Weltweit wurden 2020 grüne Anleihen und Darlehen im Wert von über 268 Milliarden US-Dollar begeben. Laut Franklin Templeton ist die Region Europa, Naher Osten und Afrika hierbei führend.

Der europäische Markt für grüne Anleihen hat von der Unterstützung vieler europäischer Regierungen und Institutionen profitiert. So sind etwa 30 Prozent des Coronavirus-Unterstützungsfonds der Europäischen Union  – 750 Milliarden Euro – für die Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels vorgesehen, sagt David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton. Auch der siebenjährige Haushaltsplan der EU sieht 1 Billionen Euro für diesen Zweck vor.

So will die Europäische Kommission will die Dekarbonisierung der Wirtschaft vorantreiben. Bis 2050 sollen die Netto-Treibhausgasemissionen der Gemeinschaft bei Null sein, lautet das Ziel. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen empfahl zudem, grüne Anleihen über 225 Milliarden Euro zur Unterstützung grüner Initiativen auszugeben. Sollten die Mitgliedstaaten dem zustimmen, würde dies die Position Europas als führender Emittent grüner Anleihen festigen, sagt Zahn.

Auch von Seiten der Europäische Zentralbank (EZB) kommt Unterstützung für den Markt für grüne Anleihen. Ende 2019 hielt die Bank fast ein Viertel der zulässigen, vom öffentlichen
Sektor im Euroraum begebenen grünen Anleihen. Auch ein Fünftel der zulässigen grünen Unternehmensanleihen waren in ihrem Besitz. Die Präsidentin der EZB Christine Lagarde hat Umweltfragen zudem zu einem wesentlichen Bestandteil der Geldpolitik gemacht. Besonderer Fokus liegt auf dem Klimawandel. Laut Zahn deutet dieses Engagements darauf hin, dass dass die EZB weiterhin bereitwillig grüne Anleihen kaufen wird.

EU-Länder begeben grüne Anleihen

Deutschland hat im September 2020 erstmals eine zehnjährige grüne Staatsanleihe in Höhe von 6,5 Milliarden Euro begeben und verzeichnete hierfür eine Rekordnachfrage. Weitere Papiere werden folgen. So beabsichtigt Berlin, eine Zinsstrukturkurve für grüne Anleihen ins Leben zu rufen: Zusätzliche zwei-, fünf- und dreißigjährige Titel sollen folgen. Die Schaffung einer Benchmark-Kurve für grüne  Anlagen ist laut Zahn ein wichtiger Schritt, damit Anleger grüne Anleihen freier handeln können.

Aber auch andere EU-Mitgliedsstaaten begeben grüne Papiere. So sorgen auch Neuemissionen aus Belgien und Litauen, laufende Emissionen aus Frankreich und Polen sowie anstehende Emissionen aus Schweden, Italien und der EU dafür, dass der Markt in der EU an Breite und Tiefe gewinnt.

Varianten umweltbewusster Anleihen

Green Bonds sind ähnlich strukturiert wie traditionelle Anleihen, werden aber zur Finanzierung von verschiedensten Umweltprojekten eingesetzt. Beispiele sind erneuerbare
Wind- oder Solarenergie, Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltverschmutzung, Wassermanagement oder auch ein sauberes Transportwesen. Sie zahlen somit auf die ESG-Ambitionen eines institutionellen Investors ein.

Aber es gibt auch andere Anlageformen, die als umweltbewusst beschrieben werden. Klimaschonende Anleihen sind eine Kategorie. Die Climate Bond Initiative (CBI) hat ein Label erstellt für solche Anleihen, die der internen Methodik der CBI entsprechen. Die Initiative ermittelt zulässige Sektoren und fordert, dass Projekte in diesen Sektoren den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens entsprechen.

Anleger müssen dabei beachten, dass nur solche grünen Bonds als klimaschonend gelten, die mit dem Ziel einer Erderwärmung von maximal 2 °C übereinstimmen, wie im Pariser Abkommen verankert. Grüne Anleihen, die zwar einen Beitrag zur Verringerung von Emissionen oder zur Steigerung der Energieeffizienz leisten, aber für die diese Messgröße nicht vereinbart wurde, gelten nicht als klimaschonend.

Eine weitere Variante von umweltbewussten Anleihen sind so genannte Energiewendeanleihen. Sie werden von Unternehmen begeben, die ihre CO2-Emissionen und Umweltauswirkungen verringern möchten. Dieses Instrument gilt jedoch als kontrovers. Wichtigstes Gegenargument laut Franklin Templeton: Organisationen sollten beweisen, dass sie die Wende wirklich wollen, damit das Instrument von Anlegern gut aufgenommen wird.

 

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