Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, wirft einen Blick auf die Gewinner und Verlierer von Aktien und Bonds vor dem Hintergrund der Covid-19-Krise.

Zunächst ein Blick auf die festverzinslichen Wertpapiere: Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung bieten durchaus gewinnbringende Vermögenswerte zu attraktiven Preisen, so die Einschätzung von Paolini. Hintergrund sind die unterbewerteten Währungen der Volkswirtschaften in den Emerging Markets.

Schließlich haben Zentralbanken im Jahr 2020 bereits Liquidität im Wert von 14 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) ins System gepumpt. Sie werden daher versuchen, den Anstieg der Anleiherenditen zu begrenzen, dem deflationären Druck entgegenzuwirken und das Wachstum auf Kurs zu halten. Dabei verfügen sie über mehr als genug Mittel für eine langfristig lockere Geldpolitik, so Pictet.

Die Anleihenmärkte haben dies aber zum größten Teil bereits eingepreist. Für Fixed-Income-Anleger bedeutet das wenige Aufwärts-, aber viele Abwärtsrisiken, insbesondere für Staatsanleihen. Negative Realzinsen dürften dagegen für inflationsgeschützte Anleihen eine Outperformance mit sich bringen. Gewinner in diesem Szenario könnten daher Emerging-Markets-Anleihen in Lokalwährung sein, so das Fazit.

Aktien: Erträge nicht so hoch wie in den Vorjahren?

Aktien indes werden in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich niedrigere Erträge abliefern als in den vergangenen zehn Jahren. Warum? Die Bewertungen sind in der aktuellen Phase des Konjunkturzyklus hoch. Das Wirtschaftswachstum werde zudem eher mäßig ausfallen.

Auch die Gewinnmargen der Unternehmen stehen nach wie vor unter Druck, was natürlich vor allem auch der Corona-Pandemie geschuldet ist. Dabei werden US-Aktien werden wohl schlechter abschneiden als andere globale Aktienmärkte. Denn US-Aktien werden derzeit zu Rekordprämien in einer teuren Währung gehandelt, sagt Paolini mit blick auf den erstarkten US-Dollar.

Aktien aus Europa und den Schwellenländern in Asien werden indes nach Einschätzung von Pictet besser abschneiden. Top Performer werden wohl chinesische Aktien sein. Die relative Stärke Asiens dürfte sich vor allem bei Technologiewerten zeigen, so die Überzeugung der Asset Manager. In Europa sieht Paolini indes Chancen für deutsche Aktien. Die Fundamentaldaten seien gut, und es gebe notfalls weiteren Raum für fiskale Stimuli.

Institutionelle Anleger sollten von einem traditionellen ausgewogenen Portfolio Abstand nehmen, wenn sie in den nächsten fünf Jahren attraktive einstellige Realrenditen erzielen wollen, so Paolini. Sie sollten vermehrt in Schwellenländer, alternative Anlagen, inflationsgeschützte Staatsanleihen und Absolute-Return-Strategien anlegen, rät der Experte.

„Jede globale Krise hinterlässt Spuren. Die Covid-19-Pandemie wird ebenso disruptiv sein wie die Krisen der 1970er, 1980er und 2000er Jahre.”
Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management

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