Net-Zero Asset Owner Alliance, nachhaltige Kapitalanlagepolitik, Impact Investing. Die Liste der Themen war lang, die Michael Lennert mit André Heimrich, Vorstand Kapitalanlagen, bei der aktuell 101,4 Milliarden Euro schweren Bayerischen Versorgungskammer (BVK), besprach.

Herr Heimrich, die BVK ist als erster Altersversorger in Deutschland der Net-Zero Asset Owner Alliance beigetreten. Um welche Organisation handelt es sich hier?

André Heimrich: Die BVK ist nun Teil eines Netzwerks der weltweit größten Kapitalanleger, welche die CO2-Emissionen ihrer Anlageportfolios bis 2050 auf netto null reduzieren wollen. Die Net-Zero Asset Owner Alliance wurde auf dem UN-Klimagipfel in New York im September 2019 gegründet und gemeinsam mit der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI), den Principles for Responsible Investment (PRI), dem WWF sowie zwölf Pensionsfonds und Versicherern aus der ganzen Welt aufgebaut. Insgesamt gehören dem Zusammenschluss über 40 institutionelle Großinvestoren an, welche zusammen ein Vermögen von knapp 7 Billionen US-Dollar verwalten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Beitritt?

Heimrich: Wir positionieren uns durch unseren Beitritt zu einer dezidierten Klimastrategie mit definierten Zielen. Für uns steht Nachhaltigkeit schon seit langem im Fokus und wir werden unseren Beitrag für eine klimaneutrale Wirtschaft leisten. Das Ziel der Mitglieder der Net-Zero Asset Owner Alliance ist es, die Erwärmung des Klimas zu verlangsamen und bestenfalls auf 1,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Da diese Aufgabe jedoch nur gemeinschaftlich erreicht werden kann, haben wir uns der Net-Zero Asset Owner Alliance angeschlossen. Auch denken wir, dass unser Beitritt ein Zeichen setzen kann, um auch andere Investoren zu motivieren, sich klar zum Thema Nachhaltigkeit zu positionieren.

Sie sprachen das Thema Nachhaltigkeit an. Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich bei der BVK?

Heimrich: Seit jeher haben der Vorstand der BVK und die Selbstverwaltungsgremien der Versorgungseinrichtungen ihr Handeln nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die BVK hat mit dem von ihr verwalteten Kapitalanlagevolumen ein beachtliches „Gewicht“ im Kapitalmarkt. Dies gilt es verantwortungsvoll einzusetzen – allein und im Verbund mit anderen Investoren. Die Alters- und Berufsunfähigkeitsversorgung in den zur Gruppe gehörenden Einrichtungen ist durch die Hinterbliebenenversorgung auf mehrere Generationen angelegt.

Die BVK hat bereits 2011, als erster Altersversorger in Deutschland, die Prinzipien der Vereinten Nationen für verantwortungsvolles Investieren (Principles for Responsible Investment, PRI) unterzeichnet. Nachhaltigkeit ist somit eine Dimension, welche die klassisch ökonomischen Aspekte Liquidität, Sicherheit und Rendite ergänzt.

Dazu gehört neben einer nachhaltigen Kapitalanlagepolitik auch eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, die mit ihren Ressourcen, den Beschäftigten, den Versicherten und Mitgliedern sowie den Geschäftspartnern fair umgeht. Zugleich werden ökologische, soziale und geschäftspolitische Aspekte bei Investitionen berücksichtigt, um die Performance zu stärken, vorbildliche Standards einzufordern und langfristige Wertschöpfung zu gewährleisten.

Welche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen Sie in Ihrer Kapitalanlage?

Heimrich: Mit der Unterzeichnung der PRI-Richtlinien wurde auch ein bedeutender Grundstein in der nachhaltigen Kapitalanlage gelegt. Seither geht die BVK diesen Nachhaltigkeitsweg konsequent und in allen Asset-Klassen Schritt für Schritt weiter.Kernpunkte unserer Strategie sind die ESG-Integration und das Engagement, die unsere Investitionen prägen. Die dezidierte Umsetzung erfolgt dann Asset-Klassenspezifisch und unterscheidet sich je nach Anlageklasse: Beispielsweise ist die BVK hinsichtlich Real Estate seit März 2020 als ebenfalls einer der ersten deutschen Asset Owner Mitglied bei GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark) geworden. Hierdurch steht im Bereich der internationalen Fondsinvestitionen ein sehr guter Vergleichsstandard zur Verfügung, mit welchem auch die Messbarkeit der ESG-Performance ermöglicht wird.

Der Beitritt zur Net-Zero Asset Owner Alliance ist ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg. Bis Ende des Jahres werden wir jetzt konkrete Ziele und Maßnahmen für die einzelnen Anlageklassen definieren und diese dann weiter umsetzen. Zudem ist der Großteil unserer ausgewählten Asset Manager ebenfalls PRI-Unterzeichner und hält sich demnach seinerseits an die Richtlinien für verantwortungsvolles Investieren.

Sie sagen, diese Positionierung hilft Ihnen, Ihre Ziele in den Anlageklassen zu schärfen und stringent umzusetzen. Können Sie dies noch näher erläutern?

Heimrich: Im Rahmen der Net-Zero Asset Owner Alliance fokussieren sich die Emissions-reduktionsziele zunächst insbesondere auf die Asset-Klassen Aktien, festverzinsliche Wertpapiere sowie Immobilien. Wir können für diese Anlageklassen jetzt klare Ziele formulieren und sie dann auch an unsere Manager und nicht zuletzt an die Unternehmen, in die wir investiert sind, kommunizieren. Entscheidend ist hierbei, den Unternehmen aufzuzeigen, wie wichtig für uns aus Investorensicht der Klimaschutz ist und dass wir auch bereit sind, Unternehmen, die ihrerseits einen Nachhaltigkeitsweg einschlagen, zu unterstützen. Beispielsweise steigen wir nicht vorschnell aus einer Investition aus, sondern schauen uns auch die langfristigen Ziele des Unternehmens genau an. Die Erreichung der Ziele verfolgen wir konsequent durch die Messung von Klimadaten.

Weitere Anlageklassen wie Private Equity sollen bei der Net-Zero Asset Owner Alliance so schnell wie möglich folgen, aktuell werden hier der Umfang sowie die Qualität der Datenmessung weiter verbessert.

Gibt es Asset-Klassen, die für nachhaltiges Investieren besser geeignet sind als andere?

Heimrich: Prinzipiell bin ich nicht der Meinung, dass sich spezielle Asset-Klassen besser oder schlechter als andere eignen. Es gibt aber Asset-Klassen in denen sich nachhaltige Aspekte schneller umsetzen lassen. Hierbei ist der entscheidende Faktor der Grad an Transparenz, um die Umsetzbarkeit zu erleichtern. Wichtig ist, dass wir uns als Investor direkt über die ESG-Performance unserer Assets informieren, diese verstehen und auch das Reporting der Manager oder Dienstleister immer wieder kritisch hinterfragen. Bei einzelnen Asset-Klassen wie zum Beispiel Immobilien ist es vorteilhaft, direkter am jeweiligen Asset zu sein, um Nachhaltigkeitskonzepte leichter umsetzen zu können.

Zudem ist wie bereits erwähnt aktuell die Datenverfügbarkeit noch ein limitierender Faktor in der Auswahl der Asset-Klassen, wobei ich der festen Überzeugung bin, dass sich hier in den kommenden Jahren – auch motiviert durch die regulatorische Seite – einiges tun wird. Ein umfassender Wandel kann nur Asset-Klassen-übergreifend erfolgen und muss von allen Seiten getragen werden. Natürlich kann man schnell die entsprechenden Emissionsziele erreichen, wenn man beispielsweise einen Großteil in Windparks investiert; eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft kann hierdurch aber nur schwer erzielt werden, ganz zu schweigen von einem ausreichend diversifizierten Portfolio.

Gibt es beim nachhaltigen Investieren noch blinde Flecken?

Heimrich: Aktuell richtet sich der Fokus im Bereich des nachhaltigen Investierens sehr stark auf die Klimakomponente. Das ist natürlich wichtig und gut, da gerade hier eine enorme Dringlichkeit besteht, gleichzeitig dürfen die anderen Aufgaben nicht aus den Augen verloren werden: Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) zeigen eindrücklich die gesamte Bandbreite an Zielen, die für eine nachhaltige Zukunft erreicht werden müssen.

Zum Beispiel wurde dem Thema Artensterben, das laut Weltrisikobericht auch zu einem der größten Risiken für die Weltwirtschaft gehört, in den vergangenen Jahren zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Hierfür ist es wichtig, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Nachhaltigkeitszielen noch besser zu verstehen. So hängt beispielsweise nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Bekämpfung von Hunger von einer ausreichenden Biodiversität ab. Wenn wir aber das aktuelle Tempo in Bezug auf nachhaltiges Investieren weiter beibehalten, bin ich optimistisch, dass wir die blinden Flecken in allen Bereichen reduzieren können.

Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen ESG-Anlagen und Impact Investing?

Heimrich: Das Ziel von Impact Investing ist es, eine positive Auswirkung auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen, zum Beispiel durch Investitionen in Wasseraufbereitung. Bei dieser enger gefassten Investment-Strategie ist es ausschlaggebend, dass die positive soziale oder ökologische Wirkung der Investition auch direkt messbar ist. ESG-Anlagen können aber auch werteorientierte oder ethische Investments sein, die neben finanziellen Aspekten auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Kriterien berücksichtigen, ein Beispiel hierfür ist die Wahrung der Menschenrechte. Das Hauptaugenmerk bei ESG-Investments liegt insbesondere auf der Verhinderung negativer Auswirkungen sowie auf der gesellschaftlichen Verantwortung.

Innerhalb unserer ESG-Anlagen haben wir auch Investitionen mit einem positiven Impact, wie zum Beispiel im Bereich Klima Waldinvestitionen und regenerative Energieerzeugung oder im Bereich Soziales die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen und entsprechender Infrastruktur, wobei wir hier keine klare Unterscheidung treffen: Was für uns zählt, ist die ESG-Performance sowie die absolute Performance unseres gesamten Portfolios.

Inwieweit spielen die Themen Engagement sowie Ausübung der Stimmrechte für Sie eine Rolle?

Heimrich: Die Rolle des „aktiven Investors“ einzunehmen, ist für die BVK sehr wichtig und das Engagement ist ein zentraler Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch einen konstruktiven Dialog sowie zum Beispiel über ein gezieltes Abstimmungsverhalten bei Aktionärsversammlungen einen starken Einfluss ausüben können, um Unternehmen zu nachhaltigem Wirtschaften anzuhalten. Dem Engagement kommt auch im Rahmen der Net-Zero Asset Owner Alliance eine besondere Bedeutung zu: Das Ziel der Mitglieder wird vor allem durch den aktiven Dialog mit (Portfolio-)Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern sowie durch Investitionen, die direkt zum Klimaschutz beitragen, umgesetzt.

Wie messen Sie diesbezüglich den Erfolg Ihrer Anlagen?

Heimrich: In regelmäßigem Abstand wird zu neuen Engagement-Aktivitäten berichtet und auch die Fortschritte bei länger andauernden Engagements werden dezidiert analysiert, die Wahrnehmung der Stimmrechte erfolgt über den externen Dienstleister BMO Global Asset Management.

Bei den Immobilien haben wir mit GRESB ein sehr gutes Tool zur Messung und zum Vergleich unserer ESG-Performance zur Verfügung und im Bereich Klima werden wir künftig anhand der Messung unseres CO2-Fußabdrucks unser Fortschreiten in der Emissionsreduzierung kontrollieren können.

Bewegt sich ein Unternehmen nicht, können weitere Eskalationsmaßnahmen ergriffen werden, um den Druck zu erhöhen und die Ziele zu erreichen. Sollte sich ein Unternehmen partout nicht zu mehr Nachhaltigkeit bekennen oder gewisse Mindeststandards erfüllen, steht uns als Investor als letzte Möglichkeit das Divestment, also der Verkauf der Investition, zur Verfügung. Ferner wird die Zuteilung von neuem Investment-Volumen auch in Abhängigkeit der ESG-Performance der Manager gesteuert.

Lesen Sie mehr in der dpn-Ausgabe Juni/Juli 2021 zur nachhaltigen Kapitalanlage der BVK. 

 

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