in Folge der Corona-bedingten Lockdowns Insolvenz anmelden mussten. Im High-Yield-Segment kletterte die Ausfallquote auf 6,2 Prozent und lag damit dreimal so hoch wie im Vorjahr. Der Markt lag zeitweise komplett brach, berichtet dpn-Schwesterpublikation Finance-Magazin.

Ein erneuter Abverkauf wie im März ist wegen des entschlossenen Handels der US-Notenbank Fed – einschließlich des Ankaufsprogramms für Unternehmensanleihen – unwahrscheinlich, so die Einschätzung der Portfoliomanagerin Shannon Ward von der Capital Group. Alles in allem haben sich US-amerikanische High-Yield-Anleihen im Vergleich zu früheren Rezessionen sogar recht gut geschlagen.

Allerdings waren die Ausfallquoten in den vergangenen Jahren auch sehr niedrig. Der langjährige Durchschnitt lag bei etwa 3 Prozent pro Jahr, und zuletzt sogar deutlich niedriger. “Ich erwarte, dass die Ausfallquoten bis zum nächsten Jahr weiter steigen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn sie den hohen einstelligen Bereich erreichen würden”, sagt Ward.

Unternehmen mussten während der Lockdowns neue Schulden aufnehmen, revolvierende Kreditfazilitäten in Anspruch nehmen oder auch staatliche Hilfsprogramme in Anspruch nehmen. Je länger die Corona-Krise dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass Unternehmen einen Deal mit Kreditgebern aushandeln müssen oder Insolvenz anzumelden.

Das Insolvenzverfahren verschafft Unternehmen Zeit, um sich um ihre Schulden zu kümmern, und hindert Kreditgeber, Maßnahmen ohne vorherige gerichtliche Genehmigung zu unternehmen. Häufig sind Insolvenzen vorbereitet, sodass zum Zeitpunkt der Anmeldung der Insolvenz durch das Unternehmen bereits ein Umstrukturierungsplan mit den Gläubigern vereinbart wurde.

Chancen und Risiken am US High-Yield-Markt

Besonders drastische Einschnitten mussten Einzelhandelsunternehmen hinnehmen. Stark unter Druck gerieten auch Energieunternehmen wie die insolvente Chesapeake Energy, die mit den anhaltend niedrigen Ölpreisen zu kämpfen hatten. “Diese Unternehmen und Branchen befanden sich schon seit einiger Zeit auf unserer Beobachtungsliste, da sie schon vor der Pandemie Probleme hatten”, räumt Ward allerdings ein. Schließlich bestanden die Megathemen Abwanderung aus dem Einzelhandel in die Onlineshops, Schieferölproduktion und Fracking schon vor Corona.

Während der schlimmsten Phase des Zusammenbruchs im März und April gab es aber auch zahlreiche Opportunitäten unter den High-Yield-Emittenten mit höherem Rating und den sogenannten „Fallen Angels“ – also Unternehmen, die von „Investment Grade“ auf High Yield herabgestuft wurden. Allerdings haben sich inzwischen die meisten dieser Anleihen höherer Qualität wieder auf ihr Vorkrisenniveau erholt.

Der Markt der Titel mit BB-Rating wuchs per Ende Juli 2020 auf etwa 55 Prozent des gesamten High-Yield-Marktes in den USA an. Deshalb tätigt die Capital Group in diesem Segment Anlagen, insbesondere da es im Vergleich zum letzten Jahr 48 Prozent mehr High-Yield-Neuemissionen gibt, so Ward.

“Zudem finde ich mehr Gelegenheiten im niedrigeren Bereich des High-Yield-Spektrums”, erläutert die Fixed-Income-Expertin. Denn viele dieser Unternehmen werden es durch die Covid-19-Pandemie schaffen. Allerdings haben Anleger oft nicht die Zeit, die Sachkenntnis oder die erforderliche Flexibilität hinsichtlich des Mandats, um in diesem Bereich zu investieren.

“In Anbetracht der geringeren Anlegerbasis ist der Markt für Unternehmen mit geringerem Rating viel weniger effizient, weshalb es mehr Gelegenheiten zur Differenzierung und zum Aufspüren von Wert gibt”, sagt Ward. Wichtig sei die Einzelunternehmens- und Einzeltitel-Analyse.

US-Notenbank stützt High-Yield-Unternehmen

Die Fed wollte mit ihrem Ankaufprogramm verhindern, dass die Treasury-Märkte ins Stocken geraten, dass es zu einem Crash bei den Hypotheken kommt und dass große Investment-Grade-Unternehmen nicht mehr in der Lage sind, Schulden zurückzuzahlen. Die Anleihenankäufe erfüllten ihren Zweck, um die Märkte im April wiederzueröffnen, und halfen Unternehmen, Barmittel aufzubringen, die sie in der Rezession dringend brauchten. Das Programm gab  auch anderen Kreditgebern die nötige Zuversicht, Kredite zu gewähren. Dadurch  war die tatsächliche Menge der durch die Fed aufgekauften Schuldtitel gar nicht so groß.

Trotz der steigenden Ausfallquote sind Zahlungsausfälle auch längst nicht an der Tagesordnung. Letztlich stellen Unternehmen mit schwerwiegenden Problemen nur eine kleine Untergruppe des High-Yield-Universums dar. “Ungeachtet der Zunahme der Zahlungsausfälle waren die Renditen der High-Yield-Anlageklasse in den letzten paar Monaten solide”, sagt Ward. Der von der Capital Group nachgebildete High-Yield-Index lieferte seit dem Tiefpunkt im März eine Rendite von 25,5 Prozent.

Renditeschub und Diversifizierung mit US High Yields

Besonders auf lange Sicht können die Renditen von High-Yield-Anleihen institutionellen Investoren im Vergleich zu anderen Schuldtitelanlagen einen erheblichen Ertragsschub verleihen. Für manche Anleger erfüllen High-Yield-Anleihen auch den Zweck als Teil eines diversifizierten institutionellen Portfolios. Letztlich wird der Anstieg der Insolvenzen verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf die meisten langfristig ausgelegten Anleger haben.

“Die Zahlungsausfälle betreffen einen kleinen Teil des High-Yield-Marktes, und viele Anleger haben geringe Allokationen in der High-Yield-Anlageklasse”, sagt Ward. Im Laufe der Zeit sollte die zusätzliche Rendite für das Ausfallrisiko entschädigen, das dieser Anlageklasse innewohnt.

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