Nachhaltige Aktienfonds waren in der Krise widerstandsfähiger als ihre konventionellen Pendants und punkten auch in der Erholungsphase im zweiten Quartal 2020, zeigen Auswertungen von Scope Analysis. Fondsexpertin Simone Schieg erläutert die Ergebnisse.

Während des historischen Börsencrashs im März haben sich nachhaltige Investments als Vehikel zur Schadensminimierung erwiesen. Das zeigt eine Auswertung der Performance sowie des maximalen Verlustes von über 2.000 Aktienfonds mit einem verwalteten Vermögen von rund 1 Billion Euro. Auch in der Erholungsphase im zweiten Quartal rentierten die ESG-konformen Anlagen besser, zeigt die Folgestudie des Analysehauses Scope.
„Oft sind nachhaltige Fonds besonders defensiv aufgestellt. Ihrem Ruf als „Risikoreduzierer“ werden sie gerecht “, erläutert Schieg. So finden sich in den untersuchten nachhaltigen Vehikeln überproportional viele nichtzyklische Werte. Sie gewichten beispielsweise Basiskonsumgüter gegenüber dem jeweiligen Vergleichsindex stärker. Auch Gesundheitswerte, die in der aktuellen Krise ohnehin im Fokus stehen, punkten in Sachen ESG und sind daher weitaus präsenter in den nachhaltigen Fonds als in den breitgestreuten.

Beide Sektoren zählten im ersten Quartal 2020 mit Werteinbußen von 9,1 Prozent beziehungsweise 11 Prozent zu den Top-3-Sektoren, gemessen an den MSCI-Total-Return-Sektorindizes. Gerade Gesundheitstitel hätten sich auch in vorigen Krisen als überaus robust erwiesen, erläutert Schieg. „Eine Auswertung der vergangenen fünf Krisen hat gezeigt, dass sie in jeder Krise weniger Kursverluste hinnehmen mussten als die meisten anderen Sektoren“. So helfen Wertpapiere aus dem Sektor, Maximalverluste zu begrenzen.

Gleichzeitig sind Rohstoff- und Energiewerte geringer oder in einigen der untersuchten Vehikel gar nicht Teil des Portfolios. Energieaktien sind im bisherigen Jahresverlauf besonders stark unter die Räder gekommen. Grund war der starke Rückgang des Energieverbrauchs während des Lockdowns. Gleichzeitig brachen Öltitel mit dem Verfall der Rohölpreise ein.

Stockpicking als Erfolgsfaktor

Zudem sind Unternehmen mit gutem ESG-Rating oft gut für die Zukunft gerüstet. Sie seien globalen Veränderungen gegenüber positiv eingestellt und sähen sie eher als Chance denn als Hindernis, so Scope. Kurzum: Diese Unternehmen seien besser positioniert für die Welt von morgen. „ESG ist ein ganzheitlicher Ansatz. Es hat sich gezeigt, dass eine gute Unternehmensführung ein guter vorlaufender Indikator für die Krisenzeit ist“, so Schieg.
Generell seien die Aspekte Social und Governance in der Krise stärker in den Fokus gerückt. Wie Unternehmen mit Mitarbeitern umgehen, sei beispielsweise stärker ins Blickfeld gekommen. „Die aktuelle Krise zeigt, dass der Faktor Social oft zu kurz gekommen ist. Gleichzeitig hat eine vorausschauende Unternehmensführung Schäden abwenden können“, so Schieg.

Die Qualität dieser Unternehmen spiegele sich auch in den Bilanzen wider. Oft wiesen sie stabile Einnahmen und hohe Gewinnmargen auf. Viele seien Marktführer in ihrem Segment. „Ihre Preisgestaltungsmacht in Kombination mit stabilen, wiederkehrenden Einnahmen verschafft ihnen auch in Krisenzeiten eine relativ stabile Ertragslage“, erläutert Schieg. In Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs erlitten sie daher auch geringere Verluste.
Im Fokus der Untersuchung standen die durchschnittliche relative Performance und der maximale Verlust für Fonds aus den Regionen Europa, Nordamerika, den Schwellenländern sowie der Welt gesamt.

Nachhaltige Aktienfonds: Regionale Unterschiede

Dabei zeigten sich regionale Abweichungen. Unter den nachhaltigen Aktienfonds konnten Produkte mit globalem, europäischem und nordamerikanischem Investmentfokus im Durchschnitt ihren Vergleichsindex schlagen. Die höchste Outperformance erzielten global orientierte Nachhaltigkeitsfonds. Nur nachhaltige Schwellenländerfonds blieben im Durchschnitt knapp hinter ihrem Vergleichsindex zurück. Aktienfonds ohne Nachhaltigkeitsfokus performten mit Ausnahme globaler Produkte im Schnitt deutlich schlechter als ihre Benchmarks. Besonders ausgeprägt war die Underperformance bei konventionellen Schwellenländeraktienfonds.

In den Kategorien „Welt“, „Europa“ und „Schwellenländer“ hielten sich nachhaltige Aktienfonds mit aktivem Management im Durchschnitt besser als entsprechende passive Nachhaltigkeitsprodukte (ETFs & Indexfonds). In Nordamerika hatten aktive nachhaltige Aktienfonds allerdings das Nachsehen gegenüber passiven Strategien.

Outperformance im zweiten Quartal

Globale nachhaltige Aktienfonds erzielten auch im zweiten Quartal 2020 durchschnittlich eine leichte Outperformance gegenüber konventionellen Fonds. Die durchschnittliche Outperformance des gesamten ersten Halbjahrs 2020 sei sogar sehr deutlich ausgefallen, erläutert Schieg. Auch der Vergleich von aktiven versus passiven Fonds zeige einen klaren Performance-Vorteil bei den aktiv gemanagten nachhaltigen Fonds. Passive nachhaltige Fonds hätten jedoch im zweiten Quartal stark aufholen können.

Allerdings: Sowohl nachhaltige als auch konventionelle Fonds erzielten im zweiten Quartal eine schwächere Wertentwicklung als der MSCI-Welt-Index. Die Underperformance im Berichtsquartal fiel bei den konventionellen Fonds aber größer aus als bei den nachhaltigen Fonds.

Maximaler Verlust bei nachhaltigen Aktienfonds meist geringer

Nachhaltige Aktienfonds erlitten im ersten Quartal 2020 in drei Regionen (Welt, Europa, Nordamerika) einen geringeren maximalen Verlust als ihr Vergleichsindex. Nur nachhaltige Schwellenländeraktienfonds wiesen im Schnitt einen etwas höheren Drawdown auf als die Benchmark. Bei konventionellen Aktienfonds dagegen fiel der maximale Verlust in allen Regionen höher aus als der des jeweiligen Marktindexes.

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