Die Integration von ESG-Faktoren bei der Kapitalanlage deutscher Versicherungsunternehmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies geht aus einer aktuellen Studie des europäischen Asset Managers Candriam und der Versicherungsforen Leipzig hervor.

Wie ist der Status quo deutscher Versicherer bei der Implementierung von ESG-Kriterien in der Kapitalanlage? Und wie lassen sich die wesentlichen Erfolgsfaktoren, Hürden sowie geeignete Lösungsansätze bei der Umsetzung ableiten? Diesen Fragestellungen sind der europäische Asset Manager Candriam und die Versicherungsforen Leipzig mit einer Studie nachgegangen. Neben einem Desk Research fanden zwischen März und April 2020 Tiefeninterviews mit sechs deutschen Versicherungsunternehmen statt. Diese lassen Rückschlüsse zu diversen Unternehmensbereichen und Implementierungsfortschritten zu.

Demnach gilt allen voran die Regulatorik als ein maßgeblicher Treiber der Branche. Auch wenn die nationalen und internationalen Bestimmungen noch keine Verbindlichkeit herstellen, sorgen sie für eine beschleunigte Implementierung nachhaltiger Kriterien. Versicherungshäuser ohne bestimmte Agenda warten auf eine Konkretisierung der regulatorischen Anforderungen.

“ESG kann klaren Mehrwert im Risikomanagement bieten”

“Versicherungen mussten in der Vergangenheit und vor allem vor dem Hintergrund einer deutlich gestiegenen Regulatorik große Herausforderungen und Hürden meistern. Die Verantwortlichen bei Versicherern wissen jedoch ganz genau: ESG kann einen klaren Mehrwert im Risikomanagement bieten und deshalb das jeweilige Investment bereichern”, sagt Marie Niemczyk, Head of Insurance Relations bei Candriam. “Asset Manager mit einer langjährigen Expertise auf dem Gebiet des nachhaltigen Investierens können hier mit individuellen Anlagelösungen, eigenen Daten und Versicherungsspezialisten den Unterschied machen.“

“Aufgrund der intensiven Gespräche mit den Versicherungsunternehmen konnten wir herausfinden, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind, diese Herausforderung jedoch mit unterschiedlichem Tempo und vielfältigen Methoden angehen. Der Austausch mit anderen Versicherern und Assetmanagern gewährt jedoch, dass sich die Branche als Ganzes weiterentwickelt. Wir möchten mit diesem Best-Practice-Leitfaden jetzt und in Zukunft dazu beitragen“, ergänzt Matthias Schober, Leiter des Bereichs Kapitalanlagemanagement bei den Versicherungsforen Leipzig.

Solide Datenabdeckung bei liquiden Assets

Die befragten Versicherungsunternehmen bilden diverse Unternehmensgrößen und verschiedene Unternehmensformen und -lager (börsennotiert, öffentlich oder Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) ab. Die als Vertreter der jeweiligen Unternehmen agierenden Gesprächspartner hatten überwiegend leitende Tätigkeiten sowie Spezialisierungsfunktionen für Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage oder dem Risikomanagement inne.

Als Ausgangspunkt eines internen ESG-Screenings dienen zumeist liquide Assets, insbesondere das Aktienportfolio. Grund dafür ist die, verglichen mit anderen Anlageklassen, solide Datenabdeckung. Das angewandte Konzept wird folgend auf das Anleihe-Universum und schließlich Alternative Investments und Immobilien ausgeweitet. Für die vollumfängliche Umsetzung eines Nachhaltigkeitskonzepts bedarf es eines individuellen Ansatzes. Hierzu werden in der Regel sowohl Datenanbieter als auch andere Ansprechpartner, wie zum Beispiel Asset Manager, konsultiert. Findet eine externe Mandatierung statt, ist vor allem die Übereinstimmung des Selektionsprozesses des Assetmanagers mit dem internen Modell oder Rahmen und den Zielen maßgeblich.

Größerer Fokus auf Faktoren E und S

Die Überführung der Konzepte in die Prozesse des Kapitalanlagemanagements, inklusive Screening-Kriterien, und die eigene Erstellung von KPIs (Key Performance Indicators) stellen aktuell zentrale Herausforderungen dar. Da sich bei der Umsetzung alle unternehmensinternen Handlungen auf valide Daten stützen, stellt eine fehlende Abdeckung eine weitere Schwierigkeit dar. Eine solide Datengrundlage wird etwa zur Modellierung von Risiken und Stresstests benötigt, aus denen wiederum Rückschlüsse zu künftigen Handlungsalternativen gezogen werden können.

Die aktuelle Covid-19-Krise machte zudem die Widerstandsfähigkeit von ESG-Fonds deutlich und erhöhte deren Anlageattraktivität. Durch einen größeren Fokus auf die Faktoren E und S und die Berücksichtigung von Governance als Risiko-Indikator stärken Unternehmen ihre langfristige Krisen-Resistenz und stechen damit am Markt hervor.

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