Über ESG im institutionellen Portfolio diskutierten Stephan Bannier, Bernhard Gilgenberg, Charlotte Klinnert, Anja Nieberding, Dr. Oliver Pfeil, Thorben Pollitaras, Claudia Röring und Marc Schwetlik. Teil 1 des Roundtables.

Über ESG im institutionellen Portfolio diskutierten Stephan Bannier, CFA, Head of Business Development – DACH bei Generali IP, Bernhard Gilgenberg, Vorstandsvorsitzender der PKDW, Charlotte Klinnert, Vorstand der Verka VK Kirchliche Vorsorge, Anja Nieberding, Country Head Deutschland von NN Investment Partners, Dr. Oliver Pfeil, Geschäftsführer der EB – Sustainable Investment Management, Thorben Pollitaras, Geschäftsführer von Comgest Deutschland, Claudia Röring, Head of Product Management bei Quoniam AM, und Marc Schwetlik, CIO der Bayerischen. Die Runde moderierte Dr. Guido Birkner.

Meine Damen und Herren, welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage für Ihre Einrichtungen?

Charlotte Klinnert: Wir betreiben bei Verka Altersvorsorge zum einen über die VK Kirchliche Vorsorge mit einem Anlagevermögen von 1,3 Milliarden Euro. Darin legen wir die Vorsorgegelder für die evangelischen Landeskirchen und deren Vorsorgeeinrichtungen an, vornehmlich über rückgedeckte Verträge. Zum anderen betreiben wir die Verka PK Kirchliche Pensionskasse AG mit 640 Millionen Euro Kapital für christliche und säkulare Kunden. Wir sind seit langem nachhaltig im Sinne der christlichen Verantwortung aufgestellt und orientieren uns am entsprechenden Leitfaden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sozialverträglichkeit, Ökologie und Generationengerechtigkeit sind bei uns Anlageaspekte. Wir engagieren uns in diversen Nachhaltigkeitsinitiativen und haben die UN PRI unterzeichnet. Gerade im Klimaschutz haben wir viel unternommen und uns früh Ziele gesetzt. In der Kapitalanlage beachten wir mehrere Nachhaltigkeitsansätze. So arbeiten wir aus dem christlichen Verständnis heraus mit diversen Ausschlusskriterien für Dinge wie Todesstrafe, kontroverse Waffen und Rüstung, Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Tierversuchen für kosmetische Zwecke, Kohle und Öl. Wir haben im nächsten Schritt Positivkriterien für Dinge, die wir fördern wollen. Im dritten Schritt besetzen wir Themen, wobei wir den Begriff Impact Investing wegen seiner unklaren Definition vermeiden. Im Risikomanagement haben wir neben den Vorgaben des BaFin-Merkblatts zur Nachhaltigkeit einen mehrstufigen Ansatz. Wir definieren „Branchenführer“ und „Branchenfolger“. Ziel ist, die Branchenführung immer weiter auszubauen, wobei die Branchenfolger auf 5 Prozent begrenzt sind, also diejenigen, die in den ESG-Ratings ihrer Branchen schlechter als der Durchschnitt abschneiden. Weiter analysieren wir die CO2-Emissionen von Investitionsobjekten. Der dritte Schritt ist ein Abgleich der herkömmlichen Ratings mit den ESG-Ratings. Stellen wir hier ein größeres Abweichen fest, suchen wir im einzelnen Investment die Ursachen und handeln.

Marc Schwetlik: Wir als die Bayerische sind ein mittelständischer Versicherer mit zwei Lebensversicherern und einem Sachversicherer. Unsere Assets under Management belaufen sich auf 5 Milliarden Euro. 2017 haben wir die UN PRI unterzeichnet und wollen der grünste Versicherer Deutschlands werden. Wir haben damals schon mit rund 25 Ausschlusskriterien gearbeitet. Seit vier Jahren steht für uns der Kampf gegen den Klimawandel im Vordergrund. Impact Investing haben wir zunächst über erneuerbare Energien in Fonds betrieben und zukünftig auch über Wald, Aufforstung, CO2-Speicher und Carbon Capture. Für möglichst alle anderen Investitionen lassen wir unser Portfolio von MSCI Research screenen. In Zukunft kommen die EU-Offenlegungsverordnung und die Taxonomieverordnung auf uns zu. Ich glaube, wir haben dann vieles richtig gemacht, wenn wir die neue Regulatorik umsetzen und dabei auf hohe Quoten bei der „Green Investment Ratio“ kommen.

Oliver Pfeil: Als Tochtergesellschaft der Evangelischen Bank sind wir für das Management von Fonds und Vermögensverwaltungen im Volumen von circa 5,5 Milliarden Euro verantwortlich. Wir managen ausschließlich nachhaltige Anlagestrategien in liquiden Assets und im Bereich Real Assets. Unser Investmentangebot ist ganzheitlich auf die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, kurz SDGs, ausgerichtet, und wir haben ebenfalls die UN PRI unterzeichnet. Abgeleitet vom christlichen Wertekanon, ist nachhaltiges Investieren einer der Schwerpunkte der Evangelischen-Bank-Gruppe. Unser Leitmotiv ist „Investments für eine bessere Welt“. Es ist also konsequent, dass wir uns vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, das Investment-Geschäft der EB-SIM auf die SDGs auszurichten. Damit haben wir für uns ein umfangreiches Programm angestoßen und definiert, was Nachhaltigkeit für uns bedeutet, welche Ziele wir für uns daraus ableiten, wie wir sie messen und reporten wollen. Weiter hat die Evangelische-Bank- Gruppe eine Klimastrategie formuliert und daraus sowie aus den SDGs strategische Ziele abgeleitet und in unsere Sustainability Balanced Scorecard überführt. Im Rahmen der Klimastrategie ist es unser Ziel, die CO2-Emissionen in allen Scopes systematisch und schrittweise zu reduzieren.

Bernhard Gilgenberg: Die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft, kurz PKDW, verwaltet mehr als 2 Milliarden Euro Assets under Management. Wir betreiben die betriebliche Altersversorgung für unsere 633 Mitgliedsunternehmen. ESG ist neben der Wirtschaftlichkeit unser Hauptziel und Teil unserer Unternehmensstrategie. Unsere Investments in sämtlichen Asset-Klassen prüfen wir auf ihre Nachhaltigkeitsqualität und die Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele. Bei den ESG-Kriterien und gesetzlichen Vorgaben gibt es derzeit noch viele Unklarheiten und Fragen und keinen einheitlichen Best-Practice-Standard, der eine Vergleichbarkeit ermöglichen würde. Vor allem ist die PKDW ihren Mitgliedsunternehmen und circa 100.000 Versicherten mit dem zentralen Unternehmensziel, der Erwirtschaftung einer sicheren Altersversorgung, verpflichtet. Wir müssen insbesondere in Zeiten des Niedrigzinses eine auskömmliche Rendite erwirtschaften, um unsere Verpflichtungen zu erfüllen. Wir als Pensionskasse haben gegenüber unseren Versicherten eine Tarifverzinsung von 2,85 Prozent pro Jahr zu leisten. Wir müssen also den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Rendite hinbekommen, wobei es sich hierbei nur scheinbar um einen Widerspruch handelt. Deshalb prüfen wir jedes Investment vorab auf Rendite und Nachhaltigkeit. Für Equity-Investments führen wir zum Beispiel vorab eine sorgfältige Due Diligence anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs durch. Nicht selten erhalten wir Investment-Angebote, die einer Nachhaltigkeitsprüfung nicht standhalten, weil das Label „Nachhaltigkeit“ derzeit oft für Marketingzwecke missbraucht wird. Auch wir arbeiten mit Ausschlusskriterien für eindeutig negative Investitionsobjekte. Ein genereller Ausschluss der energieintensiven Industrien ist aus unserer Sicht allerdings fragwürdig, da viele dieser Unternehmen umfassende Transformationen hin zu erheblichen CO2-Einsparungen umsetzen. Jeder von uns benötigt Energie, und eine Energiewende bekommen wir nicht durch pauschalen Ausschluss hin, sondern durch die Unterstützung nachhaltiger Transformationen, die Zeit und Kapital benötigen. Wir finden spannende Investitionsziele und Renditechancen bei Unternehmen, die momentan noch nicht zum „Best in Class“ zählen, sich aber gerade dahin transformieren. Zurzeit werden derartige Investments noch wenig angeboten.

Stephan Bannier: Wir vertreten das Asset Management des Generali Konzerns und agieren traditionell stark nach innen. Inzwischen sind wir als Asset Manager über alle Anlageklassen aufgestellt und sehr aktiv im Drittkundengeschäft. Das Thema Nachhaltigkeit treiben wir im Konzern schon seit vielen Jahren voran, etwa über UN PRI, inzwischen auch in der Net-Zero Asset Owner Alliance und im Global Compact. Ich gebe Herrn Gilgenberg vollkommen Recht, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zusammen wichtig sind. Ich würde noch einen entscheidenden Aspekt ergänzen, nämlich die operative Umsetzung der Regulatorik. Dabei geht es um Daten und Berichte an die Stakeholder und die Aufsicht. Die Regulatorik betrifft zudem die drei einzelnen Buchstaben E, S und G. Jeder Investor hat dort seine eigenen Wurzeln und Grundsätze. Da unterscheiden sich Kirchen in vielem von Industrieunternehmen. Zudem erlebe ich, dass die drei Buchstaben derzeit mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Das ergibt sich zunehmend auch aus den regulatorischen Anforderungen, während Siegel, Rating-Agenturen und Daten-Provider noch nicht alle Fragen beantworten können. Das ESG-Umfeld für institutionelle Investoren ist weiterhin sehr dynamisch.

Claudia Röring: Quoniam Asset Management ist ein aktiver quantitativer Asset Manager, wir verwalten ein Vermögen von 27 Milliarden Euro, ich verantworte das Produktmanagement. Die UN PRI haben wir 2012 unterschrieben. Wir sehen beim Thema Nachhaltigkeit eine enorme Breite an Bedürfnissen und Fragen unserer Kunden, alle institutionelle Investoren. Gerade Pensionsfonds aus Großbritannien und Skandinavien haben für sich klare ESG-Ansätze, etwa Dekarbonisierungsstrategien, festgelegt und möchten diese mit uns umsetzen, indem wir die einzelnen Kriterien analysieren und ihre Wirkung im Portfolio transparent machen. Bei unseren deutschen Kunden bindet die Umsetzung der EU-Offenlegungsverordnung viele Ressourcen. Eine weitere Herausforderung für Investoren ist die Frage, wie sich ESG-Scores und Credit-Ratings miteinander in Einklang bringen lassen. Von den Buchstaben E, S und G waren Klimaschutz und Umwelt, also E, die ersten Treiber, aber mit der Pandemie wurde das S im Hinblick auf Health und Wellbeing immer wichtiger. Unsere internationalen Kunden legen zunehmend den Fokus auf Inclusion und Diversity.

Anja Nieberding: Wir von NN Investment Partners betreiben als Asset Manager seit über 20 Jahren nachhaltige Kapitalanlage und haben rund drei Viertel unserer Anlagen im Gesamtvolumen von 220 Milliarden Euro nachhaltig investiert. Nachhaltigkeit leben wir sowohl für unsere Kunden wie auch als Firma und managen nachhaltige Portfolios über alle Anlageklassen hinweg. Die aktuelle Regulatorik treibt die Diskussion über Nachhaltigkeit. Für uns war es schon immer wichtig, neben traditionellen Strategien auch ESG-Strategien und Impact-Strategien anzubieten. Dadurch konnten wir relativ leicht auf die neue Klassifizierung Artikel 6, 8 und 9 umstellen. Derzeit bindet die Regulatorik auf Kundenseite und bei den Kapitalverwaltungsgesellschaften viele Ressourcen. Die Coronapandemie hat die Wahrnehmung des Klimaproblems noch einmal geschärft. Der Markt für Green Bonds ist zuletzt stark gewachsen und bereits größer als der europäische Markt für High Yield und als der globale Markt für Wandelanleihen. Auch soziale Anleihen werden inzwischen emittiert, wenn auch noch in kleinerer Größenordnung. Investoren fragen uns als Asset Manager zudem, wie wir ESG-Kriterien im Investment-Prozess und als Unternehmen umsetzen.

Thorben Pollitaras: Comgest ist ein aktiver Asset Manager. Wir investieren nur in Aktien und haben die UN PRI bereits 2010 unterzeichnet. Für viele Investoren war Nachhaltigkeit damals noch weit weg. Später hörten wir häufig, dass das Thema zwar interessant sei, man es sich im Niedrigzinsumfeld allerdings schlecht leisten könne. Ab etwa 2016 haben drei Game-Changer gewirkt: Erstens setzte sich – unterstützt durch Studien – die Erkenntnis durch, dass nachhaltiges Investieren keine Rendite kostet und sogar Vorteile bringen kann. Damit sind den Investoren die Gegenargumente ausgegangen, und eine zentrale Frage drehte sich um: Warum soll man nicht nachhaltig investieren? Hinzu kam ein zweiter Game-Changer, nämlich der Wunsch nach Skandalfreiheit. Kein Investor will mehr damit konfrontiert werden, irgendwo – und sei es auch indirekt und zu null Komma irgendwas Prozent – in Streubomben investiert zu haben. Der dritte und jüngste Game-Changer ist die Regulatorik, direkt wie auch indirekt. Beispielsweise durch die Frage, ob ESG von Interesse ist. Das verneint heute kaum noch jemand. Insgesamt führte das alles zu einer ungeheuren Dynamik und prägt mittlerweile die Gespräche mit Investoren erheblich.

Existiert ein eindeutiges Verständnis von Impact Investing?

Oliver Pfeil: Tatsächlich fehlt bis heute eine eindeutige Definition des Begriffs. Bislang sind vor allem Verbände zusammen mit Investoren und der Wissenschaft definitorisch tätig geworden, während die Vorgaben der Regulatorik an diesem Punkt noch auf sich warten lassen. Ich halte es daher für folgerichtig, dass der Prozess der Definition bottom-up getrieben und von der Wissenschaft flankiert wird. Das unterstützen wir als Evangelische Bank Konzern über Beiträge im Rahmen unserer Mitgliedschaften im Arbeitskreis kirchlicher Investoren, im Forum Nachhaltige Geldanlagen und in der Bundesinitiative Impact Investing. Darüber hinaus haben wir eine Forschungskooperation mit Universitäten ins Leben gerufen, um das Thema Impact Investing auf eine akademische Grundlage zu stellen.

Claudia Röring: Am Begriff Impact Investing scheiden sich die Geister. Hier stellt sich die Frage, ob die Investment-Strategie mit frischem Geld zweckgebunden sein soll oder ob eine Wirkung, die durch eine Investition erzielt wird, ausreicht. Für mich ist beim Impact Investing die Messbarkeit der Wirkung zum Beispiel auf die CO2-Bilanz oder Ressourceneffizienz wichtig. Die KPIs können aus dem E- oder dem S-Bereich kommen. Quoniam ist nur in liquiden Asset-Klassen unterwegs, macht nach unserer Definition deshalb kein reines Impact Investing. Wir bieten Impact-Aligned Investing an, dabei können wir beispielsweise bestimmen, wie viel wir zu den SDGs beitragen.

Oliver Pfeil: Wir wollen in unseren Impact-Produkten eine positive Wirkung auf die SDGs mit einer attraktiven Rendite verbinden. Dabei müssen unsere Impact-Investments spezifische Kriterien in Bezug auf Intentionalität, Zusätzlichkeit, Wirkungskanäle, Messbarkeit und Transparenz erfüllen. Wir unterscheiden auch auf Basis dieser Kriterien zwischen Impact-Aligned und Impact-Generating Investments.
Thorben Pollitaras: Wenn Impact wirklich das zentrale Kriterium für einen Investor ist, dann müsste er ein vergleichbares Investment mit höherem Impact auch dann bevorzugen, wenn es eine deutlich geringere Rendite aufweist – das kann ja durchaus sein. Ich bezweifele allerdings diese Konsequenz in der Umsetzung.

Oliver Pfeil: Bei Impact Investing lässt sich in der Regel keine Benchmark identifizieren. Entscheidender ist, dass viele Investoren bereits aktiv nach positivem Impact, also einer bestimmten Wirkung, suchen. Auch das Treasury unserer Konzernmutter sucht aktiv nach positiven Wirkungsinvestitionen, etwa bei erneuerbaren Energien und nachhaltigen Wohnimmobilien. Auch im liquiden Bereich sehen wir immer mehr Investoren auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten, um die Welt in eine hoffentlich bessere Welt zu transformieren.

Charlotte Klinnert: Wir sind bei Impact in Zukunftsthemen unterwegs. Die waren in der institutionellen Welt schon immer die Investments, die gesucht wurden und mit denen sich gute Renditen verdienen ließen. Deshalb stellt sich die Frage einer Entscheidung zwischen Impact und Rendite nicht. Das bestätigt auch die derzeit große Nachfrage nach nachhaltigen Investments.

Thorben Pollitaras: Ich hätte nicht die Game-Changer erläutert, wenn ich das nicht grundsätzlich genauso sehen würde wie Sie. Wir sind uns also weitgehend einig. Trotzdem muss beim Impact Investing noch einiges klarer werden, zum Beispiel bei der Frage nach der Grenze zwischen Artikel 8 und Artikel 9. Die Interpretationen der Marktteilnehmer scheinen hier teilweise doch sehr unterschiedlich zu sein.

Charlotte Klinnert: 94 Prozent unserer Fonds sind nach Artikel 8 und nach Artikel 9 eingestuft, wovon weniger als 10 Prozent der Fonds nur Artikel-9-konform sind. Der geringe Anteil von Artikel 9 geht darauf zurück, dass viele Fondsmanager Artikel 9 scheuen, weil die finalen Regularien nicht festgelegt sind und die Hürden dort gegebenenfalls zu hoch gelegt werden, obwohl inhaltlich eindeutig positiver Impact auf die SDGs vorhanden ist. Stephan Bannier: Die Diskussion, wie Fonds nach der Offenlegungsverordnung zu klassifizieren sind, verstehe ich gut. Wir sehen Fonds, die noch unter Artikel 6 laufen, obwohl wir der Ansicht sind, sie würden auch als Artikel 8 durchgehen. Natürlich will man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wir haben etliche Fonds, bei deren Anlage wir nicht nur den Shareholder Value, sondern auch den Stakeholder Value betrachten. Wenn wir das messbar machen können, dann sollten wir überlegen, diesen Fonds mit Artikel 9 zu versehen. Richtig ist die Herangehensweise mit den genannten Kriterien, um Impact zu definieren. Unabhängig von der Frage nach einer regulatorischen Vorgabe oder einem anbietergetriebenen Marktstandard: Sobald sich Investoren einig sind, neben der Rendite auch bestimmte KPIs zur Nachhaltigkeit zu verfolgen, sollte sich auch ein einheitliches Verständnis über ein Fondsprodukt herstellen lassen. Dann können sich beide Seiten gut darüber abstimmen, was sie machen, wie und warum sie es machen. Und im Warum steckt der Impact.

Anja Nieberding: Impact ist für uns ein wichtiges Thema. Wir setzen viele Ressourcen ein, um den Impact unserer Investments zu messen und transparent zu machen. Es geht für mich ganz klar darum zu zeigen, wie wir einen nachgewiesenen positiven Beitrag zu den SDGs leisten und gleichzeitig eine ansprechende Rendite erzielen. Wir haben eigene Impact-Reports für Equities, Bonds und Einzelstrategien veröffentlicht. Wir messen etwa die positiven Auswirkungen in Bereichen wie Bildung, Wasser- und Müllreduktion, Ernährung, Arbeitsbedingungen und Diversität.

Herr Gilgenberg, wie gelingt es einer Pensionskasse, Transparenz in der Nachhaltigkeit ihrer Investments sicherzustellen?

Bernhard Gilgenberg: Aufgrund des Niedrigzinses müssen wir breit diversifiziert investieren. Wir bilden uns vor jedem neuen Investment eine Meinung darüber, ob wir ein nachhaltiges Objekt vor uns haben. Liegt kein ESG-Rating vor, müssen wir darüber auf der Basis der verfügbaren Informationen entscheiden. Unsere externen Asset Manager sind vertraglich verpflichtet, die Nachhaltigkeitskriterien in unserem Sinne umzusetzen. Wir erhalten von den Asset Managern entsprechende Reports. Unseren Bestand haben wir bereits monitort. Danach wurden auch einzelne Titel aus dem Portfolio herausgenommen, weil sich die Informationslage deutlich geändert hat. Für einen Teilbestand können wir heute noch nicht genau sagen, ob er nachhaltig ist oder nicht. Das gilt zum Beispiel für manche gut rentierliche Anleihe. Doch solange wir nicht zu der Überzeugung kommen, dass ein Titel ausdrücklich nicht nachhaltig ist, sehen wir derzeit keine Veranlassung zu handeln. Das ist vor allem eine Frage der verfügbaren Daten. Da die verbindliche Regulierung für ESG-Kriterien noch vollumfänglich fehlt, haben wir uns selbst eine Nachhaltigkeitsstrategie gegeben. Dafür stimmen wir uns in den Verbänden und Arbeitskreisen ab. Unsere heutige Nachhaltigkeitsstrategie kann nur vorläufig sein, weil die Entwicklungen bei Taxonomie und Datenbasis rasant sind und die Strategie deshalb laufend fortentwickelt wird.

Hier geht es zu Teil 2 der Roundtable-Diskussion: Link.

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