Bis 2030 sollen die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Mischfinanzierungsmodelle aus öffentlichen und privaten Geldern sollen Investitionen von institutionellen Anlegern hierfür anreizen, erläutert Gautier Quéru, Investment Director bei Mirova.

Rund 2,5 Billionen US-Dollar jährlich fehlen für die Umsetzung der 17 globalen Sustainable Development Goals (SDGs) der UN – eine Summe, die ohne privates Kapital wohl nicht zu stemmen ist. „Öffentliche Gelder reichen nicht aus, um diese immense Finanzierungslücke zu schließen“, sagt Gautier Quéru, Investment Director von Mirova Natural Capital, einer Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers. „Wir müssen deshalb mehr private Gelder mobilisieren, aber institutionelle Investoren scheuen oft diese Art der Impact Investments, weil sie diese mit hohen Risiken verbinden.“ Hier könne die öffentliche Hand helfen, indem sie sich an der Verteilung der Risiken beteilige und damit Hürden abbaue.

So treten öffentliche Institute oder philanthropische Organisationen wie beispielsweise KfW, US AID oder die MacArthur Foundation als Junior Partner in diesen Finanzierungslösungen auf. Dabei gibt es verschiedene Varianten, wie die öffentliche Hand privaten Investoren Schutz bieten kann. So können Mittel zu Bedingungen unter dem Marktniveau zur Verfügung gestellt werden, um die Gesamtkapitalkosten zu senken und den Investoren einen zusätzlichen Schutz zu bieten. Alternativ können Garantien für den Kapitaleinsatz offeriert werden, wie das globale Blended Finance-Netzwerk Convergence ausführt. Technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung sowie finanzielle Zusagen in der Entwurfsphase einer Transaktion sind weitere Möglichkeiten der Risikoübernahme.

Mit Blended Finance Erfolgsbilanz aufbauen

Dem Blended Finance-Ansatz kommt laut Quéru eine Übergangsrolle zu. „Es geht darum, nun eine gute Erfolgsbilanz aufzubauen. Denn wenn die Erfahrung zeigt, dass die Risiken niedriger und die Chancen höher sind als gedacht, dann können die Investments in der Zukunft auch direkt von Privatinvestoren übernommen werden“, so der Experte. Ähnlich habe ja auch die Einspeisevergütung für Erneuerbare Energien einen Ertrag garantiert und somit Privatinvestitionen anreizen können.

In anderen Bereichen wiege die Bereitschaft von privaten Konsumenten, einen Aufpreis für Konsumgüter wie Kaffee oder Kakao zu zahlen, sofern diese Commodities nachhaltig angebaut werden. Zudem steigt auch der Druck auf Produzenten dieser Lebensmittel, nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht mit Abholzung oder immensem Wasserverbrauch in Verbindung gebracht werden. Entsprechende Fairtrade-Zertifikate sichern einen minimalen Absatzpreis im Handel.

Für den „Althelia Sustainable Ocean Fund“ (SOF) von Mirova etwa garantiert US AID die Übernahme von 50 Prozent der möglichen Portfolioverluste, erläutert Quéru. Der Fonds investiert in Meeres- und Küstenprojekte sowie in Unternehmen, die nachhaltige wirtschaftliche Erträge in den Bereichen Fischerei, Aquakultur, Kreislaufwirtschaft  sowie Meeresschutz erzielen können. Die Gesamtzusagen des Fonds belaufen sich auf mehr als 92 Millionen Dollar. Zusagen kamen unter anderen von der deutschen Entwicklungsbank KfW, der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie den französischen Versicherern BNP Paribas Cardif und Garance. Für den Fonds konnte Mirova Gesamtzusagen über 132 Millionen US-Dollar sichern, weit mehr als die ursprünglich avisierten 100 Millionen Dollar.

Beim Land Degradation Neutrality (LDN) Fonds, den Quéru managt, ist die Absicherung anders vereinbart: So werden zunächst die privaten Senior Partners ausgezahlt. Etwaige Verluste liegen damit zunächst in der öffentlichen Hand.

So beteiligte sich das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (DEFRA) mit 10 Millionen GBP am Fonds. Zu Jahresbeginn 2021 verpflichtete sich auch das Land Kanada mit einem Investment von 55 Millionen kanadischen Dollar zu der  Strategie. Sie hob hervor, dass Landdegradation besonders Menschen, die in Armut und prekären Situationen leben, betrifft – oft  Frauen und die indigene Bevölkerung. „Der soziale Aspekt ist daher untrennbar mit dem Umweltaspekt verbunden“, so Ottawa.

Bereits zu Beginn an Bord waren Frankreich mit der Agence Française de Développement, die European Investment Bank und das Land Luxembourg.

Der Fonds ist eine Initiative, die auf ein Übereinkommen der UN zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) und Mirova zurückgeht. Er soll helfen, einen spürbaren Beitrag zur Landdegradationsneutralität zu leisten.

Der Fonds konnte bis Ende März 2021 gezeichnet werden. Zukommen kamen mehr als 200 Millionen US-Dollar.

Das erste Projekt, in das der LDN Fonds investierte: Urapi Sustainable Land Use Program. Urapi entwickelt und finanziert vier Kaffeekooperativen in Peru. Vier weitere Projekte folgten, ein sechstes steht kurz vor der Unterzeichnung. In dem Fonds sollen letztendlich rund 15 Private Equity oder Private Debt Initiativen zur Diversifikation gebündelt werden, erläutert Quéru weiter.

Urapi Sustainable Land Use Program Bildquelle: Mirova

Letztendlich geht es auch darum, Hebeleffekte zu erzielen: so könne etwa ein Euro aus öffentlichen Quellen eine vielfache Summe von Seniorpartnern mobilisieren – und die eingesetzten Steuergelder stünden nach erfolgreichem Abschluss für weitere Investments zur Verfügung. Der öffentliche Geldgeber kommt somit seinen SDG-Zielen näher, wohingegen die privaten Investoren ihren Aufsichtsgremien Risikominderung bei Impact Investments nachweisen können.

Die institutionellen Investoren suchen dabei einen guten Return, aber im Blickfeld ist immer auch der Impact, so Mirova. Die Renditen sind zwar in der Regel nicht so hoch wie bei alternativen Anlagemöglichkeiten, liegen aber in der Regel im höheren einstelligen Bereich. Weiteres Bonbon:  Diese Art von Investitionen fließen in der Regel in Sektoren mit hohem Wachstumspotential.

Kosmetikkonzern engagiert sich im Impact Investing

Im Sommer kündigte der Kosmetikkonzern L’Oréal umfangreiche Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes und der sozialen Verantwortung an. 50 Millionen Euro fließen in den L’Oréal Fund for Nature Regeneration, den Mirova managet. Die Mission des Fonds ist die Wiederherstellung und der Erhalt von biodiversitätsreichen Küsten-, Meeres- und Waldökosystemen.

Bisher 144 Milliarden US-Dollar

Laut dem Netzwerk Convergence konnten mittels dieser Form der Mischfinanzierung bereits über 140 Milliarden US-Dollar mobilisiert werden. Die Ziele der Organisation sind ehrgeizig. Bald sollen Billionenbeträge fließen, heißt es. Schließlich mache der Fehlbetrag von 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr für die Umsetzung der SDGs weniger als 1 Prozent der globalen Finanzmärkte aus. Equity- und Debt-Fonds sowie Dachfonds machen mit rund 40 Prozent weiterhin bei weitem den größten Teil der Mittel aus, gefolgt von projektbasierten Anlagen und direkten Unternehmensinvestments.

 

 

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