Kalenderwoche 11: So schätzen Wirtschaftsexperten die aktuellen Entwicklungen ein.

15. März: Die US-Notenbank ergreift dramatische Maßnahmen, indem sie die Zinssätze senkt und die quantitative Lockerung sowie andere Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus wieder einführte.

Mit den soeben angekündigten Maßnahmen leistet die Fed ihren Beitrag. Am wichtigsten ist meines Erachtens das starke Element der regulatorischen Nachsicht: Die Fed hat laut und deutlich erklärt, dass die Banken nun die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen vorrangig behandeln sollten; umsichtige Kapital- und Liquiditätspuffer wurden genau zur Vorbereitung auf eine Eventualität wie die gegenwärtige benötigt, und jetzt ist es an der Zeit, sie einzusetzen. Genau aufs Stichwort haben die zehn größten US-Banken bereits angekündigt, dass sie ihre Bemühungen sofort auf die Kreditvergabe an “Privatpersonen, kleine Unternehmen und die Wirtschaft im Allgemeinen” konzentrieren und alle Aktienrückkäufe bis Juni aussetzen werden.

Sonal Desai, CIO, Franklin Templeton Fixed Income

 

12. März: EZB-Maßnahmen: Gut, aber auch gut genug?

“Christine Lagarde versteht es, in schwierigen Zeiten rasch und mutig zu handeln. Statt sich zu sinnlosen Zinssenkungen verleiten zu lassen, zielen die heute beschlossenen Maßnahmen darauf ab, die europäischen Unternehmen in der schwierigen Situation zu stützen. Das ist ein ermutigendes Zeichen und sollte helfen, ungewollte Zweitrundeneffekte zu vermeiden. Denn mit ihren Maßnahmen hilft die EZB, konjunkturelle Risiken, die sich im Zuge von Kapitalmarktverwerfungen einstellen könnten, entscheidend abzumildern.

Die EZB hätte aber noch mehr tun können: Eine stärkere Risikoübernahme durch eine noch mutigere Erhöhung des Ankaufsprogramms wäre eine große Hilfe gewesen. Auf nachhaltig steigende Kurse kann man erst hoffen, wenn das Corona-Virus wirksam bekämpft werden kann.”

Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt Union Investment

 

12. März: Die EZB folgte heute den Linien wichtiger Notenbanken, wie jüngst in den USA – und hat erwartungsgemäß mit einem großen Paket an Lockerungsmaßnahmen auf den Coronavirus-Notstand reagiert. Das Paket beinhaltet keine weitere Zinssenkung; es konzentriert sich auf die Bereitstellung von mehr Liquidität für reibungsloses Funktionieren der Finanzmärkte und die Kreditversorgung der Realwirtschaft.

“Während das Ausbleiben einer Zinssenkung eine kleine Enttäuschung für die Finanzmärkte war, sind die von der EZB vorgeschlagenen Maßnahmen unter den gegenwärtigen Umständen sinnvoller. So wären zusätzliche Zinssenkungen wahrscheinlich kontraproduktiv für die Realwirtschaft – während sich eine Konzentration auf die Liquidität als nützlicher erweisen könnte, um mittelständische Unternehmen beziehungswiese KMU, also das Rückgrat der Wirtschaft der Eurozone, direkter zu unterstützen.”

Silvia Dall’Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes

 

12. März: Die EZB-Bankenaufsicht reagiert auf das Coronavirus. Sie kündigt eine Reihe von Maßnahmen an, mit denen sichergestellt werden soll, dass die direkt von ihr beaufsichtigten Banken weiterhin ihre Rolle bei der Finanzierung der Realwirtschaft erfüllen können, wenn sich die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise bemerkbar machen.

Die Kapital- und Liquiditätspuffer wurden seinerzeit so ausgestaltet, dass die Banken für Stresssituationen wie die aktuell vorliegende gewappnet sind. Der europäische Bankensektor hat solche Puffer in beträchtlicher Höhe aufgebaut. Die EZB wird den Banken vorübergehend eine geringere Kapitalunterlegung im Zusammenhang mit der Säule-2-Empfehlung, dem Kapitalerhaltungspuffer und der Liquiditätsdeckungsquote gestatten. Sie ist der Auffassung, dass sich die Wirkung dieser temporären Maßnahmen noch verstärken lässt, wenn die nationalen makroprudenziellen Behörden eine entsprechende Lockerung des antizyklischen Kapitalpuffers vornehmen.

„Das Coronavirus erweist sich als erheblicher Schock für unsere Volkswirtschaften. Die Banken müssen weiterhin in der Lage sein, privaten Haushalten und Unternehmen, die sich vorübergehend in Schwierigkeiten befinden, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die heute beschlossenen aufsichtlichen Maßnahmen zielen darauf ab, Banken bei der Finanzierung der Wirtschaft und der Bewältigung ihrer operativen Herausforderungen, unter anderem die Belastung ihrer Beschäftigten, zu unterstützen“

Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der EZB

 

12. März: Pictet Strategy Unit von Pictet Asset Management kommentiert die Situation an den Märkten:

“Die heftigen Marktreaktionen auf die sich schnell ausbreitende Coronavirus-Epidemie und den von den Saudis ausgelösten Ölpreiskrieg haben die Aktien potenziell für eine scharfe, wenn auch kurzfristige Erholung bereit gemacht. Der Schock für die Märkte wird durch den Anstieg des VIX, des Aktienmarkt-Volatilitätsindex, unterstrichen, der den größten Dreimonatsanstieg seit dem Crash am Schwarzen Montag im Jahr 1987 verzeichnete, der sogar noch größer war als während der Lehman Brothers-Krise.

Eine Erholung der Aktienmärkte ist umso wahrscheinlicher, wenn die politischen Entscheidungsträger koordinierte Konjunkturmaßnahmen ergreifen, ähnlich wie es Großbritannien am Mittwoch mit einer Notfallzinssenkung der Bank of England und einem riesigen Finanzpaket getan hat. Daher erhöhen wir unsere taktische Positionierung bei Aktien von der Untergewichtung auf neutral und trimmen die Liquidität auf neutral.”

 

11. März: Corona-Virus: Langfristige Chancen auf Nachholeffekte

“Der Einbruch des Ölpreises von über 30 Prozent wird langfristig wirken und realwirtschaftliche Auswirkungen auf viele ölproduzierende Schwellenländer und Ölfirmen haben. Hinzu kommt, dass der US-High-Yield Anleihemarkt von Energieunternehmen dominiert wird. Viele der betroffenen Unternehmen könnten beim derzeitigen Ölpreis in Konkurs gehen. Eine Kettenreaktion im Bereich Corporate Credit ist derzeit noch nicht auszuschließen. Doch auch hier eine gute Nachricht: Der markante Rückgang beim Ölpreis wird auf mittlere Sicht allerdings auch konjunkturstabilisierend wirken.“

Richard Zellmann, Geschäftsführer von First Private Investment Management

 

Das dpn-Team wünscht Ihnen viel Kraft und vor allem Zuversicht in dieser herausfordernden Zeit. Bleiben Sie gesund!

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