Der Druck auf Unternehmen steigt, in Sachen Umwelt mit offenen Karten zu spielen. Die Nichtregierungsorganisation CDP verfolgt das Ziel, mehr Transparenz zu schaffen, erläutert Maxfield Weiss, Executive Director in Europa.

“Als wir vor 20 Jahren begannen, uns für die Offenlegung von Umweltdaten stark zu machen, waren wir Pioniere”, blickt Maxfield Weiss, Executive Director Europe von CDP, zurück. Viele der inzwischen etablierten Standards gehen auf die Arbeit der Organisation zurück, die 2000 als “Carbon Disclosure Project” gegründet wurde, inzwischen aber als CDP firmiert, um der gewachsenen Komplexität der Umweltdaten über den CO2-Fußabdruck hinaus gerecht zu werden. Die Nichtregierungsorganisation will die Transparenz bei Treibhausgasemissionen, Wasser- und Waldschutz im Unternehmenssektor erhöhen. So werden mittlerweile auch Angaben hinsichtlich der Abholzung von Wäldern sowie der Gefährdung der Wassersysteme erhoben.

Auch dank der Arbeit des CDP ist es längst Mainstream geworden, dass Firmen die Auswirkungen ihrer unternehmerischen Aktivitäten auf die Umwelt offenlegen und dass dies inzwischen in der DNA vieler Organisationen verankert ist, so die Überzeugung von Weiss.

CDP: Transparenz in Sachen Umwelt

Für Investoren ist die transparente Berichterstattung wichtig, um die eigenen Verpflichtungen in puncto ESG erfüllen zu können und Portfolios entsprechend zu steuern. Konkret benötigen die Finanzmarktteilnehmer hierfür Daten, die konsistent, vergleichbar und umfassend sind. Um dies zu ermöglichen und sie bei der Festlegung und Erreichung ihrer eigenen Netto-Null-Ambitionen zu unterstützen, erwarten sie, dass sich Unternehmen vollständig an die TCFD-Standards zur Offenlegung und Berichterstattung von Umweltdaten halten. Denn schließlich könne nur gemanagt werden, was auch messbar sei. “So wird es möglich, sich für eine Netto-Null-Zukunft zu wappnen”, sagt Weiss.

Insgesamt repräsentiert das CDP inzwischen über 590 Asset Manager und institutionelle Investoren aus der gesamten Welt, die insgesamt ein Vermögen von 110 Billionen US-Dollar verwalten.

Bildquelle: CDP

Die Sorge, dass die Pandemie die Transparenzfreude der Stakeholder dämpfen würde, erwies sich als unbegründet: 2020 war ein Rekordjahr in Sachen Offenlegung. Mehr als 10.000 Organisationen weltweit haben Daten über das CDP veröffentlicht. Dazu gehören über 9.600 Unternehmen, die mehr als 50 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ausmachen, sowie über 940 Städte, Staaten und Regionen, die zusammen eine Bevölkerung von über 2,6 Milliarden Menschen repräsentieren.

“Die Wahrnehmung hat sich durchgesetzt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Wirtschaft, der Gesundheit der Umwelt und der Gesundheit der Gesellschaft gibt”, betont Weiss.

CDP spricht Unternehmen gezielt an

Auf die Unternehmen, die ihre Umweltdaten noch nicht transparent machen, erhöht die Initiative zunehmend den Druck. Insgesamt 168 Investoren mit über 17 Billionen US-Dollar Assets under Management haben im Rahmen einer CDP-Kampagne im Sommer 2021 rund 1.320 Unternehmen aus 51 Ländern direkt angesprochen.

Die Erfahrung habe zeigt, dass Unternehmen ihre Umweltauswirkungen eher offenlegten, wenn sie direkt dazu aufgefordert werden, so die Erfahrung des CDP. Die adressierten Unternehmen haben eine weltweite Marktkapitalisierung von über 28 Billionen US-Dollar. Zusammen stoßen sie jährlich Schätzungen zufolge mehr als 4.700 Megatonnen Kohlendioxidäquivalent (CO2e) aus.

Auf der Liste stehen deutsche Firmen wie Hellofresh oder Fraport, aber auch globale Unternehmen wie Netflix, Alibaba, Rio Tinto und Prada.
Bei Unternehmen befeuere der Druck der Anleger zudem ein Umdenken, ist Weiss überzeugt. So haben nur rund 40 Prozent der Firmen im ersten Jahr der Offenlegung Emissionsziele definiert. Nach drei Jahren verfügen indes fast drei Viertel der Berichterstatter nicht nur über konkrete Zielvorgaben, sondern haben auch eine konkrete Strategie dafür definiert.

Konsistente und vergleichbare Daten

“Das Engagement der Investoren ist entscheidend, um die Offenlegung voranzutreiben. Transparente Berichterstattung ist der erste Schritt zu Umweltmaßnahmen. Klimawandel, die Abholzung von Wäldern und die Gefährdung der Wassersysteme stellen wesentliche Risiken für Investoren dar. Deswegen riskieren diejenigen Unternehmen, die ihre Auswirkungen nicht offenlegen, beim Zugang zu Kapital hinter ihren Wettbewerbern zurückzubleiben”, betont Laurent Babikian, Director Capital Markets bei CDP Europe.

Am Kapitalmarkt habe sich CDP als Goldstandard etabliert. Längst wurden Indizes, basierend auf CDP-Daten, konzipiert. Amundi nutzt erstmals CDP-Temperaturdaten zur Steuerung von vier Nachhaltigkeitsfonds.

2020 haben es 277 Firmen in die begehrte A-Liste im Klimaschutz geschafft. 16 Firmen schafften es in die A-Liste beim Waldschutz, und 106 Unternehmen sind Vorreiter beim Schutz der Wassersysteme. Nur zehn Unternehmen gelang es, gleich in allen drei Kategorien in die A-Liste aufgenommen zu werden, darunter Danone und L’Oréal. Insgesamt ergatterten nur 8 Prozent der europäischen Unternehmen einen Platz unter den Besten, das sind insgesamt 137 Unternehmen. Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen aber auch die europäische Dominanz in Sachen Umweltschutz. So tummeln sich auf den A-Listen zu rund 40 Prozent europäische Namen. Es folgen Japan (20 Prozent) und die USA (18 Prozent). Vertreten sind die verschiedensten Branchen von der Finanz industrie über die Lebensmittel- und die Elektrotechnik- bis hin zur Chemiebranche.

Aktienindizes nicht auf Paris ausgerichtet

Es gibt aber noch reichlich Luft nach oben in der Datengrundlage an den Kapitalmärkten: Keiner der großen Aktienindizes der G7-Länder ist auf die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Temperaturziele ausgerichtet, hat eine Analyse von CDP und der “Science Based Targets Initiative” (SBTI) ergeben.

Im Schnitt bilden sie einen Temperaturpfad von 2,95 Grad ab, was vor allem dem Anteil von fossilen Brennstoffen im derzeitigen Unternehmensmix der Indizes geschuldet ist.

Städte und Gemeinden gefordert

Neben dem privaten Sektor fordert das CDP auch Städte und Gemeinden auf, umweltrelevante Daten preiszugeben. Im vergangenen Jahr haben es 88 Städte in die A-Liste geschafft, davon 33 in Europa. Sie verfügen sowohl über konkrete Zielsetzungen beim Umweltschutz als auch über Pläne zur Anpassung an den Klimawandel.

Damit die Pläne auch umgesetzt werden können, hat CDP das Matchmaker Program ins Leben gerufen. Denn allein in der Europäischen Union fehlen hohe Milliardenbeträge, um die Investitionslücke für klimaresiliente Infrastrukturprojekte zu schließen. Insgesamt arbeitet die Initiative hierfür mit 810 Städten in der ganzen Welt zusammen.

Lesen Sie mehr zu Thema in der Sonderbeilage Green Finance in der dpn-Ausgabe August – September 2021.

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