Nachhaltigkeit und Altersvorsorge – das klappt auch bei Pensionsfonds für Landesbeamte. Axel Bendiek, Referatsleiter Treasury im Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen, verantwortet unter anderem den Pensionsfonds des Landes. Mit Guido Birkner spricht er über die Länderkooperation bei Aktienfonds, den Ausschluss fossiler Energien, den Niedrigzins und die demographische Entwicklung der Beamten an Rhein und Ruhr.

Nachhaltigkeit und Altersvorsorge – das klappt auch bei Pensionsfonds für Landesbeamte. Axel Bendiek, Referatsleiter Treasury im Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen, verantwortet unter anderem den Pensionsfonds des Landes. Mit Guido Birkner spricht er über die Länderkooperation bei Aktienfonds, den Ausschluss fossiler Energien, den Niedrigzins und die demographische Entwicklung der Beamten an Rhein und Ruhr.

Herr Bendiek, Sie sind im Ministerium der Finanzen in Düsseldorf unter anderem für den Pensionsfonds des Landes Nordrhein-Westfalen und damit für die finanzielle Vorsorge für Pensionen der Landesbeamten zuständig. Woher kommt die Idee, Pensionsfonds für die Beamten einzurichten?

Axel Bendiek: In ihrer Eigenschaft als Dienstherr sind die deutschen Länder verpflichtet, alle Versorgungsausgaben für ihre Beamtinnen und Beamten unmittelbar aus dem Haushalt zu leisten, während die Pensionsfonds der Länder der finanzwirtschaftlichen Vorsorge dienen, aber selbst keine Verpflichtungen zu tragen haben. Die Vorläufer der Landespensionsfonds gehen vor allem auf die Neunziger-Jahre zurück, mit Blick auf den demographischen Wandel. Der Bund lieferte mit einer Änderung des Bundesbesoldungsgesetzes eine Vorlage, auf die die Bundesländer nach der Föderalismusreform I im Jahr 2006 mit der Übertragung ins Landesrecht reagieren mussten. Sie sollten Rücklagen aufbauen und die Mittel einem Sondervermögen zuführen. Im selben Jahr setzte Nordrhein-Westfalen dies noch um. Im Jahr 2017 wurden die ehemalige Versorgungsrücklage und der Versorgungsfonds zum neuen Pensionsfonds des Landes zusammengefasst. Das einheitliche Vehikel für die Beamtenversorgung erleichtert die Bewirtschaftung mit einer einheitlichen, langfristig ausgelegten Anlagestrategie.

Aus welchen Mitteln speist sich der Pensionsfonds?

Axel Bendiek: Wie bereits erwähnt, aus dem 2006 gegründeten Versorgungsfonds. Seit 2018 erhält der Pensionsfonds pauschale Zuschüsse in Höhe von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr. Auch sämtliche Erträge, die aus der Kapitalanlage erzielt werden, werden im Sondervermögen belassen. Ende 2020 belief sich das Vermögen des Pensionsfonds auf 13,2 Milliarden Euro.

Lassen sich die gesamten Aufwendungen für die Beamtenversorgung in Nordrhein-Westfalen beziffern?

Axel Bendiek Quelle: Axel Bendiek

Axel Bendiek: Nein, das traditionelle, zahlungsorientierte System der öffentlichen Haushalte liefert keine Zahlen zu den Pensionsrückstellungen.

Welche Richtlinien für die Kapitalanlage sind für den Pensionsfonds des Landes vorgeschrieben?

Axel Bendiek: Das Ministerium der Finanzen hat die Anlagerichtlinien des Pensionsfonds festgelegt. Sie legen besonderen Wert auf Sicherheit und Rentabilität der Kapitalanlage. Auf dieser Grundlage ist das Konzept der nachhaltigen Kapitalanlage entstanden. Wir haben uns dabei an den Marktstandards orientiert.

Wie ist das Anlageportfolio des Pensionsfonds zusammengesetzt?

Axel Bendiek: Unser Portfolio setzt sich ähnlich den Portfolios anderer deutscher Länder zusammen, also schwerpunktmäßig aus Aktien und Renten. Bei uns stehen diese im Verhältnis 30:70. Im Rentenbereich halten wir traditionell Pfandbriefe mit einem Anteil von rund 50 Prozent des Gesamtbestands. Dazu kommt eine Beimischung von Staatsanleihen, Anleihen von Förderbanken sowie Ländern und Unternehmensanleihen.

Wie sieht das Nachhaltigkeitskonzept für die Kapitalanlage im Pensionsfonds konkret aus?

Axel Bendiek: Ausgeschlossen werden kontroverse Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken. Zudem führen wir ein Best-in-Class-Rating auf der Basis von ESG-Scorings durch. Wir wollen so marktneutral wie möglich anlegen und so nachhaltig wie nötig, das heißt, wir formulieren Nachhaltigkeitskriterien als Mindestanforderungen für unsere Investments. Aus dem so definierten nachhaltigen Universum entscheiden wir über einzelne Anlagen unter den Gesichtspunkten Rendite, Sicherheit und Liquidität. Der Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsprüfung liegt bei Unternehmenstiteln, also Aktien und Unternehmensanleihen. Wir halten Aktien und den ganz überwiegenden Teil der festverzinslichen Wertpapiere in einem Teilportfolio, das die Deutsche Bundesbank für uns verwaltet. Im Aktienbereich verfolgen wir einen passiv-regelgebundenen Ansatz und haben hierzu gemeinsam mit den Bundesländern Baden-Württemberg, Brandenburg und Hessen nachhaltige Aktienindizes entwickeln lassen. Die Verantwortung für Unternehmensanleihen wurde einem externen Manager übertragen, der unsere Nachhaltigkeitskriterien im Rahmen eines aktiven Mandats umsetzt.

Wie sieht die Kooperation der beteiligten Bundesländer beim Thema Nachhaltigkeit konkret aus?

Axel Bendiek: Die vier genannten Länder bekennen sich zu nachhaltiger Vermögensanlage für ihre Pensionsfonds, und einige dieser Länder setzen auch auf der Finanzierungsseite nachhaltige Finanzprodukte wie Green Bonds oder Nachhaltigkeitsanleihen ein. Im Bereich der Kapitalanlage ist die Deutsche Bundesbank für fast alle Länder ein wichtiger Kooperationspartner. Diese Gemeinsamkeiten haben uns veranlasst, auch für nachhaltige Aktien-Investments eine gemeinsame Lösung zu suchen. Auf der Grundlage zusammen formulierter Anforderungen konnten wir 2019 ein Ausschreibungsverfahren erfolgreich abschließen. Den Zuschlag bekam STOXX Ltd., das ist heute die Qontigo GmbH und Teil der Deutschen Börse. STOXX hat im Auftrag der Länder nachhaltige Aktienindizes entwickelt. Die Bundesbank repliziert diese Indizes in den Portfolios der Länder, ohne einen Fondsanbieter zwischenzuschalten.

Wie sind die Indizes strukturiert?

Axel Bendiek: Die Indizes sind regional zweigeteilt in Eurozone und restliche Welt, wobei jeweils nur die Industrieländer einbezogen werden. Eine weitere Zweiteilung haben wir bei der Frage nach den anzuwendenden Ausschlusskriterien. Für Nordrhein-Westfalen war und ist es wichtig, den Gedanken der Transformation im Blick zu behalten. Dabei geht es vor allem um das Thema Kohleausstieg. Dem Gedanken einer Brückentechnologie trägt der Pensionsfonds Rechnung, indem der Aktienindex für die Eurozone in einer Version ohne Ausschluss fossiler Energie zum Einsatz kommt. Bis auf diesen Punkt sind die Indizes vollständig deckungsgleich. Inzwischen nehmen wir wahr, dass die nachhaltige Kapitalanlage im Länderkreis immer mehr Anhänger findet. Andere Länder haben ähnliche Lösungen entwickelt oder ziehen in Betracht, sich an bestehenden Kooperationen zu beteiligen.

Die demographische Entwicklung macht auch vor den Beamten nicht Halt. Wie wirkt sich das auf den Pensionsfonds aus?

Axel Bendiek: Im Zusammenhang mit den Versorgungsberichten des Landes wurden Prognoserechnungen auf der Basis umfangreicher Daten zum Personalbestand des Landes durchgeführt. Daraus sind Projektionen zur erwarteten Zahl der Versorgungsempfänger beziehungsweise Versorgungsausgaben bis 2060 entstanden. Die aktuelle Prognose weist für die nächsten Jahre einen weiteren Anstieg der Ausgaben und der Zahl der Leistungsempfänger aus. Danach wird die Entwicklung in eine langfristige Seitwärtsbewegung übergehen, also auf hohem Niveau verharren.

Wie sieht es mit dem Niedrigzins aus?

Axel Bendiek: Auch der betrifft uns, aber wir haben hier reagiert. Im Niedrigzinsumfeld hat sich die Attraktivität von Unternehmensanleihen und Aktien als Alternative zu Staatsanleihen und Pfandbriefen deutlich erhöht. Wir haben daher die Aktienquote auf 30 Prozent angehoben und auch den Anteil der Unternehmensanleihen erhöht. Bei Staatsanleihen und Pfandbriefen konnten wir negative Renditen vermeiden.

Und Aktien sind die eigentlichen Renditetreiber?

Axel Bendiek: Durch Einsatz von Aktien wollen wir die Rendite des Gesamtportfolios weiterhin in der bisherigen Größenordnung halten. Mit unseren vier Aktienindizes haben wir die Möglichkeit, nachhaltig und kostengünstig an den weltweiten Aktienmärkten zu partizipieren. Wir prüfen jeden einzelnen Titel im festverzinslichen Bereich, zum Beispiel einen zehnjährigen Pfandbrief oder eine zehnjährige Staatsanleihe unter dem Aspekt der laufzeitkongruenten Finanzierungskonditionen des Landes. Wir orientieren uns ausschließlich an der Einstandsrendite, da wir die Papiere grundsätzlich bis zur Fälligkeit halten. Die Rating-Anforderungen liegen je nach Anlageklasse zwischen A+ und BBB, also ausnahmslos im Investment-Grade-Segment.

Sind die 30 Prozent Aktienquote laut Anlagevorschrift die Obergrenze für Aktien?

Axel Bendiek: Das Pensionsfondsgesetz des Landes und die Anlagerichtlinien schreiben an dieser Stelle keine Obergrenze vor. Auf eine Zielquote von 30 Prozent haben wir uns im Anlageausschuss
verständigt.

Welches Risikomanagement führen Sie bei Aktienindexfonds durch?

Axel Bendiek: Im Bereich Risikomanagement erhalten wir Unterstützung von der Deutschen Bundesbank. Dazu gehören neben den üblichen Kennzahlen auch Stresstests, zum Beispiel die Simulation eines plötzlichen Zinsanstiegs oder einer sehr volatilen Marktentwicklung. Das beste Risikomanagement für Aktien ist ein langer Anlagehorizont, idealerweise mindestens zehn Jahre, in Verbindung mit ausreichender Liquiditätsvorsorge. Im festverzinslichen Bereich steuern wir das Risiko über die Rating-Vorgaben in Verbindung mit dem Buy-and-Hold-Ansatz.

Mit welchen Zeithorizonten legen Sie an?

Axel Bendiek: Der Schwerpunkt der festverzinslichen Anlagen hat Laufzeiten bis etwa zehn Jahre. Diese Laufzeitauswahl gewährleistet bei einem gleichmäßigen Fälligkeitsprofil ausreichende Liquiditätsvorsorge, ohne negative Renditen in Kauf nehmen oder die jetzt sehr niedrigen Zinsen für sehr lange Zeit festschreiben zu müssen. Auf der Finanzierungsseite sieht das anders aus, hier setzen wir für einen Teil unseres Bedarfs wesentlich längere Laufzeiten an. Die langen Finanzierungen korrespondieren insoweit eher mit den sehr langfristigen Kapitalanlagen im Aktienbereich.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf den Pensionsfonds aus?

Axel Bendiek: Die Zinsen, die im Zusammenhang mit der Pandemie nochmals rückläufig waren, hat auch der Pensionsfonds gespürt. Dennoch konnten wir eine negative Rendite vermeiden. Wir beobachten den Markt intensiv. Uns hilft die Einbeziehung der Passivseite. Eine signifikante Überrendite über die Finanzierungskosten des Landes ist in jedem Zinsumfeld möglich. Und das höhere Gewicht ertragsstärkerer Anlageformen wie Aktien stabilisiert dabei die Gesamtrendite.

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