Nachhaltige Themenfonds werden noch immer unterschätzt. Wieso die Bedenken unbegründet sind:

Das verwaltete Vermögen in thematische Investments hat sich allein in den letzten drei Jahren beinahe verdreifacht und liegt aktuell bei 595 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 2,1 Prozent des weltweit in Aktienfonds investieren Vermögens. Nachhaltige Themenfonds hingegen werden noch immer unterschätzt. Ulrik Fugmann Senior Portfoliomanager Environmental Strategies bei BNP Paribas Asset Management klärt in einer aktuellen Analyse über die sechs häufigsten Mythen zu nachhaltigen Investments auf.

Mythos 1: Ökologisch orientierte thematische Investments erzielen langfristig weniger Rendite als andere Anlagen

Anleger können von technologisch orientierten Themenfonds oft eine üppige Überrendite erwarten; insbesondere von Playern, die sich auf disruptive Technologietrends konzentrieren. Bei nachhaltigen Themenfonds haben Anleger hingegen noch immer Zweifel – und das, obwohl die ökologische Transformation ebenfalls ein enormes disruptives Potenzial besitzt. Neben erneuerbaren Energien werden für einen nachhaltigen Umbau der Weltwirtschaft etwa Player gefragt sein, die Lösungen für eine bessere Kreislaufwirtschaft, der Energiewende sowie gegen die Folgen des Klimawandels bieten. Für Anleger stellt sich daher nicht die Frage, ob Umweltfonds wettbewerbsfähige Renditen bieten, sondern ob sie es sich leisten können, diesen Anlagetrend zu verpassen.

Mythos 2: Einige mit dem Klimawandel erwirtschaftete Erträge sind unethisch

Ein häufiger Kritikpunkt: ökologisch orientierte Themenfonds können auch in den Niedergang veralteter Industrien investieren. Dabei werden Vermögenswerte, die aufgrund ihrer Ineffizienz oder klimapolitischer Regulierung an Wert verloren haben – „Stranded Assets“ – gewinnbringend leerverkauft. Im Gegensatz zu anderen Short-Strategien sind solche ökologisch motivierten Leerverkäufe jedoch ethisch vertretbar, weil sie den Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft beschleunigen. Zudem profitieren Anleger so von einer effektiven Dekarbonisierung ihres Portfolios – und können somit ihr Net-Zero-Ziel schneller erreichen.

Mythos 3: ESG und Nachhaltigkeit bedeuten immer ein und dasselbe

ESG-Ratings basieren auf der freiwilligen Dokumentation der internen Prozesse eines Unternehmens. Als einziges Bewertungskriterium für die Nachhaltigkeit sind sie jedoch nicht geeignet, denn eine globale Nachhaltigkeitsperspektive, wie etwa der ökologische Fußabdruck, bleibt dabei unbeachtet. Ein Beispiel: Dämmstoffe können oft nur bedingt nachhaltig hergestellt werden. Über ihre gesamte Lebensdauer tragen sie jedoch umfassend dazu bei, CO2-Emmissionen zu verringern. Dazu kommt, dass kleinere Unternehmen oft maßgeblich zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele beitragen, aber nicht die Ressourcen haben, um umfangreiche ESG-Berichte zu verfassen. Erst eingebettet in eine thematische Dimension lässt sich der Beitrag erkennen und fair bewerten, den ein Unternehmen zur ökologischen Transformation leistet.

Mythos 4: Das Anlageuniversum von (ökologischen) Themenfonds ist nicht groß genug, um branchenübergreifend zu investieren

Weit gefehlt: Denn allein der thematische Bereich der Energiewende umfasst eine große Anzahl von Branchen: Von Energieeffizienz über intelligente Netze bis hin zu Elektrofahrzeugen und alternative Verkehrsmittel. Dabei ist nicht nur saubere Energie ein wichtiges Umweltthema. Es gibt viele weitere Bereiche menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens, für die die moderne Industrie aktuell nach Lösungen sucht, um etwa die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren. Daraus ergeben sich vielfältige attraktive Anlagemöglichkeiten, die teilweise enormes Disruptionspotenzial bieten, in nahezu allen Branchen.

Mythos 5: Anleger sollten nur in Fonds mit Track Record investieren

Track Records zeigen die historische Performance eines Fonds und sind für Anleger wichtige Indizes für die zukünftige Entwicklung. Gerade bei einer so jungen Anlagestrategie, wie das nachhaltige und umwelt­orientierte Investieren, sind Track Records jedoch oft wenig sinnvoll und aussagekräftig. Oft fehlen Anlageteams dafür schlicht die Erfahrungs­werte, auf die etablierte Klassen zurückgreifen können. Um Risiken zu vermeiden, bietet es sich stattdessen an, nach Fonds zu suchen, die in branchen- und sektorübergreifende Unternehmen investieren, breit diversifiziert sind und ein strenges Risikomanagement besitzen.

Mythos 6: Impact lässt sich nur mit Investitionen an Private Markets realisieren

Impact Investment wird oft mit Investitionen in Wagniskapital, privatem Beteiligungskapital oder direkter Projektfinanzierungen in Verbindung gebracht. Trotz ihrer hohen Wirkung sind solche Anlagen allerdings nur bedingt in großem Maßstab realisierbar – und zudem speziell und schwer zugänglich. Um größtmöglichen Impact zu erreichen, sollten jedoch möglichst viele Anleger Zugang zu ökologisch verantwortlichem Investieren bekommen. Themenfonds mit Umweltfokus bieten Anlegern diesen Zugang. Mit ihrem Kapital unterstützen sie innovative und nachhaltige Player beim Wachstum und mittlerweile auch Primärplatzierungen wie Erstemissionen und Börsengänge. Damit machen sie einen echten Unterschied.

Fugmann erklärt, dass thematische Fonds einen großen Beitrag leisten, um umweltfreundlichere Lösungen für die Energieversorgung und den Schutz unseres Planeten zu finden. Thematische Fonds seien eine vielversprechende Möglichkeit.

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