Frederic Poizat, Senior Expert Pension Risk & Asset Management bei der Deutschen Post, und Volker Kurr, Head of Europe Institutional bei LGIM, sprachen mit dpn über die Vor- und Nachteile der passiven EMD-Anlagen mit ESG-Fokus.

Im Rahmen einer Studie ist die Abteilung Group Pensions der Deutsche Post DHL im Jahr 2019 zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Viele aktive Mandate verliefen enttäuschend, die erhoffte Outperformance stellte sich nicht ein.

Die Bonner präferieren seit Jahren passive Investmentansätze, die sich kostengünstig umsetzen lassen für die Realisierung benchmarknaher Investments in Asset-Klassen mit hoher Informationseffizienz. Ein Beispiel sind Aktien Large Caps. Emerging Markets Debt (EMD) haben die Anlageexperten im Rahmen der Untersuchung dann als eine weitere Asset-Klasse identifiziert, die sich für einen passiven Investmentansatz mit ESG Benchmark eignet.

Denn auch bei der Deutschen Post geht der Trend Richtung ESG. Dafür sprechen nicht nur die steigenden regulatorischen Anforderungen und die Go Green Initiative des Konzerns. Auch legen aktuelle Zahlen nahe, dass nachhaltige Investments das Rendite-Risiko-Profil stärken.

ESG verbessert Risiko-Rendite-Profil

Bereits seit 2018 vergibt die Deutsche Post in den relevanten Asset-Klassen nur noch Mandate, in denen ESG Kriterien bei Investmententscheidungen explizit berücksichtigt werden. In 2019 wurde bei der Vergabe der Schwellenländeranleihen Mandate erstmalig eine explizite ESG Benchmark implementiert.

Im EMD-Segment hat sich der passive ESG-Ansatz einerseits deshalb als sehr robust erwiesen, da Länder und Staatsunternehmen ausgeschlossen sind, die stark den Ölpreisschwankungen ausgesetzt waren. Zudem performen Länder mit Problemen im sozialen Bereich – etwa Kinderarbeit – oder mit schlechter Governance volatiler. Auch kann sich ein Investor Reputationsrisiken ins Portfolio holen, etwa wenn Länder enthalten sind, die an der Rodung des Regenwalds oder anderen klimaschädlichen Praktiken beteiligt sind.

„Der ESG Index ist tendenziell defensiver, da zum Beispiel solche Länder exkludiert werden, die Probleme mit der Governance-Struktur haben“, so Poizat. Ein vergleichsweise krisenfestes, stabiles Land wie Uruguay wird indes übergewichtet

Die Bonner haben für ihre EMD-Investments Legal & General Investment Management (LGIM) mandatiert. Der Fondsmanager hat Anfang 2019 zwei passive ESG-Fonds lanciert – einen in Hartwährung und einen in Lokalwährung. Als Benchmark dienen die ESG-Schwellenländerindizes von J.P. Morgan, erläutert Kurr.

Ende September verwaltete LGIM rund 5 Milliarden Euro in diesen EMD ESG-Vehikeln. Damit machen die nachhaltigen Produkte bereits 25 Prozent des gesamten im EMD-Index-Bereich gemanagten Kapitals in Höhe von 20 Milliarden Euro aus, mit steigender Tendenz. Das Verhältnis von Lokal- zu Hartwährung liegt den Angaben zufolge bei 60:40.

Laut Poizat ist die Deutsche Post Treuhand sowohl im Hard Currency Bereich als auch im Local Currency Bereich in EMD-Vehikel von LGIM investiert. Dabei entfallen zwei Drittel auf den Hartwährungsfonds, um Währungsrisiken im Portfolio zu minimieren. Insgesamt sind rund 4 Prozent des Kapitals in die diese Vehikel angelegt. Sukzessive soll der Anteil ausgebaut werden.

 

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