Investoren schwanken zwischen der Sorge um die Wirtschaft und der Hoffnung, dass die schlimmsten negativen Auswirkungen durch geldpolitische und konjunkturstützende Maßnahmen gemildert werden können, beobachtet M&G Investments.

Die aktuelle Stresssituation könnte bei Schwellenländeranleihen zu steigenden Ausfallraten führen, erwartet Claudia Calich, Managerin des M&G (Lux) Emerging Markets Bond Fund. „In den letzten Wochen sind Investoren in Scharen aus Staats- und Unternehmensanleihen der Schwellenländer geflüchtet und die fallenden Kurse haben die Anleiherenditen auf ein Niveau gehoben, das sich nur mit der Finanzkrise 2008 vergleichen lässt.” Bei den aktuellen Bewertungen des Index für Schwellenländer-CDS – also den Prämien für Kreditausfallversicherungen – würden Anleger davon ausgehen, dass fast jedes dritte Schwellenland in den kommenden fünf Jahren seine Schulden nicht fristgerecht bedienen kann. Dennoch erkennt Calich einen Silberstreif am Horizont: „Die Situation ist zwar sehr ernst und wird wohl zu höheren Ausfallraten führen, aber es ist doch unwahrscheinlich, dass so viele Emittenten in den kommenden Jahren zahlungsunfähig werden.“

Differenziertere Neubewertung nötig

An den längerfristig unterschiedlichen Auswirkungen des Preisverfalls bei Öl zeige sich, dass Anleger möglicherweise überreagiert und Emittenten undifferenziert abgestraft haben, so Claudia Calich weiter. Mit unter 30 US-Dollar pro Barrel wird Öl derzeit für weniger als die Hälfte des Preises vom Januar 2020 verkauft. Für ölexportierende Schwellenländer sei das eine große Herausforderung und könne ihre Fähigkeit zur Schuldentilgung beeinträchtigen. Staaten wie Russland verfügten über einen robusten Haushalt und könnten eher mit niedrigeren Öleinnahmen fertig werden als andere Länder, zum Beispiel Ecuador. Für Länder, die Öl importieren müssen, bedeuten sinkende Preise dagegen einen Schub für ihre Zahlungsbilanz. Sie könnten dadurch besser gerüstet sein, um die globale Rezession zu überstehen.

Nach Ansicht von M&G Investments war es deshalb richtig, dass die Märkte Ölexporteure neu bewertet haben. Auch die Neubewertung von Ländern oder Unternehmen, die stark vom Tourismus abhängig sind, sowie von Unternehmensanleihen mit sehr schwacher Liquidität oder großen Refinanzierungsrisiken, sei richtig. So spiegelten sich schwächere Fundamentaldaten wider, die in den nächsten sechs bis zwölf Monaten oder länger anhalten könnten. „Aber wir haben auch einige Anleihen gesehen, die unserer Meinung nach beim Ausverkauf zu viel verloren haben. Dazu gehörten ölimportierende Länder ohne Einnahmen aus dem Tourismus, wie die Elfenbeinküste, Ruanda, Pakistan oder Honduras, sowie nicht zyklische Firmenadressen aus dem Gesundheits- und Lebensmittelsektor“, sagt Claudia Calich.

Schlüsselfaktor Asset-Allokation

Grundsätzlich gelte weiterhin: Wer in Schwellenländer investiert, sollte Chancen und Risiken breit streuen und weltweit verschiedene Instrumente mischen. Ein Schlüsselfaktor sei die richtige Asset-Allokation zwischen Staats- und Unternehmensanleihen, die in Hartwährungen und lokalen Schwellenmarktwährungen emittiert werden. Momentan gehe es vor allem darum, die Risiken zu reduzieren und die Volatilität zu kontrollieren. Die Expertin von M&G Investments hält eine deutliche Untergewichtung bei Lokalwährungsanleihen für geboten. Länder wie Russland, Malaysia, Indonesien, die Dominikanische Republik, Peru und Mexiko könnten hier interessant sein. Insgesamt seien derzeit jedoch Anleihen in US-Dollar attraktiver.

„Es ist derzeit nach wie vor schwierig, die tatsächlichen Auswirkungen auf das globale Wachstum und damit auf Unternehmen und Staaten abzuschätzen. Im April wird die Weltbank ihre aktualisierten Prognosen zum Wirtschaftswachstum der Schwellenländer veröffentlichen – und diesen Termin sollten sich Anleger unbedingt vormerken“, sagt Claudia Calich.

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