Über Trends am Markt für Erneuerbare Energien sprach dpn mit Michael Ebner, Geschäftsführer der KGAL.

Herr Ebner, wie andere Asset-Klassen sind auch Erneuerbare Energien von der Renditekompression betroffen. Seit einigen Jahren erlebt der Markt einen Trend weg von der passiven Bestandshaltung von Core-Assets hin zu Greenfield- oder Emerging-Market-Strategien. Wo steht der Renewables-Markt in dieser Entwicklung derzeit?

Die Asset-Klasse Renewables ist gleich doppelt von einer Renditekompression betroffen. Einerseits betreffen die allgemeine Niedrigzinspolitik und weltweite Liquiditätsflut sowie die relative Produktknappheit und -verteuerung auch Erneuerbare-Energie-Assets. Hinzu kommt speziell in diesem Marktsegment eine Übergangsphase von staatlich garantierten Einspeisevergütungen hin zu marktbasierten Systemen. Dies kann den Wegfall von früheren Überrenditen mit sich bringen und öffnet den Markt für einen echten und oft hart geführten Wettbewerb mit anderen Energieträgern und -produzenten.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass passive Anlagestrategien wie reines buy-and-hold heutzutage oft zu wenig Rendite für die Ansprüche institutioneller Investoren erwirtschaften.

In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass wir in den vergangenen drei Jahren eine Margenreduktion von rund 100 Basispunkten – allein aufgrund exogener Faktoren – erlebt haben.

Wie lässt sich Wertsteigerung im Bereich Energieinfrastruktur erzielen?

Aktiven Asset Managern steht ein Bündel an Maßnahmen zur Verfügung, um die Bewertung von Renewable-Assets zu erhöhen und damit Wertsteigerungen zu erreichen: Das reicht von klassischem Kosten-Management hin zu technischen Optimierungen, intelligenten Stromvermarktungsstrategien und nicht zuletzt dem klassischen Financial Engineering. Damit gibt es im Vergleich zu anderen Asset-Klassen gerade im liquiden Bereich teils deutlich mehr Ansatzpunkte für Wertsteigerungen.

Welche Stellschrauben haben Investoren im Bereich Finanzierung, Bewirtschaftung, Stromvermarktung und Repowering?

Auf der Einnahmeseite gilt es zunächst die erzeugten Kilowattstunden zu erhöhen, d.h. die technische Performance durchgängig intensiv zu monitoren, und die gewonnenen Erkenntnisse Output-steigernd umzusetzen. Der Digitalisierung kommt dabei eine immer größere Bedeutung zu. Die Maßnahmen reichen von Kleinmaßnahmen wie einem optimierten Reinigungskonzept bis zu größeren technischen Eingriffen, also im Extremfall etwa dem Austauschen von Rotorblättern eines Windrads. Oft sind durch solche Revampings auch längere Nutzungsdauern der Assets realisierbar.

Einnahmeseitig sind Optimierungen im PPA-Management zu nennen. Diese sogenannten Power Purchase Agreements sind zeitlich befristete Stromabnahmeverträge mit Großabnehmern, die Menge und Preis fixieren und so Cashflows planbar machen und das Risiko reduzieren. Durch intelligente Kombinationen sind hier teilweise zusätzliche Renditen zu erwirtschaften.

Ein weiterer spannender Ansatz, der in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen wird, sind sogenannte Co-Location-Lösungen, die ein Energie erzeugendes Asset mit einem Energiespeicher-Asset koppeln. Auf diese Weise gewinnt der Asset Manager die Kontrolle über sein Produkt – die Elektrizität – und kann es zeitlich bewusster vermarkten, mit Chancen für Rendite und/oder Sicherheit.

Auch die Kostenseite spielt natürlich eine wichtige Rolle. So lassen sich Wartungsverträge mit Dienstleistern gegebenenfalls nachverhandeln oder neu ausschreiben. Darüber hinaus bieten größere Renewables-Portfolien natürlich Skalen- und Effizienzvorteile auf verschiedensten Ebenen, ob im Einkauf von Dienstleistungen oder Ersatzteilen oder der Frage nach dem Insourcing einzelner Teile der Wertschöpfungskette.

Wie bei anderen Asset-Klassen auch sind zuletzt auch finanzierungsseitige Optimierungen zu nennen, etwa durch eine Reduzierung der Eigenkapitalquote nach einem erfolgten De-Risking oder eine Refinanzierung während einer günstigen Marktphase. Auch über das präzise Timing des Exits oder das Bundling mehrerer Assets lassen sich oftmals Mehrrenditen erzielen.

Was ist ein nachhaltiges Verhältnis von Buy-and-Hold, Develop-and-Sell und Buy-and-Optimize?

Die Antwort auf diese Frage ist stark vom einzelnen Investor und seinem gewünschten Risiko-Rendite-Profil abhängig. Welche Liabilities gilt es zu berücksichtigen beziehungsweise zu matchen? Aus unserer Sicht ist es im derzeitigen Marktumfeld meist vorteilhaft, eine Kombination aus Develop and Sell sowie Buy and Optimize umzusetzen, also eigene Wertschöpfung in der Projektentwicklung oder der Bestandsmodernisierung zu erbingen.

Für konservativere Anleger kann sich in Einzelfällen dennoch auch weiterhin Buy and Hold empfehlen, dann allerdings mit einem aktiven Bewirtschaftungsansatz. Wir raten daher Investoren zu einer Kombination verschiedener Risikoprofile nicht auf Produkt- sondern Portfolioebene.

Ein wirklich nachhaltiges Renewables-Portfolio erkennt man aber nicht nur an einer Mischung der Risikoprofile einzelner Produkte oder Tranchen. Ebenso wichtig ist die nachhaltige Diversifizierung nach Erzeugungsarten und Technologien, Regionen und Zielmärkten sowie Vergütungsmodellen. Eine gesunde Mischung aus staatlichen Einspeisevergütungen, langfristigen PPAs und einer für die Spotmärkte reservierte Strommenge ermöglicht hier eine breitere Streuung als in den meisten anderen Asset-Klassen.

Michael Ebner ist Geschäftsführer der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG. Er ist dort verantwortlich für die Asset-Klasse Infrastruktur.

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