Die Deutsche Post DHL Group hat die Asset-Klasse Emerging Market Debt auf einen benchmarkbasierten Ansatz mit ESG umgestellt. Frederic Poizat, Senior Expert Corporate Finance/Group Pensions & Asset Management bei der Deutschen Post DHL Group, teilt die Erfahrungen und verrät, ob weitere Anlageklassen folgen könnten.

Herr Poizat, wie ist die Altersvorsorge bei der Deutschen Post AG aufgestellt?

Poizat: In der Altersvorsorge für Deutschland nutzen wir seit 2013 vor allem ein CTA als Pensionsvehikel, was uns größere Freiheitsgrade in der Kapitalanlage gewährt. Im kleineren Umfang nutzen wir für die Altersvorsorge auch einen BaFin-regulierten Pensionsfonds. Den Kern unserer Kapitalanlagestrategie bildet ein globales, breit diversifiziertes Portfolio über alle gängigen Asset-Klassen. Für Teile des Portfolios nutzen wir darüber hinaus auch Wertsicherungsstrategien zur Minimierung von möglichen Verlusten in Zeiten erhöhter Volatilität. In der Summe diversifizieren wir unsere Kapitalanlage zusätzlich zur Verteilung auf unterschiedliche Asset-Klassen und Asset Manager auch mittels unterschiedlicher Risikomanagementkonzepte.

Als internationales Unternehmen sind Ihre Pensionsverpflichtungen auch global verteilt. Welche Anlagestrategie verfolgen Sie im Management Ihrer Pensionsvermögen? Gibt es hier regionale Unterschiede?

Poizat: Die Anlagestrategien unterscheiden sich je nach Land, vor allem aufgrund unterschiedlicher regulatorischer Anforderungen, zum Teil erheblich. Während wir für die deutschen Pensionsvehikel aus Deutschland heraus die Kapitalanlagestrategie gesamthaft entwickeln und umsetzen, sehen wir uns als Pensions-Dienstleister für unsere lokalen Einheiten in den unterschiedlichen Ländern und unterstützen diese in allen Fragen des Risikomanagements. Einfluss auf die Kapitalanlagestrategie nehmen wir hier vor allem über diverse Gremiensitze wahr – zum Beispiel im Stiftungsrat in der Schweiz oder Trustee Board in England. Die Kapitalanlagestrategie richtet sich dann maßgeblich an den Anforderungen des jeweiligen Landes aus – zum Beispiel hinsichtlich Bedeckungsquoten.

Sie planen den Ausbau Ihrer passiven Anlagestrategien. Was ist der Hintergrund?

Poizat: Insgesamt ist unser passiver Anteil in der deutschen Kapitalanlage bereits jetzt relativ hoch, da wir auch mit Wertsicherungsmandaten und einem Risiko-Overlay mit Risikobudget arbeiten. Dies ist nur dann konsequent durchführbar, wenn man passiv anlegt.

Welche Asset-Klassen betrifft dies?

Poizat: In globale Staatsanleihen haben wir schon immer passiv investiert, weil eine Outperformance von aktiven Managern seltener vorkommt und schwierig zu erzielen ist. Im Rahmen einer Untersuchung in 2019 haben wir Emerging Markets Debt als eine Asset-Klasse identifiziert, die sich durchaus für einen passiven Investmentansatz eignet. Oft wird argumentiert, dass es ein Vorteil ist, wenn aktive Manager Experten vor Ort haben. Aber ein Blick auf die Performance unserer Anlagen hat das nicht immer bestätigt.

Außerdem ist EMD nach unserer Einschätzung eine Anlageklasse, in der ein ESG-Ansatz Sinn macht. Denn es werden zum Beispiel Länder ausgeschlossen oder untergewichtet, die bestimmte Standards hinsichtlich Governance, sozialer Bedingungen oder Umweltstandards nicht erfüllen. Das betrifft zum Beispiel Länder mit Problemen durch erhöhte Korruption. Kinderarbeit oder umweltschädliche Aktivitäten, wie die Rodung des Regenwalds, können so ebenfalls ausgeschlossen werden. Ein vergleichsweise krisenfestes, stabiles Land wie Uruguay wird dagegen übergewichtet.

Werden andere Asset-Klassen folgen?

Poizat: Es gibt Überlegungen im Aktienbereich und auch den High-Yield-Bereich schauen wir uns für die Umsetzung passiver Investmentansätze an. Alle Anlageklassen eignen sich jedoch nicht für die passive Umsetzung. In Bereichen, in denen Informationsasymmetrien vorhanden sind, werden wir auch weiter aktive Mandate haben.

Sie erwähnten bereits ESG-Kriterien im Zusammenhang mit EMD. Wie wird sich das künftig entwickeln?

Poizat: Bereits seit 2018 vergeben wir in den relevanten Asset-Klassen nur noch Mandate, in denen ESG-Kriterien bei Investmententscheidungen explizit berücksichtigt werden. Dafür sprechen viele Gründe. Zum einen nehmen die regulatorischen Anforderungen in diesem Bereich immer weiter zu, zum anderen unterstützen wir die Initiative des Konzerns, bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen auf netto null zu reduzieren. Diese Initiative hat auch zu vermehrten Anfragen unserer Leistungsempfänger geführt: Sie wollen wissen, inwieweit die Kapitalanlage nachhaltig angelegt ist, wenn sich der Konzern zur Klimaneutralität verpflichtet.
Außerdem legen aktuelle Zahlen nahe, dass nachhaltige und verantwortungsbewusste Investments das Rendite-Risiko-Profil stärken, wenngleich positive Ausschläge nicht immer vollständig realisiert werden können. Aufgrund des defensiveren Charakters von ESG-Anlagen verhalten sich diese in Krisenzeiten robuster. Die Corona-Krise hat dies gezeigt: Die Ausschläge nach unten sind im ESG-Bereich längst nicht so hoch ausgefallen wie im traditionellen Portfolio, und zwar nicht nur bei EMD. Letztlich vereint es das Beste aus beiden Welten, wenn man eine kostengünstige passive Anlage mit ESG verbinden kann.

Wie hoch ist Ihr Engagement in Schwellenländeranleihen?

Poizat: Wir sind aktuell mit zirka 4 Prozent in Schwellenländeranleihen investiert. Davon stecken zwei Drittel im Hartwährungsfonds und ein Drittel steckt im Lokalwährungsbereich. Wir wollen breit aufgestellt sein, auch regional. Und da kommt man an Emerging Markets nicht vorbei. Außerdem sprechen die demographische Entwicklung und das Wirtschaftswachstum für diese Länder.

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