Dr. Henrik Pontzen und Eberhard Glöckner bewerten die Zufriedenheit von Großanlegern mit ESG-konformen Investitionen

Immer mehr institutionelle Investoren setzen in ihrer Anlagepolitik auf Nachhaltigkeitsstrategien. Die Corona-Krise stellte einen Stresstest für solche Strategien dar. Doch zeigt eine Untersuchung von Union Investment, dass sich eine Aktienselektion nach Nachhaltigkeitskriterien selbst in ausgeprägten Marktverwerfungen auszahlen kann.

Der Großteil der institutionellen Investoren in Deutschland hat erkannt, dass sich der Verzicht auf nachhaltige Anlagestrategien nicht auszahlt. Dies gilt für das von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020 besonders. Denn nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sind krisenfester als der Durchschnitt. So verwundert es nicht, dass immer mehr Anleger Nachhaltigkeitskriterien in ihrer Anlagestrategie berücksichtigen.

Eine von Union Investment jährlich durchgeführte Studie zeigt, dass inzwischen 80 Prozent der Großanleger nachhaltig investieren. Basis der Umfrage waren 166 Großanleger mit einem verwalteten Vermögen in Billionenhöhe. Dabei zeigte sich, dass es eine hohe Zufriedenheit der Investoren mit Investitionen nach ESG-Kriterien (ESG: Environmental, Social und Governance) gab, was auch auf deren Performance zurückzuführen ist. Lediglich zwei von jenen 130 Befragten, die nachhaltig und konventionell investieren, gaben an, dass die Rendite ihrer nachhaltigen Kapitalanlage im Vergleich zu konventionellen Portfolios schlechter gewesen sei. Bei zwölf Prozent entwickelte sich die Rendite allerdings deutlich besser. In Bezug auf das Risiko ihres nachhaltigen Portfolios sahen 25 Prozent hier deutliche Vorteile. Bei jeweils rund der Hälfte der Investoren zufolge haben das nachhaltige und das konventionelle Portfolio bezüglich Performance (59 Prozent) und Risiko (46 Prozent) ähnlich abgeschnitten.

Nachhaltiger Umbau mischt die Karten neu

Einig sind sich die Investoren hierzulande in einem wichtigen Punkt: Der nachhaltige Umbau der Wirtschaft wird die Karten neu mischen und neue Chancen und Risiken für die Kapitalmärkte mit sich bringen. Nicht alle Branchen und Geschäftsfelder weisen dabei gleich große Chancen auf. Überdurchschnittliches Potenzial für nachhaltige Investments sehen die deutschen Großanleger vor allem im Energiesektor (95 Prozent) sowie im Transport- und Mobilitätssektor (93 Prozent). Vor allem stehen die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken und Chancen im Fokus der Investoren. 92 Prozent sind überzeugt, dass die Klimarisiken an den Kapitalmärkten noch nicht angemessen bepreist sind.

Somit ist klar: Nachhaltigkeit ist ein langfristiges Thema und wird in der Anlagestrategie unabdingbar bleiben. Aus Sicht der Wertentwicklung muss dies keineswegs von Nachteil sein. Eine Studie des Portfoliomanagements von Union Investment zeigt, dass sich Aktien von nachhaltig agierenden Unternehmen bereits in früheren Abschwungphasen besser als der breite Markt entwickelt haben.

Schon rein intuitiv lassen sich verschiedene Gründe für eine größere Widerstandsfähigkeit jener Firmen finden. Unternehmen, die sich in Bezug auf die Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (auf Englisch: Environmental, Social, Governance, kurz: ESG) besonders hervortun, können mehr als „nur“ Geld verdienen. Genau das macht ihr Geschäftsmodell – gerade in Krisenzeiten – noch robuster.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Beitrag der beiden Autoren im Buch „bAV 2021 – Assets & Liabilities – die zwei Seiten einer Medaille im Pensions-Management“, herausgegeben von Guido Birkner und hier bestellbar.

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