Antje Schiffler sprach mit Verena Kempe, Leiterin des Investment Managements beim KENFO – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, über neue Entwicklungen am Markt für erneuerbare Energien.

Welche Rolle spielen Speichertechnologien? Sind sie schon investierbar oder ist das noch Zukunftsmusik?

Verena Kempe: In Speichertechnologien wird zurzeit vereinzelt bereits investiert. Dabei geht es vor allem um Batteriespeicher, aber der Markt ist noch recht klein. Traditionell gibt es im Bereich Wasserkraft natürlich Pumpspeicher, die schon lange investierbar sind. Auch den Speichermarkt muss man meiner Meinung nach holistisch betrachten, integriert mit der Stromerzeugung.

Solar- oder Windparks werden künftig voraussichtlich mit einer entsprechenden Speicherlösung gebaut werden. In einigen Regionen geschieht dies auch schon. Spannend wird auch sein, wie sich die so genannten Power-to-X-Lösungen weiterentwickeln. Gerade Wasserstoff und andere Umwandlungsprodukte werden entscheidende Rollen spielen. Aber das sind Themenfelder, die in einem Standardportfolio zurzeit keine wesentliche Allokation ausmachen.

Kann man denn festhalten, dass Investoren künftig die Risikokurve hochgehen müssen, um attraktive Renditen erzielen zu können?

Kempe: Das muss nicht zwingend sein, aber man muss wissen, in welches Risiko-Rendite-Spektrum man investiert, mit welchem Risiko und welchen Chancen. Einerseits gibt es die langfristig vertraglich gebundenen operativen Stromerzeugungsinvestmentmöglichkeiten. Aber es gibt auch die Möglichkeiten, in Entwicklung und Bau von Anlagen zu investieren, was sicherlich eine gewisse Erhöhung des Risikoprofils mit sich bringt. Zudem gibt es Möglichkeiten, in Ladestationen, in Distributed Power oder Heat – in Microgrids – zu investieren. Es sind wahrscheinlich diese neuen Technologieanwendungen und ihre Geschäftsmodelle der nächsten Generation, die mit den meisten Risiken für Investoren behaftet sind.

Ganz zentral bei der Risikobetrachtung ist neben der Technologie das Thema Offtake. Die Abnahme, also Einnahmen der Projekte beziehungsweise Unternehmen, ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu vielen Risikoprofilen im Bereich erneuerbare Energien, weil Marktpreis- und Mengenrisiko die Volatilität der Erträge bestimmt. Hier sind es die vertraglichen Ausgestaltungen der Abnahmeverträge, die das Risikoprofil definieren.

Was hat die Corona-Krise mit diesem Markt gemacht, mit dieser Asset-Klasse?

Kempe: Grundsätzlich hat Covid-19 gezeigt, dass die Asset-Klasse nachhaltige Infrastruktur sehr stabil ist. Man hat zwar zum Beispiel im Strombereich starke Ausschläge gesehen, gerade im ersten Halbjahr, als die Nachfrage zusammengebrochen ist. Aber alles in allem konnte man im letzten Jahr keine wesentlichen Leistungsdefizite sehen.

Die Anlageklasse Infrastruktur hat weltweit das gehalten, was sie auch halten sollte. Sie ist in dieser Krise in keiner Form zusammengebrochen. Dabei meine ich nicht nur die finanzielle Performance, sondern auch die operative Performance. Das hat das Vertrauen der Investoren gefestigt.

Weiterer Treiber für erneuerbare Energien wird aber nicht Covid-19 selbst sein. Die Pandemie hat gewissermaßen eine größere Krise überlagert, und das ist der Klimawandel. Das Thema Klimawandel wird wieder sehr viel stärker in den Vordergrund treten, wenn die Corona-Krise in den Hintergrund rückt.

Verena Kempe Bildquelle: KENFO

Welche Rolle spielt die Politik? Ich denke da an den Green Deal, das US-Konjunkturpaket oder auch Chinas Ambitionen zur Senkung von Treibhausgasemissionen.

Kempe: Wir werden einen großen Investitionsschub sehen in Nordamerika, in Europa und auch sehr stark in Asien. Für uns als Investor ist wichtig, dass wir gemeinsam mit diesem entsprechenden Programm investieren können. Neben staatlichen Konjunkturprogrammen steht aus meiner Sicht sehr viel Kapital von institutionellen Anlegern bereit, um den Ausbau nachhaltiger Infrastruktur weiter voranzutreiben.

Welche Bedeutung hat das „S“, also die soziale Komponente, bei solchen Investments?

Kempe: Gerade im Bereich nachhaltige Infrastruktur ist es sehr wichtig, welchen Einfluss ein Projekt auf direkt Betroffene, auf eine Gesellschaft hat, in der das Projekt realisiert wird. Infrastruktur ist grundsätzlich immer ein Investment, das eine große Anzahl von Menschen betreffen kann. Dies muss über entsprechende Planungs- und Anhörungsprozesse natürlich berücksichtigt werden. Uns ist sehr wichtig, dass Manager ESG-Themen gegenüber offen sind. Gerade bei größeren Infrastrukturprojekten sollte der Manager einen Stakeholder-Ansatz verfolgen, so dass alle Betroffenen und alle Beteiligten involviert werden.

Der KENFO setzt zurzeit Akzente bei Greenfield-Investitionen, also beim Neubau von Infrastrukturprojekten. Zum einen, um durch die Finanzierung von neuen Anlagen die Infrastruktur insgesamt auszubauen, zum anderen ist dies aus Renditegesichtspunkten meist interessanter. Aber auch sogenannte Brownfield-Strategien möchte ich nicht ausschließen, die genauso ihren Platz im Portfolio haben. Beide Investment-Ansätze haben ihre Funktion in einem Portfolio. Darüber hinaus gibt es „Mischkonstellationen“ – zum Beispiel die Umrüstung von bestehenden Anlagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Die Frage ist, welchen Akzent man setzen möchte, und wir setzen ihn zurzeit im Greenfield-Bereich.

Wie wählen Sie Ihre Manager aus, was ist Ihnen wichtig?

Kempe: Bevor wir uns für ein Investment entscheiden, analysieren wir sehr tiefgreifend. Es beginnt mit der Frage der Investment-Strategie: Wie ist der Business Case ausgestaltet und wie konsistent ist die Strategie in der Vergangenheit umgesetzt worden? Wie sieht die Marktopportunität zurzeit für diese Art von Investments aus? Gibt es schon Projekte oder Investments, die der Fonds im jeweiligen Bereich getätigt hat? Ein wesentlicher Aspekt der Investment-Strategie ist zudem das Thema Nachhaltigkeit. Der KENFO investiert sehr stark unter dem Nachhaltigkeitsgedanken und hat damit in den ersten Jahren der Performance der Gesamtkapitalanlage gute Erfolge erzielen können.

Bei jedem einzelnen Fondsinvestment prüfen wir, welche Nachhaltigkeitsstrategie vom Fondsmanager verfolgt wird und welche Rolle Nachhaltigkeit in der Due Diligence und der Investmententscheidung spielt. Wichtig ist darüber hinaus die Leistungsbilanz des entsprechenden Managers: Wie viel Wertschöpfung konnte er bisher generieren? Ebenfalls sehr relevant: Welche Qualität und Ressourcen kann der Manager mit seinem Team vorweisen? Was waren die Fluktuationen in der Vergangenheit, wie erfolgt die Incentivierung der Teammitglieder? Das Team, das die Investments vornehmen wird, steht im Mittelpunkt. Wichtig ist darüber hinaus die vertragliche Ausgestaltung: die Rechte und Pflichten der Investoren und die Gebührenmodelle sowie die Prüfung sämtlicher rechtlichen, regulatorischen und steuerlichen Themen.

Und wie würden Sie bei Direkt- oder Co-Investments vorgehen?

Kempe: Wir planen, bei Co-Investments mit strategischen Partnern für bestimmte Projekte zusammenzuarbeiten. Letztlich werden wir für die Projektauswahl die gleichen Auswahlkriterien heranziehen, wie wir sie heute auch für unsere Manager implementieren.

Lesen Sie hier mehr dazu, wie der KENFO Investments in nachhaltige Struktur ausbauen will. Weitere Informationen zum Thema gibt es übrigens in der Sonderbeilage “Impact Investing”, die mit der dpn-Ausgabe Juni/Juli 2021 erscheint.

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