In den kommenden fünf Jahren werden Länder weltweit ihre Klimapolitik weiter verschärfen. Als Orientierungshilfe für die Märkte hat UN Principles for Responsible Investment (PRI) nun ein Update der Studie “Inevitable Policy Response” veröffentlicht.

Die Kapitalmärkte preisen politische Chancen und Risiken durch die Klimapolitik weiterhin nur unzureichend ein. Dabei wird die Politik weltweit tendenziell restriktiver – und die Pandemie hat diese Entwicklung eher noch einmal beschleunigt. Die US-Präsidentschaft von Joe Biden und Chinas avisierte Klimaneutralität im Jahr 2060 gehören zu den aktuellen Treibern dieses Trends. “Der Klimawandel wird zu erheblichen Verschiebungen des globalen Investitionsbedarfs führen”, heißt es im diesjährigen Update der “Inevitable Policy Response (IPR)“, die von UN Principles for Responsible Investment (PRI) angeschoben wurde. Die Studie umreißt, welche politische Maßnahmen wann und wo wahrscheinlich in Kraft treten werden.

“Die Finanzmärkte sind aktuell nicht ausreichend auf die wahrscheinliche politische Reaktion auf den Klimawandel vorbereitet”, lautet die Warnung an institutionelle Investoren. Szenarien zu Energieerzeugung und Klimazielen basieren zumeist auf “Business-as-usual”-Trends oder lassen erwarten, dass politische Maßnahmen reibungslos und gut koordiniert implementiert werden. Dabei herrscht unter Anlegern eigentlich der Glaube vor, dass die politische Reaktion abrupt und disruptiv sein wird.

Die Verpflichtungen zur CO2-Neutralität, die sich seit der Pandemie verdoppelt haben, lassen insbesondere zwischen 2023 und 2025 einige Verschärfungen erwarten. Die Politik wird damit für erhebliche Verschiebungen des globalen Investitionsbedarfs sorgen. Chancen und Risiken werden sich über Sektoren hinweg und innerhalb von Sektoren verlagern.

Insgesamt wurden für das Update 21 Ländern untersucht, die für vier Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung und den Großteil der weltweiten Emissionen stehen. Untersucht wurden acht Politikfelder. Eines davon ist CO2-Bepreisung. Die Anzahl der Volkswirtschaften, die den CO2-Ausstoß bepreisen, wird der Untersuchung zufolge 2030 viermal so hoch sein wie heute. Dann werden mehr als 75 Prozent der globalen Emissionen abgedeckt sein. Viele dieser Systeme werden Preisuntergrenzen einführen. Für das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) etwa werden 75 US-Dollar erwartet. Die Experten von IPR halten es zudem  für möglich, dass auch die USA schon 2023 ein nationales Preissystem festlegen könnten, wahrscheinlicher aber in 2025.

Sinkende Waldrodung

Für China wird prognostiziert, dass der Bau neuer Kohlekraftwerke nach 2025 eingestellt wird, angetrieben durch neue politische Maßnahmen zur Erreichung des Netto-Null-Ziels für 2060 und die laufende Marktliberalisierung. Für die USA wird indes erwartet, dass die gesamte Kohleverstromung bis 2030 eingestellt wird.

Alle großen Industrieländer – darunter die USA, Deutschland, Japan und China – werden bis 2040 neue Industrieinvestitionen, vor allem in den Segmenten Stahl und Zement, durch eine Kombination aus Emissionsstandards und CO2-Preisen kohlenstoffarm gestalten.

Zudem werden Landnutzungsreformen die Landwirtschaft umgestalten und dürften der weltweiten  Abholzung innerhalb eines Jahrzehnts ein Ende setzen. Von Ländern mit geringer Abholzung wird erwartet, dass sie bis 2025 die gesamte Abholzung beenden und die Aufforstung in großem Umfang durch umfassende Schutzgebiete und Zahlungen für Ökosystem-Leistungen fördern.

Die Rodung der großen Tropenwälder, darunter in Brasilien, wird bis 2030 beendet sein, da die Regierung auf den Druck der internationalen Kreditgeber und Unternehmen reagieren muss, so die Erwartung.

Verbrennungsmotoren werden Geschichte

Es wird auch erwartet, dass die USA, Kanada, Australien und andere große Agrarproduzenten bis 2025 über umfassende Klimaschutzmaßnahmen verfügen werden, um die Emissionen aus Ackerbau und Viehzucht zu reduzieren.

Rund 51 Prozent der untersuchten Märkte werden zudem Richtlinien implementieren, die den Verkauf von Autos und Kleintransportern mit fossilen Brennstoffen verbieten. In China, Frankreich, Deutschland, Italien und Korea wird der Verkauf von solchen Fahrzeugen im Jahr 2035 eingestellt, was den Übergang der globalen Autoindustrie zum Elektroantrieb beschleunigt und weitere politische Maßnahmen auf internationaler Ebene auslöst, so die Prognose.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »