Über Nachhaltigkeit im Pensionsfonds für die Altersversorgung der Beamten des Landes Sachsen-Anhalt und die COVID-19-Krise sprach Guido Birkner mit dem Head of Treasury des Referats für Geld- und Kapitalmarktgeschäfte im Finanzministerium Edgar Kresin.

Herr Kresin, wie wichtig ist Nachhaltigkeit im Sinne der ESG-Kriterien für die Asset Allocation im Pensionsfonds?

Edgar Kresin: Mit unserer Anlagepolitik unterstützen wir die 17 UN Sustainable Development Goals und orientieren uns auch an allen Zielen und Verträgen der Bundesrepublik und des Landes Sachsen-Anhalt inklusive des UN Global Compact. Dies stellen wir dadurch sicher, dass wir einen Dritten beauftragt haben, über Dialoge mit den in unserem Wertpapierportfolio befindlichen Unternehmen auf eine Entwicklung im Sinne dieser genannten Ziele hinzuwirken. Natürlich sind Ausschlüsse nicht generell tabu, aber Engagement steht hier klar vor De-Investment. Kurz gesagt: Wir wollen, dass Unternehmen sich verbessern, und glauben, hierzu als Investor mit den Unternehmen im Dialog bleiben zu müssen.

Durch diesen Ansatz können wir die in den Landtagsfraktionen vorzufindenden unterschiedlichen Ziele für Nachhaltigkeit berücksichtigen, ohne Abwägungen zu treffen. Uns ist es gelungen, dass dieser Ansatz fraktionsübergreifend angenommen wurde. Darüber hinaus werden Verstöße gegen internationale Nachhaltigkeitsaspekte in einem taggenauen Reporting des Engagement-Dienstleisters angezeigt, so dass wir schnell reagieren können.

Zum Beispiel können wir begründen, warum wir in den einen Rüstungskonzern investieren und in den anderen nicht. Unser mandatierter Engagement-Manager, das Unternehmen Federated Hermes, kann uns bei schwierigen Unternehmen und komplexen Sachverhalten viel Dialogtiefe bieten.

Darüber hinaus hat das Finanzministerium seit einem halben Jahr einen vierköpfigen Nachhaltigkeitsrat. Diese vier Nachwuchsführungskräfte beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, welche Emittenten vor dem Hintergrund der Ergebnisse stattgefundener Dialoge oder generell der gezeigten Dialogbereitschaft ausgeschlossen werden.

Die COVID-19-Krise beschert den öffentlichen Haushalten enorme Einnahmeausfälle. Weckt ein gut gefüllter Pensionsfonds da nicht Begehrlichkeiten in der Politik?

Edgar Kresin: Natürlich gibt es bei den Parlamentariern immer wieder Überlegungen, Mittel des Pensionsfonds für andere Zwecke zu verwenden. Das hängt auch von der jeweiligen finanzpolitischen Situation des Landes ab. Vor der COVID-19-Krise hatten die Bundesländer aggregierte Haushaltsüberschüsse erzielt, auch Sachsen-Anhalt.

Zu dem Zeitpunkt hätte man beispielsweise ein Projekt aus dem Überschuss des Fonds finanzieren können. Nach COVID-19 fehlen diese Überschüsse und damit auch der Handlungsspielraum. Daneben gibt es tatsächlich den Drang innerhalb der Landespolitik, das Vermögen des Pensionsfonds verstärkt strukturpolitisch zu verwenden. Wenn wir diesem Begehren nachgeben würden, indem wir zum Beispiel ein vom Land genutztes Bürogebäude kaufen würden, um damit Mieteinnahmen zu erzielen, dann hätte das eine strukturpolitische Bedeutung. Wir würden uns dadurch aber ein Stück weit von unserem gesetzlichen Auftrag entfernen, eine möglichst hohe Rendite zur Finanzierung der Beamtenpensionen zu erzielen.

Solche und andere Vorschläge gibt es immer wieder, und deshalb müssen wir immer wieder nachweisen, dass die jährlichen Einzahlungen in den Pensionsfonds im Vergleich zu einer Schuldenreduzierung wirtschaftlicher sind, was tatsächlich auch gezeigt werden kann. Auch müssen wir darlegen, dass wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und dass die Geldanlage die nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft im Sinne der von der UN klassifizierten Zielstellungen fördert. Und wir müssen deutlich machen, dass der Pensionsfonds so letztlich ein seriöses finanzpolitisches Instrument für die Zukunftsvorsorge der öffentlichen Hand ist.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »