Bernhard Grünäugl von BayernInvest erläutert die Rollen von ESG und der Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen für die Träger.

Die BayernInvest, der Asset Manager der BayernLB, ist ein Vorreiter bei nachhaltigen Investmentstra­tegien für Pensionseinrichtungen. Bernhard Grünäugl leitet das Nachhaltigkeitsteam innerhalb des Portfoliomanagements. Im Gespräch mit Guido Birkner erläutert er, welche Rollen ESG und die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen für die Träger spielen.

Dass Nachhaltigkeit Rendite kostet, hören wir zunehmend weniger. Vielmehr öffnen sich immer mehr Pensionswerke diesem Thema und fordern es auch von uns ein.“ Bernhard Grünäugl, Head of Investment Strategy & ESG bei BayernInvest, sieht seit gut zwei Jahren eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Anlagestrategien betrieblicher Versorgungswerke. „Den Investoren stehen weiterhin ein breites Anlageuniversum im liquiden Bereich und ein wachsendes Angebot im illiquiden Bereich zur Verfügung. Nachhaltigkeit bedeutet also nicht zwangsläufig Einschränkungen bei Investments.“ Vielmehr müsste sich jeder Investor individuell entscheiden, wie er Nachhaltigkeitsaspekte in seine Anlagestrategie einbauen wolle.

Strategie und Volkswirtschaft

Grünäugl verantwortet bei der BayernInvest alle top-down-strategischen Themen und volkswirtschaftlichen Fragestellungen innerhalb des Portfoliomanagements – von der Makroanalyse bis zur Nachhaltigkeit, von der Portfoliokonstruktion gemäß einer Strategischen Asset Allocation bis zur Implementierung neuer Investmentstrategien. Seit 2018 ist der Makro-Experte bei BayernInvest tätig.

BayernInvest wurde 1989 als 100-prozentige Tochter der BayernLB gegründet. Innerhalb des Konzerns der BayernLB fungiert die Gesellschaft als Spezialist für das institutionelle Asset Management, und das sowohl als Asset Manager als auch als Master-KVG. Das verwaltete Vermögen der BayernInvest beläuft sich auf rund 105 Milliarden Euro, für rund 34 Milliarden Euro davon verantwortet die BayernIn­vest auch das Management der Anlagen. Das Team des Asset Managers für das Portfoliomanagement besteht aus etwa 30 Köpfen, davon gehören sechs Personen dem Strategie- und Nachhaltigkeitsteam um Bernhard Grünäugl an.

Grünäugl und sein Team arbeiten unter anderem für DAX-Konzerne, Stiftungen und Versorgungswerke. „Wir begleiten unsere Kunden als strategischer Berater in der Portfoliokonstruktion“, so der Volkswirt. Das Leistungsportfolio umfasst auch ALM- und SAA-Studien. Vor allem managt BayernInvest Pensionsgelder. „Insbesondere mit Blick auf die zu finanzierenden Verbindlichkeiten im Rahmen von Pensionsverpflichtungen gilt es, die Portfoliokonstruktion und das benötigte Anlagevolumen auf die ökonomischen und bilanziellen Aspekte der Passivseite auszurichten und Abweichungsrisiken bewusst einzugehen.“ Unter Risiko-Ertrags-Aspekten sollte dabei gezielt in ein breites Anlagespektrum investiert werden, um einen positiven Beitrag zu erwirtschaften und die Pensionsverpflichtungen abzusichern.

Hoher Ausfinanzierungsgrad

Ein hoher Ausfinanzierungsgrad bei den Pensionsverpflichtungen hat aus Sicht von Grünäugl den Vorteil, dass das Trägerunternehmen weniger Risiken in der Bilanz stehen hat. „Wir leben in einer Zeit, in der die Zinsen immer weiter sinken, wodurch der Barwert der Pensionsverpflichtungen steigt und das Eigenkapital in der Bilanz geschmälert wird.“ Zudem gilt: Je geringer der Ausfinanzierungsgrad bei Pensionsverpflichtungen ist, desto mehr muss ein Unternehmen die Pensionsverpflichtungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb bedienen. Deshalb: „Wenn ich meine Assets in der Ausfinanzierungsphase so anlege, dass ich meine laufenden und zukünftigen Pensionsverpflichtungen möglichst gut und rasch bedienen kann, habe ich einen größeren operativen Spielraum und weniger Risiken in der Bilanz.“

Aktuell gehen viele Unternehmen nach Einschätzung von Grünäugl von tendenziell steigenden Zinsen und in der Folge von leicht sinkenden Pensionsverpflichtungen aus. „Deshalb können sie derzeit mit einer gewissen Unterausfinanzierung gut leben.“ Trotzdem habe die leidvolle Erfahrung des Zinsniedergangs in den vergangenen Jahren bei manchem Unternehmen den Wunsch geweckt, die Risiken in der eigenen Bilanz durch eine höhere Ausfinanzierung nicht zu groß werden zu lassen. „Unser Basisszenario ist weiterhin ein Niedrigzinsumfeld, eine echte Zinswende ist nicht in Sicht.“ Auch die Ertragsaussichten der Anlageklassen sinken in diesem Umfeld tendenziell. Deshalb sei es sinnvoll, die Ausfinanzierung graduell nach oben zu fahren.

Dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet

Die BayernLB – und mit ihr alle Konzern­gesellschaften – hat Nachhaltigkeit seit langem im Geschäftsbetrieb verankert. Die Unterzeichnung des UN Global Compact ist für Bernhard Grünäugl daher die logische Konsequenz dessen, was die Bank von ihren Kunden und ihren investierten Unternehmen fordert, nämlich Compact-compliant zu handeln. Auch hat die BayernInvest die UN PRI unterzeichnet.

Entsprechend definiert die BayernInvest ihren Nachhaltigkeitsansatz in der Kapitalanlage auch über die ESG-Kriterien. „Wir wollen in allen drei Säulen stark sein, doch die Säule E hat derzeit den stärksten Einfluss auf die Kapitalanlage“, sagt der diplomierte Volkswirt. Die BayernInvest hat sich verpflichtet, ihren Geschäftsbetrieb bis 2022 klimaneutral aufzustellen. Selbst gemanagte Portfolios sowie die damit verbundene Kapitalanlage sind bis 2025 in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen zu bringen. Auch in den Säulen S und G will sich die BayernInvest entsprechend fokussieren und positionieren. „Für die Säule G setzt die Global Compact Compliance einen Mindeststandard“, sagt Bernhard Grünäugl. „Darüber hinaus haben wir uns selbst dazu verpflichtet, zum Beispiel nicht mehr in tabakproduzierende oder tabakhandelnde Unternehmen oder in andere kritische Anlagen zu investieren.“

Die Nachhaltigkeitsstrategie der BayernInvest setzt sich aus drei Schritten zusammen. Der erste Schritt umfasst Ausschlusskriterien mit Mindeststandards, die die Portfolios zu erfüllen haben. Der zweite Schritt ist die positive ESG-Integration, also die gezielte Titelselektion unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Der dritte Schritt ist das Engagement. „Hier stehen wir im Austausch mit den Unternehmen, in die wir investieren“, sagt Bernhard Grünäugl. „Bei Ausschlüssen gehen wir moderat vor, weil wir die Transformation der Wirtschaft erreichen wollen, indem die Unternehmen die Nachhaltigkeitsthemen angehen.“ Grundsätzlich gestaltet BayernInvest nachhaltige Strategien für ihre Kunden individuell. „Je nach Schwerpunkt auf Impact oder anderen Ansätzen sind die Strategien mal fokussierter, mal breiter angelegt.“

Grünäugl ist davon überzeugt, dass es der bessere Weg ist, Unternehmen bei ihrer Transformation zu unterstützen. „Wenn wir solche Unternehmen von Finanzierungen abschneiden, würden wir nur mehr Stranded Assets erzeugen.“ Das Thema Klimaschutz habe seit 2019 bei institutionellen Investoren, bei Regulierern und Notenbanken stark an Fahrt aufgenommen, und die Dynamik setzt sich in den nächsten Jahren voraussichtlich fort. „Deshalb wird sich die Schere zwischen den Unternehmen, die bereits Klimaziele umsetzen und davon am Kapitalmarkt profitieren, und denen, die sich nicht transformieren wollen, im Hinblick auf Renditeaussichten und die Performance weiter öffnen.“

ESG-konforme Investmentstrategie

Wie geht die BayernInvest bei der Entwicklung einer ESG-konformen Investmenstrategie vor? Unternehmen sollten ihr Produktportfolio grundsätzlich nachhaltig aufstellen. Gleichzeitig sollten sie einen wissenschaftlich fundierten Plan haben, wie sie nachhaltig ihren CO2-Ausstoß reduzieren. Ein wichtiges erstes Ziel auf der Investmentseite ist, die CO2-Intensität des Portfolios bereits kurzfristig zu reduzieren. „So bringen wir die investierten Unternehmen dazu, sich klimafreundlicher auszurichten“, erklärt Grünäugl. „Dabei nehmen wir uns die Vorgaben der EU zu Paris-abgestimmten Benchmarks als Start der weiteren Analyseebenen vor.“

Auf eine Reduktion der CO2-Intensität im Portfolio kann die Dekarbonisierung des Portfolios als nächstes Ziel folgen. „Das erfordert, die investierten Unternehmen fortlaufend zu analysieren, um solche Gesellschaften zu identifizieren, die Hand in Hand mit der gebotenen Investmenstrategie gehen.“ Die fortlaufende Dekarbonisierung ist ein wichtiger Bestandteil der Strategie, um zukünftig im Einklang mit den Pariser Klimazielen zu stehen. Dafür benötigen Grünäugl und sein Team die erforderlichen Daten, IT-Systeme und personellen Ressourcen. „Nur so können wir in einem Portfolio die benötigte Transparenz herstellen, um eine nachhaltige Investmentstrategie umzusetzen.“ Das Reporting schließt den Kreis und stellt die erforderliche Transparenz sicher.

Liquide und illiquide Assets

BayernInvest ist vor allem im liquiden Bereich engagiert, in Aktien, Unternehmensanleihen sowie allgemein im Rentenmarkt. „Auch im illiquiden Bereich kommen wir gut voran“, sagt Grünäugl. „Wegen des Niedrigzinses wandern immer mehr Kunden in den illiquiden Markt ab, weshalb wir dort steigende Allokationsquoten und eine wachsende Nachfrage nach Nachhaltigkeit sehen.“

„Illiquide Anlagen erzeugen häufig einen unmittelbaren Impact, weil sie direkt frisches Geld zur Verfügung stellen“, so der Makro-Experte. Schwieriger sei ein Impact im Aktien- und Unternehmensanleihen-Sekundärmarkt zu argumentieren. Die CO2-Intensität eines Unternehmens reduziere sich nicht einfach durch den Kauf einer Aktie oder einer Anleihe am Sekundärmarkt. „Natürlich kann ein Investor einen Anreiz für ein investiertes Unternehmen setzen, indem er darin investiert – oder auch nicht. Doch die Verknüpfung zu Engagement ist an dieser Stelle wichtig.“

Sustainability-Linked Bonds eröffnen nach Ansicht von Grünäugl einen direkten Link zwischen der Transformation eines Unternehmens und seiner Investment-Strategie. So lassen sich die Finanzierungskosten des Unternehmens direkt mit Nachhaltigkeitszielen verknüpfen. „Darüber habe ich als Asset Manager und Investor einen unmittelbaren Bezug zwischen Investition und Nachhaltigkeitszielen.“

ESG in der Strategischen Asset Allocation

ESG-Themen lassen sich auch in die Strategische Asset Allocation integrieren. Schwieriger sei das im Asset-Liability-Management, weil die Risiken auf der Asset- und der Liability-Seite verschieden seien, so Grünäugl. „Die Pensionsverbindlichkeiten sinken nicht automatisch, wenn Nachhaltigkeitsrisiken schlagend werden.“ Die Kapitalanlage in Pensionswerken sei aber von Natur aus langfristig, wie auch das Thema Nachhaltigkeit. „Wir müssen uns in der Strategischen Asset Allocation natürlich Gedanken darüber machen, wie der Klimawandel die Renditen einzelner Asset-Klassen beeinflussen wird.“ Neben der Berücksichtigung in den Renditeerwartungen einzelner Anlageklassen unterzieht BayernInvest institutionelle Portfolios immer auch einem Stresstest. Hier lassen sich für die Anlageportfolios – und in der Verknüpfung mit den ökonomischen Aspekten der Pensionsverpflichtungen – verschiedene Risikoszenarien simulieren, über die sich auch die mögliche Auswirkung von Nachhaltigkeit errechnen lässt.

Hat sich ein Investor dann für eine bestimmte Strategische Asset Allocation entschieden, geht es für Grünäugl und sein Team in die Umsetzung der einzelnen Asset-Klassen am Kapitalmarkt. „Dann schauen wir zum Beispiel bei Aktien, welche Strategie wir für die SAA anwenden.“ Eine Klimastrategie mit oder ohne Dividendenfokus, strenge oder weniger restriktive Ausschlusskriterien – es bieten sich zahlreiche Möglichkeiten an. „Gerade in liquiden Anlagen wie Aktien oder bei Unternehmensanleihen kann ich Nachhaltigkeitskriterien am besten in die SAA einfließen lassen.“

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