Um die globalen Klimaziele zu erreichen, muss die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien auch in den Emerging Markets forciert werden. Michael Dittrich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt teilt die Erfahrungen der DBU mit diesen Schwellenländer-Investments.

Herr Dittrich, als Umweltstiftung wird Nachhaltigkeit bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in der Kapitalanlage großgeschrieben. Seit 2015 investiert Ihre Stiftung direkt in Anlagen für Erneuerbare Energien. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie?

Die wichtigsten Kriterien sind Standort, die Erfahrung und Erfolgsbilanz des Anbieters sowie die Qualität des Ertragsgutachtens: Wer hat es erstellt und welche Sicherheiten sind eingebaut bei der Ertragsprognose? Damit lässt sich abschätzen, ob die Erträge sich mit aller Wahrscheinlichkeit so einstellen werden wie prognostiziert. Und natürlich ist uns auch wichtig, dass es eine kapitalmarktgerechte Rendite gibt.

Fokussieren Sie sich auf Europa oder sind auch Emerging Markets für Sie attraktiv?

Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, die wir uns global gesetzt haben, reicht es nicht aus, die Erzeugung aus Erneuerbaren nur in Deutschland voranzutreiben. Gerade in schnell wachsenden Schwellenländern muss der Anteil der Erneuerbaren vorangetrieben werden. Schwierige Standorte wie Emerging Markets schließen wir daher nicht grundsätzlich aus. Wir sind auch bereits in solche Projekte investiert. Aber natürlich müssen sich höhere Risiken in einer höheren Rendite niederschlagen. Aufgrund der langen Laufzeit solcher Projekte – oft zehn bis 15 Jahre – ist beispielsweise die Frage der politischen Stabilität in diesen Ländern wichtig. Deshalb schauen wir nach Absicherungskonstruktionen. Zum Beispiel gibt es Modelle, in denen Entwicklungsbanken bestimmte Risiken abfedern und etwa eine First-Loss-Tranche übernehmen.

Lokale Banken sind auf solche langfristigen Projekte häufig nicht ausreichend eingestellt. Das hat auch eine Studie des Bonner Südwind-Instituts zur Additionalität von Green Bonds gezeigt, die wir vergangenes Jahr finanziert haben. Sie zeigte, dass Green Bonds in Schwellen- und Entwicklungsländern besonders wirksam sind. In diesen Ländern sind diese Vehikel oft die einzige Finanzierungsform, damit ein nachhaltiges Projekt überhaupt zustande kommt. Andererseits wurde festgestellt, dass von über 400 untersuchten Emittenten dieser Wertpapiere nicht einmal die Hälfte offenlegt, welche konkreten Projekte mit den Green Bonds finanziert werden.

Wie sind die konkreten Erfahrungen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt?

Wir haben 2006 erstmals in einen Fonds in diesem Bereich investiert. Diese Fonds sind aus Gründen der Risikominimierung meist über mehrere Kontinente und Länder investiert. Es ist nie auszuschließen, dass es in einzelnen Ländern zu Problemen kommt. Wir hatten schon Probleme mit Korruption in Nicaragua oder bürgerkriegsähnliche Unruhen in Kenia, die zu Problemen beim Kapitalrückfluss geführt haben. Am Ende hatten wir dadurch aber keine Performance-Nachteile, weil dies durch die Diversifikation in andere Projekte aufgefangen wurde. Unsere Investitionen sind alle in dem zu erwartenden Zielkorridor geblieben.

Gibt es ausreichend Opportunitäten am Markt?

Wir glauben ganz grundsätzlich, dass es Chancen geben würde in Entwicklungsländern, wenn sich die Gesellschaften die Mühe machen würden, sich auf die speziellen Bedingungen dieser Märkte einzulassen. In Europa und den USA gibt es Projekte mit relativ großem Volumen im dreistelligen Millionenbereich, die von großen Anbietern offeriert werden. Denn es ist natürlich einfacher, größervolumige Fonds auszurollen.

Wir würden aber Chancen sehen für einen Nischenanbieter, der Projekte mit geringeren Volumina entwickelt. In Afrika zum Beispiel sind die Projekte sehr viel kleinteiliger. Dies bedeutet natürlich mehr Verwaltungsaufwand. Wir brauchen aber Partner mit Kompetenz, die sich vor Ort auskennen und auch Projekte im niedrigen zweistelligen Millionenbereich realisieren, in die ein Anleger mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag einsteigen kann.Entwicklungsbanken sind dem gegenüber durchaus aufgeschlossener.

Und in Europa?

In Deutschland stockt der Markt, es gibt kaum noch neue Anlagen. In Skandinavien werden aber eine Menge Projekte angeboten. Wir schauen uns den Markt an.

Über alle Regionen hinweg: Welche Renditen sind möglich?

Generell sind bei Windenergieprojekten die Erträge etwas höher, die Einspeisung schwankt aber stärker. Solarenergie liefert in der Regel geringere Beiträge, hat aber den Vorteil, dass die Erträge stabiler sind. Deshalb ist auch hier ein Mix notwendig. Bei den laufenden Ausschüttungen liegen wir in der Regel bei 4 bis 4,5 Prozent. Die Renditen liegen etwas höher bei 6 Prozent und mehr – immer unter Annahme, dass die Anlagen am Ende auch zu vorteilhaften Konditionen verkauft werden können.

Michael Dittrich ist stellv. Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und Rechtsanwalt. Lesen Sie hier mehr über die DBU.

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