Impact Investing befindet sich in Deutschland noch in der Pionierphase, doch das Interesse der Investoren wächst kontinuierlich. Ein Gespräch mit Dina Lorentz, Vorstandsmitglied der Bundesinitiative Impact Investing, und Jeremy Golding, Gründer von Golding Capital Partners.

Laut der Marktstudie 2020 der Bundesinitiative Impact Investing e. V. (Biii) summierte sich der deutsche Markt für „Impact Investments im engeren Sinne“ im vergangenen Jahr auf 2,9 Milliarden Euro. Im engeren Sinne schließt dabei Impact-First und Finance-First-Strategien ein, nicht jedoch ESG-Investments oder Socially Responsible Investments (SRI).

Insgesamt entfielen 62 Millionen Euro auf Impact-First Strategien, die vorrangig auf soziale oder ökologische Erträge fokussieren und erst an zweiter Stelle auf finanzielle Rendite. Finance-First Ansätze wiederum, die vor allem auf finanzielle Rendite setzen – jedoch ausdrücklich kombiniert mit sozialen und / oder ökologischen Ertragserwartungen – erreichten 2,8 Milliarden Euro. Diese Zahlen sollten laut Biii allerdings als Mindestwerte verstanden werden, da einige relevante Player nicht an der Umfrage teilgenommen haben, teils auch aufgrund der Covid-19-Situation.

Ein großer Marktanteil entfällt dabei auf Stiftungen und Family Offices, sagt Dina Lorentz, Schatzmeisterin der Biii. Diese beiden Investorengruppen tätigten rund ein Viertel (750 Millionen Euro) aller Anlagen. Banken (1 Milliarden Euro) und Asset Manager (823 Millionen Euro) haben im Impact Investing stark aufgeschlossen und halten nun große Anteile – sind allerdings vor allem in den Finance-First Ansätzen zu finden.

Unter den bestehenden Kunden dürften rund ein Fünftel in den kommenden 24 Monaten ein Impact-Produkt zeichnen, erwartet Jeremy Golding, Gründer und Geschäftsführer von Golding Capital Partners. „Der Zug nimmt Fahrt auf“, sagt Golding. Rund 16 Prozent seien bereits investiert. Ein ganz klares Bild zeichnet sich bei Kunden zum Thema ESG ab. Dies sei inzwischen bei nahezu allen Kunden fest verankert.

Impact Investing: Eine Frage der Definition

Der Verband definiert Impact Investing oder zu Deutsch wirkungsorientiertes Investieren als einen Ansatz, der über die ausschließliche Orientierung an Rendite und Risiko hinausgeht. Dabei könne die Rendite durchaus unter Marktniveau liegen, räumt Lorentz ein. Wichtig ist die Intentionalität, Additionalität, Messbarkeit und Transparenz. Damit geht Impact Investing  über die ESG- und SRI-Ansätze hinaus.

Wurde der Markt anfangs vor allem auf Private Equity beziehungsweise Venture Capital reduziert, ist das Investment-Universum inzwischen deutlich vielfältiger. So seien Public Equity, Private und Public Debt und Real Assets längst weit verbreitet.

Das meiste Geld fließt dabei laut Biii in drei der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs): Gesundheit und Wohlergehen (SDG 3), Bezahlbare und saubere Energie (SDG 7) sowie Nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11).

 

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