KENFO wird in der ESG-Kategorie der institutional assets Awards prämiert

Anja Mikus und Dr. Thomas Bley, Vorstände des KENFO diskutieren mit Ulrich Gericke, Bereichsvorstand Markets und Securities Services von HSBC Deutschland, Sonja Kimmeskamp, Head of Sustainable Investing, HSBC Deutschland, und Senior Relationship Manager, HSBC Global Asset Management (Deutschland), und Niklas Georg, Geschäftsführer der HSBC Global Asset Management (Deutschland), über nachhaltige Kapitalanlage. Hier der Link zum Video der Preisverleihung: https://www.youtube.com/watch?v=mbRTNhFgpFw

Frau Mikus, für den KENFO, den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, sind Kapitalanlage und Nachhaltigkeit untrennbar miteinander verbunden. Wie hat sich das entwickelt?

Anja Mikus: Wir sind von der Bundesregierung damit beauftragt, die Gelder für die kerntechnische Entsorgung in Höhe von rund 24 Milliarden Euro zu verwalten. Unsere sämtlichen Anlagen sind nachhaltig im Sinne der ESG-Kriterien. Außerhalb des KENFO sehe ich, dass Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage lange Zeit eben nicht bedeutete, tiefgehend darüber nachzudenken, wie man einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz ins Portfolio bringt. Die erste Generation von Nachhaltigkeitskriterien waren reine Ausschlüsse. Die zweite Generation bezog sich auf das ESG-Screening, und jetzt sind wir schon bei der dritten Generation der Nachhaltigkeit. Dabei möchten wir als KENFO den Transformationsprozess zu mehr Nachhaltigkeit der investierten Unternehmen begleiten. Gerade mit dem Blick auf das Klima wird es für Unternehmen künftig sehr teuer, nicht nachhaltig zu sein. Als wir mit dem KENFO 2017 begannen, sämtliche Investments nach ESG-Kriterien anzulegen, erfuhren wir viel Skepsis, weil überwiegend die Meinung vorherrschte, Nachhaltigkeit koste Rendite. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren geändert. Heute sucht die überwiegende Zahl der institutionellen Investoren ihre Nachhaltigkeitsstrategie und braucht gute Daten, um gute Entscheidungen treffen zu können. Das bestätigt uns.

Thomas Bley: Wir streben mit unserer Anlagestrategie immer an, mit unseren Investitionen eine gute Rendite zu erwirtschaften. ESG und Performance sind für uns in diesem Zusammenhang kein Gegensatz. Im Risikomanagement wollen wir dafür sorgen, Negativereignisse zu vermeiden. Wir als Pioniere entwickeln Ansätze und wollen so eine Vorbildfunktion für andere Investoren einnehmen.

Ulrich Gericke: Wir bei HSBC haben uns vor einigen Jahren ein großes Ziel als Einstieg in die Nachhaltigkeit gesetzt: Wir wollen 100 Milliarden Euro nachhaltig investieren, sprich: Kredite nachhaltig vergeben. Und inzwischen haben wir uns als erste Großbank das Ziel gesteckt, bis 2030 bei unseren Emissionen Net Zero zu sein. Das wirkt sich auf unser Kreditgeschäft und auf unsere Organisation aus. Alles, was wir unter Nachhaltigkeitsaspekten nicht mehr im Portfolio haben wollen, haben wir bereits herausgenommen.

Niklas Georg: Für HSBC Asset Management ist Nachhaltigkeit ein Kernelement unserer Strategie. Wir beziehen ESG-Analysen in jeden Schritt des Anlageprozesses ein. Sie sind nicht etwa nur für unsere explizit nachhaltigen Fonds relevant. Wir engagieren uns seit langem für Nachhaltigkeit. Im Asset Management der HSBC haben wir schon vor 20 Jahren den ersten ESG-konformen Fonds aufgelegt.

Sonja Kimmeskamp: Und seitdem haben wir Systeme und Arbeitsabläufe immer weiter fortentwickelt. Wir haben Systeme geschaffen, in die wir Provider-Daten implementieren und zusammenführen. Damit haben wir eigene HSBC-ESG-Scores entwickelt, um Portfoliomanager und Analysten in ihren Entscheidungen zu unterstützen. 90 Prozent unserer Produkte basieren aktuell auf unserem ESG-Integrationsansatz. Ausnahmen sind lediglich Derivate und alternative Produkte. Auch entwickeln wir auf der Fondsseite und der Mandatsseite gemeinsam mit Kunden wie Pensionskassen oder Versicherungen ESG-konforme Anlagestrategien.

Wie groß ist das Interesse der Stakeholder und Beiräte des KENFO am Thema Nachhaltigkeit?

Anja Mikus: Das Interesse ist sehr hoch. Wir hatten am Anfang viele Ideen zu unserem mehrstufigen Nachhaltigkeitsansatz, wussten aber noch nicht, wie wir ein so heterogenes Kuratorium darunter versammeln sollen. Nehmen wir das Beispiel unseres Ausschlusses von Kohle und Kohleverstromung. Diese CO2-intensiven Industrien sind aus unserer Sicht rückwärtsgerichtet, während wir als KENFO 80 Jahre in die Zukunft denken müssen. Dann haben wir in unseren ESG-Grundsätzen auch die Berücksichtigung der Pariser Klimaziele aufgenommen und so den Rahmen für unsere Strategie entwickelt. Hierfür konnten wir schon früh die Zustimmung unseres Kuratoriums gewinnen und müssen heute nicht immer wieder in neue Detailabstimmungen gehen. Wir wenden die Prinzipien des UN Global Compact auf unsere Anlagen an und schließen damit unter anderem selbstverständlich verwerfliche Geschäftspraktiken wie Korruption und Kinderarbeit aus. Wir sind Anfang 2020 der Net-Zero Asset Owner Alliance beigetreten und wollen bis 2050 Net Zero sein. Inzwischen sind der AOA mehr als 60 große Asset Owner beigetreten mit Assets under Management von insgesamt über 10 Billionen Dollar.

Liegt der Fokus bei den ESG-Kriterien derzeit nicht einseitig auf dem E?

Anja Mikus: Aktuell haben wir sicherlich einen besonderen Fokus auf dem E und vor allem der Klimafrage. Die Zeit drängt bei dem Thema, und daher ist es auch gut, dass wir uns als Finanzmarktakteur um dieses Thema kümmern. Auf S achten wir natürlich auch, aber G halte ich fast für das Wichtigste. Wenn sich ein Management nicht dieser drängenden Themen annimmt, dann unternimmt es auch in unternehmerischer Hinsicht zu wenig. Das Management sollte immer der Treiber für die Kriterien aller drei Nachhaltigkeitsdimensionen sein.

Ulrich Gericke: Als HSBC müssen wir E, S und G gleichermaßen betrachten, Präferenzen sind nicht möglich. Wir finanzieren zum Beispiel Lieferketten. Diese müssen wir immer komplett durchdenken. Dabei spielen arbeits- und menschenrechtliche Fragen oft eine wichtigere Rolle als der Klimaschutz.

Wie screenen Sie potenzielle Investitionsziele?

Anja Mikus: Das Screening nach ESG-Kriterien funktioniert aktuell sehr gut bei den liquiden Anlagen. Hier können mithilfe der IT unsere Filter angesetzt und ermittelt werden, welche Erkenntnisse es zu welchen Nachhaltigkeitsaspekten bei welchen Unternehmen gibt. Bei illiquiden Anlagen nutzen wir Gespräche in der Due Diligence mit den Zielfondsmanagern, um zu ermitteln, welche ESG-Kriterien erfüllt werden.

Verena Kempe: Der KENFO investiert in den illiquiden Bereich zurzeit vorzugsweise über Fonds. Wir führen dabei immer eine spezielle Investitionsprüfung und Due Diligence im Bereich ESG durch. Um unsere Nachhaltigkeitsanforderungen umzusetzen, wenden wir marktübliche Instrumente an, die garantieren, dass der KENFO mit seinen Finanzmitteln nicht an ausgeschlossenen Geschäftstätigkeiten partizipiert und stattdessen Investmentstrategien umsetzt, die unseren Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen.

Thomas Bley: Wir haben einen zusätzlichen Überwachungsprozess eingebaut für den Fall, dass sich die ESG-Situation einer Anlage verschlechtert. Dabei fahren wir einen dezentralen Ansatz, um das Beste aus unterschiedlichen Ansätzen zu nutzen. Wenn ein Titel nicht einheitlich als investierbar von unseren Asset Managern angesehen wird, dann setzt sich bei uns ein ESG-Expertenkreis damit auseinander. Für solche Fälle gibt es drei Vorgehensweisen: Erstens, bei einem klaren Verstoß wird das Investment sofort ausgeschlossen. Zweitens, bei Unklarheiten oder fehlenden Informationen kommt der Titel auf die Beobachtungsliste und bleibt dort maximal sechs Monate. Drittens, kommen wir zu der Entscheidung, dass kein Verstoß vorliegt, bleibt das Investment im Portfolio.

Wie gestalten Sie als Investor Engagement?

Anja Mikus: Engagement betreiben wir über unsere mandatierten Asset Manager, die Engagement auch in unserem Namen zu den genannten Themen durchführen. Wir beschäftigen aktuell knapp 20 Asset Manager bei Aktien und Anleihen im börsennotierten Bereich, im nicht börsennotierten Bereich bereits mehr als 30 Fondsmanager. Unsere Stimmrechte werden anhand von Policies ausgeübt, die ESG-Aspekte berücksichtigen. Somit können wir sicherstellen, dass Anträge mit ESG-Bezug vom KENFO unterstützt werden.

Sonja Kimmeskamp: Bei HSBC haben wir verschiedene nachhaltigkeitsbezogene Richtlinien. Die Engagement Policy wirkt und greift global. Darin werden Regelungen zu Proxy-Voting, Hauptversammlungsaktivitäten und Engagement mit Unternehmen festgelegt. In die mehrstufige Engagement-Kommunikation werden auch der Analyst und der Portfoliomanager einbezogen. Diese sind für die Investitionsentscheidungen verantwortlich. Deshalb ist uns diese Kommunikation so wichtig. Auf der Scorecard des Analysten steht die feste Vorgabe, regelmäßig mit seinen Unternehmen zu kommunizieren.

Wie gehen Sie mit Unternehmen um, die sich bei ihren CO2-Emissionen transformieren?

Anja Mikus: Eine Vorgabe in unseren Anlagerichtlinien lautet „Best-in-Transition“. Das gilt beispielsweise für Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell glaubhaft von kohlebasierter Energie auf alternative Energien umstellen wollen. Leider wird in diese Unternehmen immer weniger investiert. Die Transformation alter, nicht nachhaltiger Geschäftsmodelle kostet die Unternehmen viel Geld. Hat ein Asset Manager aber einen glaubhaften Transformationskandidaten, dann darf er dennoch in ihn investieren, muss aber dazu berichten.

Sonja Kimmeskamp: Wir fahren die gleiche Strategie und analysieren, welche Unternehmen eine Transformationsstrategie haben. Unternehmen mit hoher Kohlenstoffintensität, die eine unternehmenseigene Net-Zero-Strategie definiert haben, sind investierbar, weil wir das Unternehmen in der Transformation eng begleiten und die Fortschritte regelmäßig überprüfen.

Wie bremsend oder befreiend bewerten Sie die Regulatorik mit ESG-Bezug für Investoren?

Anja Mikus: Auf die Asset-Management- Branche rollt wegen ESG jetzt zusätzlich einiges an Regulierung zu. Gleichzeitig hilft die Regulatorik, Klarheit bei den einzelnen Kriterien zu schaffen.

Ulrich Gericke: Die neue EU-Regulierung wird sich einpendeln, auch wenn die Sorge vor Überregulierung verständlich ist. Bei Bedarf kann der Gesetzgeber nacharbeiten. Wir alle müssen die Vorgaben zur Nachhaltigkeit noch schneller umsetzen, und die Zyklen müssen noch enger werden.

Lässt sich ESG auch in der SAA abbilden?

Patrick Busch: In der Asset Allocation besteht eine Herausforderung darin, dass wir zu einem großen Teil mit historischen Daten arbeiten. Bei Nachhaltigkeit ist die Datenlage noch dünn. Es gibt erst seit wenigen Jahren Daten zu den Auswirkungen von ESG-Kriterien in Portfolien. Wir versuchen, vorausschauende Bewertungen vorzunehmen. Bei Emissionswerten gucken wir, was die Abbaupfade einzelner Unternehmen im Portfolio sind und welche Effekte das für das Erreichen der Abbauziele des Portfolios hat. Wir alle müssen noch an den Grundlagen für die Messung der CO2-Intensität von Portfolios arbeiten. Ein Problem ist, dass sich der CO2-Footprint des Portfolios allein aufgrund der Preisänderung von Unternehmen ändern kann, ohne dass sich der eigene Anteil an einem Unternehmen geändert hat. Wir versuchen, künftig die CO2-Intensität in der SAA so zu berücksichtigen, dass wir auch auf reale Effekte Einfluss nehmen.

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