Die F.A.Z.-Digitalkonferenz Nachhaltigkeit & Kapitalanlage #3 am 2. September widmete sich der Rolle des Finanzsektors auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft nach dem Corona-Schock.

Milliardenschwere Konjunkturpakete wurden in Folge der Corona-Pandemie auf den Weg gebracht, und diese Milliarden sollten eingesetzt werden, um den Umbau der Gesellschaft Richtung Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Das forderte der Keynote-Sprecher der F.A.Z.-Konferenz Nachhaltigkeit & Kapitalanlage Dustin Neuneyer. Laut dem Geschäftsführer Deutschland und Österreich bei Principles for Responsible Investment (PRI) hat das Thema für die Finanzbranche eine immense Bedeutung. So ist der Sektor einerseits betroffen durch die Wertentwicklung in der Kapitalanlage. Er ist aber andererseits durch das Lenken des Investitionsflusses auch aktiver Gestalter.

Ein nachhaltig ausgerichtetes Finanzsystem sei entscheidend, um die Transformation zu einer nachhaltigen Realwirtschaft zum Erfolg zu führen. Trotz dieses offensichtlichen Zusammenspiels wurde in Deutschland die Debatte aber bis zur Einführung des Sustainable-Finance-Beirats entkoppelt von der Finanzbranche geführt. „Man kann sagen, Deutschland war im Tiefschlaf“, bemängelt der Experte. Auch die Europäische Kommission rückte in ihrem Aktionsplan die Finanzbranche in den Fokus.

Realwirtschaft und Finanzsektor

Ohne die Kooperation von Realwirtschaft und Finanzsektor ist nachhaltiges Wirtschaften nicht möglich, betonte auch Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium. „Die Pandemie hat eindeutig gezeigt, dass die Unternehmen, die nachhaltig aufgestellt sind, deutlich krisenfester und resilienter durch diese Krise gekommen sind“, so Nimmermann. Klar wurde auch, dass Nachhaltigkeit umfassender gedacht werden muss als nur bezogen auf das Klimarisiko. Soziale Aspekte und Unternehmensführung sind ebenfalls entscheidend – also die ganze Palette der so genannten ESG-Faktoren.

Bei den großen institutionellen Investoren ist die Botschaft angekommen. Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) und die Volkswagenstiftung haben bereits vor knapp zehn Jahren begonnen, Nachhaltigkeitskriterien in die Kapitalanlage zu integrieren. Die Stiftung begann mit dem Ausschluss bestimmter Sektoren – ein Ansatz, der als erster Schritt unter Investoren häufig gewählt wird. Auf die schwarze Liste kamen etwa Waffenhersteller, erläuterte Geschäftsleiter Dieter Lehmann.

Die BVK als aktiver Investor engagierte sich früh über die Stimmrechte im Aktienportfolio, blickte die Nachhaltigkeitsreferentin der BVK Nicole Becker zurück. Fehlende Standardisierung bei Messung und Reporting machen die Einbindung von ESG-Kriterien ins Portfolio aber überaus komplex, gibt die Expertin zu bedenken.

Nachhaltigkeit & Kapitalanlage: Wachsende Produktpalette

Investoren können auf eine stetig wachsende Produktpalette zugreifen. „ETFs, die nachhaltige Indizes abbilden, haben starken Zuwachs“, sagte Claus Hecher von BNP Paribas Asset Management. Die Bank setzt bei nachhaltigen Aktien-ETFs auf die an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ausgerichteten Indizes vom Lizenzpartner MSCI. Geschäftsaktivitäten mit fossilen Brennstoffen werden zudem kategorisch ausgeschlossen. Die zunehmende Ausrichtung auf die Pariser Klimaziele ist ein anhaltender Trend, prognostiziert Stefan Hüttermann von MSCI.

Allerdings: Die Zeit ist knapp, mahnen Professor Dr. Dr. Helge Peukert von der Universität Siegen und der britische Unternehmer und Autor John Elkington. Mit Blick auf die bereits allerorts sichtbaren Folgen des Klimawandels kritisiert Peukert die „äußerst softe Regulierung“ (lesen Sie hier mehr dazu). Die Europäische Kommission habe mit dem Ausschluss der Kohle nur einen kleinen ersten Schritt gemacht. „Aber für einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz reicht das nicht“, betont der Ökonom.

Elkington sieht die Branchen der „Old Economy“ vor dem Aus und erwartet „seismische Verschiebungen“ vom Transportsektor über Energieunternehmen bis hin zur Lebensmittelbranche. Investoren rät der Autor, zumindest Teilbeträge in die aufstrebenden Märkte zu allokieren, um an der Entwicklung zu partizipieren.

Die F.A.Z.-Konferenz Nachhaltigkeit & Kapitalanlage ist eine exklusive Plattform für institutionelle Investoren, kirchliche Träger, Family-Offices und Anlagemanager in Stiftungen. Aus gegebenem Anlass fand die dritte Auflage dieses Formats im Jahr 2020 erstmals digital statt.

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