Auch für institutionelle Anleger bleibt die CO2-Bepreisung ein wichtiges Thema, schreibt LFDE.

Steil nach oben zeigt der Preis für europäische Emissionszertifikate seit Ende letzten Jahres. Rund 55 Euro kostet der Ausstoß einer Tonne CO2 aktuell. Dies ist ein Plus von rund 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. “Ähnlich wie bei zyklischen Aktien begann dieser Höhenflug Anfang November 2020, als die Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffs gegen Covid-19 verkündet wurde”, so Olivier de Berranger, CIO bei LFDE. Der CO2-Markt antizipierte die Erholung der europäischen Industrie und damit einen erhöhten Bedarf an Verschmutzungsrechten.

Regulierung treibt CO2-Preis

Aber natürlich steckt auch die europäische Regulatorik hinter dem mehrmonatigen Preisaufschwung. Am 14. Juli wird die Europäische Kommission die neue Richtlinie „Fit for 55“ vorstellen. Laut der Richtlinie soll bis 2030 eine Verringerung der europäischen CO2-Emissionen um 55 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 erreicht werden, Für 2050 ist CO2-Neutralität vorgesehen.

Der Markt erwartet daher, dass den am europäischen Emissionshandel (EU-ETS) beteiligten Industrien die Verschmutzungsrechte deutlich gekürzt werden. Außerdem könnten neue Branchen, die bisher nicht emissionshandelspflichtig sind – etwa die Schifffahrt – ebenfalls in das Emissionshandelssystem einbezogen werden. “Dies ist vermutlich erst der Beginn umfassenderer Regulierungsmaßnahmen, die mit dem Wiederbeitritt der USA zum Pariser Abkommen nun auf internationaler Ebene erfolgen”, mutmaßt LFDE..

Damit werden sich Waren und bestimmte Dienstleistungen – etwa der Transport – zwangsläufig verteuern. Die Unternehmen, die es sich erlauben können, werden den Preisanstieg zumindest teilweise an die Abnehmer weitergeben. Ohnehin besteht Inflationsdruck.

Politisches Streitthema CO2-Preis

Der CO2-Preis, der bisher zu gering war, um allzu viel Beachtung zu erhalten und wirklich technologische Innovationen anzureizen, könnte laut LFDE zu einem wirtschaftlichen und sogar politischen Streitthema werden. Denn werden Verbraucher bereit sein, höhere Preise für unverzichtbare Waren und Dienstleistungen hinzunehmen? Und werden die Aktionäre breitflächig geringere Gewinnmargen hinnehmen? Was bedeutet die verschärfte Regulierung für europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb?

Zwar hat China sich der Energiewende verschrieben, doch der Start eines CO2-Marktes wurde erst jüngst verschoben. Auch die USA sind noch weit von einem nationalen Handelssystem entfernt. Droht Europa also eine Carbon Leakage, eine Abwanderung von Unternehmen in Regionen, die keiner CO2-Bepreisung unterliegen?

Neue Asset-Klasse CO2

Für institutionelle Anleger ist klar, dass Wertpapiere, die von der Energiewende profitieren, am Beginn ihrer „Blütezeit“ stehen, so LFDE. Denn es gilt: je höher der CO2-Preis klettert, desto rentabler werden Investments in emissionsfreie Energien. Auch Finanzinstrumente sind vorstellbar, die direkt in den Preis von CO2 investieren. Zwar werfen die Zertifikate genauso wie Commodities keine direkte Rendite ab. Doch sie haben einen Nutzwert für Industrieunternehmen und Energieerzeuger. “Grundsätzlich fördert der Kauf von ausgestoßenem CO2, also die Stützung seines Preises, die Energiewende”, so LFDE. CO2 wird daher noch lange ein heißes Thema bleiben, ist Berranger überzeugt. Und zwar als Asset-Klasse, als Inflationstreiber, Zankapfel zwischen Wirtschaftsräumen oder auch Belastung der Unternehmensrentabilität. Letzteres hat CDP zum Anlass genommen, noch einmal den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, ihre Umweltdaten zu veröffentlichen.

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