Die Pandemie trifft die Schwellenländer unterschiedlich stark. Impact-Strategien bieten Anlegern Chancen.

Die Schwellenländer reagieren verschieden auf das Pandemie-Jahr und seine Folgen. Fragen zu den Emerging Markets beantworten Lars Detlefs, Managing Director Institutional Sales für Deutschland und Österreich bei MFS, Thomas Body, Business Development Director und Head of Germany and Switzerland (DACH) bei Eaton Vance Global Advisors und Gerhard Engler, Geschäftsführer bei Nomura Asset Management Europe.

1. Welche Emerging-Markets-Länder gehen gestärkt aus der Corona-Krise?

Detlefs: Bei Schwellenländeranleihen ist es entscheidend, zwischen einzelnen Ländern zu differenzieren. Die Leistungsbilanzen vieler Emerging Markets waren zumeist bei Beginn der Krise robust. Gleichwohl bestehen zwischen den Ländern Unterschiede hinsichtlich der Kreditwürdigkeit. Wir konzentrieren uns auf Länder, die überlegene spezifische Merkmale aufweisen und von den innenpolitischen Reformen ihres Landes profitieren dürften.

Body: Nach Regionen betrachtet, schneiden Asien und Subsahara-Afrika relativ besser ab als Osteuropa und Lateinamerika, wenn auch unter dem Vorbehalt, dass die offiziellen Daten nicht immer die vollständige Situation erfassen. Insgesamt werden Länder, die sich sowohl auf eine COVID-19-Reaktion als auch auf Strukturreformen konzentrieren, besser für eine Erholung gerüstet sein, wenn die Pandemie abklingen wird.

Engler: Die asiatischen Länder sind ein Gewinner der Corona-Krise. Die nordasiatischen Länder Südkorea, Taiwan und China zum Beispiel konnten die Ausbreitung des Virus schnell einschränken und entsprechend früher setzte die Erholung ein. Selbst im dicht bevölkerten Südostasien sind die Auswirkungen der Krise geringer als etwa in Lateinamerika. Dies gilt selbst für Indien, das in Asien wohl am stärksten von der Krise betroffen ist.

2. Wo erwarten Sie Verschiebungen?

Detlefs: Wir sehen zwei Wege für eine wirtschaftliche Erholung: 1) durch Stimulierungsbemühungen, monetäre Anpassungen und fiskalische Unterstützung; 2) durch einen Übergang zu einem vom Privatsektor getragenen Wachstum, sobald Impfstoffe in größerem Umfang verfügbar sein werden und die virusbedingten Beschränkungen gelockert werden. Angesichts der zu erwartenden anhaltenden Volatilität glauben wir, dass verbesserte Bewertungen der Schwellenländer selektive Chancen bieten.

Body: Wie bei den entwickelten Märkten haben die Schuldenquoten in einigen Schwellenländern erheblich zugenommen. Während einige Schwellenländer die steigende Verschuldung in den Griff bekommen können, könnte sie für andere untragbar werden. Für uns unterstreicht die Veränderung der Schuldendynamik mehr denn je die entscheidende Rolle von länderfokussiertem Research und länderfokussierter Analyse für diese Anlageklasse.

Engler: Die wichtigste Veränderung sehen wir am Anleihenmarkt. Die expansive Fiskalpolitik in den Schwellenländern erhöht deren Refinanzierungsbedarf und lässt die Staatsanleihenmärkte wachsen. Mithin steigen aber auch deren Risiken und Volatilität. Für uns als aktiven Manager bietet das Chancen. Insgesamt wird die Bedeutung der asiatischen Lokalwährungsanleihen steigen. Hier sind die Renditen im Vergleich zu den entwickelten Ländern attraktiv für globale Investoren.

3. Gewinnt das Thema ESG auch für die Emerging Markets an Relevanz?

Detlefs: Das Thema ESG sollte in ein unabhängiges Research eingebettet sein, da die soziale Stabilität und die Qualität der Regierungsführung für die Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Landes von entscheidender Bedeutung sind: Schließlich können sie sich unmittelbar auf die Fähigkeit und Bereitschaft einer Regierung auswirken, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Aspekte der Governance sind explizit in unserem sogenannten Sovereign-Risk-Modell enthalten.

Body: ESG-Faktoren waren schon immer von entscheidender Bedeutung für Investitionen in Schwellenländeranleihen und ein Schwerpunktbereich unseres Teams. Immer mehr Anleger sind auch dieser Ansicht, daher sind wir davon überzeugt, dass unser Engagement in den einzelnen Ländern und unser Ansatz zur Integration von ESG-Faktoren in unsere Länderanalyse weiterhin einen Mehrwert für Anleger schaffen.

Engler: Dort ist es sogar ganz besonders wichtig. Auf den ersten Blick gibt es dort zwar weniger Unternehmen, die nach westlichen Standards nachhaltig sind. Und die Datenlage zu ESG-Faktoren ist auch dünner. Aber dafür kann man in Schwellenländern mit Impact-Strategien viel bewegen. Es gibt dort zum Beispiel einzigartige Ökosysteme, die geschützt werden müssen, oder eine ausbaufähige Gesundheitsversorgung. Daraus ergeben sich Anlagechancen.

 

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