Der Bedarf an privaten Geldern im Impact Investment ist hoch. Was hält institutionelle Investoren bei den Anlageentscheidungen zurück?

Nach Auffassung von Maria Teresa Zappia, Chief Investment Officer bei BlueOrchard Finance, könnten noch mehr private Gelder in Blended Finance-Vehikel fließen, wenn institutionelle Anleger früher in den Entwicklungsprozess einbezogen würden. „Das größte Problem in der Gewinnung von privaten Geldern ist, dass Privatinvestoren nicht schon an der Aufsetzungsphase eines neuen Investment-Vehikels beteiligt werden. Viel zu oft kommen Blended-Finance-Instrumente auf den Markt, ohne dass sie zuvor von Investoren getestet wurden“, so Zappia.

Blended Finance ist eine Art Mischfinanzierungsmodell aus öffentlichen und privaten Geldern, bei denen die Juniorpartner – öffentliche Institute oder philanthropische Organisationen – den privaten Investoren Risiken abnehmen, um so Investitionen von institutionellen Anlegern anzureizen.

Blue Orchard versucht schon früh mit potentiellen Investoren abzuklären, was ihre Erwartungen an Risiko-, Return- und Impact-Kriterien sind. Wichtig sei dies auch, da der Anlagehorizont sowie die Ansprüche ans Reporting sich je nach Investor ändern. Mit diesem Ansatz hat BlueOrchard gute Erfahrungen gemacht: Bei einem Mandat habe man bereits in der frühen Phase des Produktdesigns mit einem Investor zusammengearbeitet und einen großen Unterschied bei der Mobilisierung des Kapitals festgestellt.

Zudem muss nach der Erfahrung von BlueOrchard ein Investment-Vehikel eine ausreichende Größe haben, um für institutionelle Anleger interessant zu sein. Typischerweise partizipieren sie mit Losgrößen von 10 bis 15 Millionen US-Dollar, so die Erfahrung von Zappia. Pro Vehikel beteiligen sich rund 8 bis 10 Investoren.

Besonders in der nordischen Region und den Niederlanden stoßen die Angebote auf Interesse, aber auch in der Schweiz und Frankreich sowie zuletzt in Japan und den USA nehme die Nachfrage der Investoren an den Themen zu. „Die SDG-Ziele wurden 2015 gesetzt für 2030. Damals schien das noch eine lange Zeit zu sein, aber inzwischen haben wir 2020 und die Uhr tickt“, so Zappia. Der Impact Investment Manager BlueOrchard gehört seit Ende 2019 mehrheitlich zu Schroders.

Regulatorik vereinfachen

Gerade in Deutschland verhindert auch die Regulierung den Einstieg. „Der regulatorische Rahmen gibt noch kein klares Signal“, sagt Sylvia Wisniwski. Managing Director bei Finance in Motion. Lediglich Investitionen in Mikrofinanzinstitutionen stellen im Kapitalanlagegesetz eine Ausnahme dar. Dabei gehe der politische Wille ganz klar in die Richtung, Impact Investments stärken zu wollen – dies zeigen der europäische Green Deal und auch die Taxonomie.

Auch von Investorenseite hat aber das Interesse an Blended Finance-Ansätzen in der vergangenen Jahren stark zugenommen, so auch die Beobachtung von Wisniwski. Es gibt nicht nur mehr Player am Markt. Vor allem konnte auch ein positiver Track Record aufgebaut werden, so die Expertin. Finance in Motion hat über diese Vehikel bisher 4,8 Milliarden Euro investiert. Das Kapitalausfallrisiko lag bei gerade einmal 0,02 Prozent. Aktuell sind rund 2,5 Milliarden Euro in vier Fonds investiert, davon 500 Millionen Euro von Institutionellen Investoren aus dem privaten Sektor.

Der Kundenstamm reicht von vermögenden Privatkunden mit kleineren Losgrößen von 1 Millionen Euro hin zu Versicherungen oder Versorgungskassen, die bis zu 25 Millionen Euro in ein Vehikel anlegen. „Unsere strategische Ausrichtung ist, den Anteil von Privatkapital zu erhöhen. Wir sehen, dass institutionelle Anleger einen stärkeren Risikoappetit entwickeln, weil der Track Record da ist. Sie gehen stärker ins Risiko, verlangen dafür aber auch eine höhere Rendite“, so Wisniwski. Insbesondere bei den grünen Fonds gebe es noch einen hohen Bedarf an privaten Geldern.

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