Kalenderwoche 14: So schätzen Wirtschaftsexperten die aktuellen Entwicklungen ein.

03. April: Die Chancen auf die Stabilisierung der Märkte sind nach Einschätzung von HSBC Global Asset Management bereits da. Das hat viel mit den politischen Antworten auf die Krise zu tun. Notenbanken weltweit sind auf eine Nullzinspolitik ein geschwenkt, die zumindest in der westlichen Welt längere Zeit andauern dürfte. Davon werden die Aktienmärkte in den Emerging Markets profitieren.

“Gerade die asiatischen Märkte zeichnen sich derzeit durch eine sehr attraktive Bewertung aus. Der Abschlag gegenüber den Märkten in den entwickelten Ländern, den wir derzeit beobachten, lässt sich eigentlich nur durch ein latent vorhandenes Misstrauen der Investoren erklären. Doch der Blick auf die Art, wie diese Länder die Corona-Krise managen, die Aussicht auf die hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten und das starke technologische Niveau in vielen dieser Länder müsste eigentlich das Interesse der Investoren wecken.“
Dr. Axel Cron, Chief Investment Officer, HSBC Global Asset Management (Deutschland)

 

02. April: In der vergangenen Woche haben 6,64 Millionen US-Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt und damit doppelt soviel wie in der Vorwoche. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit übertrifft somit die schlimmsten Befürchtungen und stellt alles in den Schatten, was die USA am Arbeitsmarkt jemals erlebt haben, schreibt die Commerzbank. Die Daten zeigen an, dass die Wirtschaft in der zweiten Märzhälfte eine Vollbremsung vollführt hat. Der bisherige Rekord bei der Arbeitslosenquote aus dem Jahr 1982 liegt bei 10,8 Prozent. Bezogen auf den heutigen Arbeitsmarkt wären das knapp 18 Millionen Arbeitslose. Der Arbeitsmarktbericht für April, der am 8. Mai ansteht, wird katastrophal ausfallen und könnte bereits einen neuen Höchststand bei der Arbeitslosenquote bringen, so die Commerzbank. Noch im Februar lag die Arbeitslosenquote lediglich bei 3,5 Prozent.

 

02. April: Die Produktionsausfällen während der Coronakrise werden die Länder Europas Hunderte von Milliarden Euro kosten. Das haben neue Berechnungen des ifo Instituts ergeben. Untersucht wurden Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich.

„Neben medizinischen sprechen auch ökonomische Gründe dafür, massiv in den Gesundheitsschutz zu investieren. So lässt sich die Epidemie eindämmen – und gleichzeitig könnten wir danach Schließungen von Schulen und Betrieben schrittweise aufheben.”
ifo-Präsident Clemens Fuest

 

01. April: Chinas Einkaufsmanagerindex hat nach seinem Februar-Tief im März zugelegt, was auch Auswirkungen auf das chinesische BIP-Wachstum haben dürfte. Aus Anlegersicht könne deshalb die zweite Jahreshälfte eine gewisse Erholung bringen, sagt Lale Akoner, Marktstrategin bei BNY Mellon Investment Management. Sie hält “einen eher risikoscheuen Ansatz für sinnvoll” – zumindest solange, bis klar sei, wann die expansive Geld- und Finanzpolitik zu einer nachhaltigen Markterholung führt und bis die Zuwachsrate der Neuinfektionen in den jeweils betrachteten Ländern zu sinken beginnt.

“Es gibt jedenfalls Potenzial für einen starken Aufschwung und attraktive Einstiegsgelegenheiten. Wir haben keine Blaupause, die den Start der Erholung festlegen würde. In China allerdings sieht es so aus, dass der Aktienmarkt seinen Tiefpunkt anderthalb Wochen nach Beginn der Ausgangssperre erreicht hat.”

Lale Akoner, Marktstrategin bei BNY Mellon Investment Management

 

01. April: Covid-19 werde bei einer Aufhebung der Quarantänemaßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ähnliche Mutation durchlaufen wie einst bei der Spanischen Grippe, meinen die Experten von GAM Investment. Dies mache die Entwicklung eines Impfstoffs noch komplizierter – dieser sollte auch Immunität vor künftigen Stämmen des Virus garantieren. Bis dahin müssten die Staaten die interne und externe Reisetätigkeit streng überwachen, wenn die Abriegelung über die kommenden Monate gelockert wird. Ein abruptes und verfrühtes Ende der Eindämmungsstrategie, wie von Präsident Trump für die USA angestrebt, könnte für die Wirtschaft und den Gesundheitssektor im Fall einer zweiten Welle potenziell verheerend sein.

“Aus einer Risikomanagement-Perspektive birgt eine Verbesserung der Covid-19-Situation aus Anlegersicht drei Kernrisiken: Die Frage, ob mit den Mitteln der Fiskalpolitik verhindert werden kann, dass die Angebots- und Nachfrageschocks noch stärker werden, die Auswirkungen des Virus auf das BIP-Wachstum der Industrieländer im zweiten Quartal und die Gefahr einer zweiten Welle. Wir glauben, dass die Gefahr einer zweiten Welle deutlich ernster zu nehmen ist als die beiden ersten Risiken. Covid-19 hat gezeigt, dass es sich auch ohne Mutation mit tödlicher Gewalt rasant ausbreiten kann. Bevor die Weltwirtschaft sich erholen kann, braucht es eine Bestätigung, dass die Risiken einer zweiten Welle unter Kontrolle sind.”

Charles Hepworth, Investment Director, GAM Investments

 

31. März: Dank den von Regierungen und Zentralbanken angekündigten fiskalischen und geldpolitischen Initiativen hat sich die Stimmung am Kapitalmarkt leicht verbessert. Die Märkte spiegeln laut AXA Investment Managers die Ansicht wider, dass der wirtschaftliche Schock zwar massiv, aber relativ kurzlebig sein sollte. Die Ausweitung der Credit Spreads könnte als attraktiver Einstiegspunkt betrachtet werden, solange die Stimmung von der Überzeugung getragen wird, dass sich die Situation in Monaten und nicht erst in Jahren bessert. Leicht wird es aber nicht: Es wird eine Welle von Herabstufungen geben, es wurde bereits ein starker Anstieg von „gefallenen Engeln“ verzeichnet, also von Unternehmen mit Investment Grade, die jetzt auf High Yield zurückgestuft wurden.

“Wir durchlaufen verschiedene Phasen einer weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Katastrophe. Aus der Leugnung der Gefahr im Februar wurde Panik im März. Jetzt reagieren die Märkte auf die massive politische Reaktion. Es gibt Hoffnung, dass eine echte Katastrophe vermieden werden kann. Dennoch werden Anleger in Bezug auf die längerfristigen Aussichten vorsichtig bleiben, ein weiterer Rückschlag an den Aktienmärkten ist nicht auszuschließen.”
Chris Iggo, CIO Core Investments, AXA Investment Managers (AXA IM)

 

30. März: Die Ausbreitung des Corona-Virus hat die beginnende konjunkturelle Erholung gestoppt. Die deutsche Volkswirtschaft wird laut dem Sondergutachten des Sachverständigenrates im Jahr 2020 deutlich schrumpfen. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt von Ausmaß und Dauer der gesundheitspolitischen Maßnahmen und der darauf folgenden Erholung ab. Hierzu analysiert der Sachverständigenrat drei Szenarien:

30. März: Die Geschwindigkeit von Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt nun auch in Italien ab. Die USA bleiben aber vorerst noch eine Black Box, schreibt Fisch Asset Management. Die kommenden Tage werden ein realistischeres Bild der Situation in den USA zeigen und die Finanzmärkte entsprechend beeinflussen. Zumindest war die Reaktion der Finanzmärkte auf die katastrophalen und über den Erwartungen liegenden Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA ein positives markttechnisches Zeichen, aber vorerst nicht mehr.

Die Aktienmärkte weltweit haben derzeit rund zwei Monate Shutdown eingepreist. Dementsprechend werden Abweichungen von diesem Fahrplan zu entsprechenden Auf- oder Abwärtsbewegungen führen. Langfristig wird auch bei einer positiven Entwicklung der Pandemie zumindest in einigen Sektoren mit länger anhaltenden strukturellen Schäden zu rechnen sein. Und bei den Kreditmärkten müssen das Investment-Grade-Segment und das High-Yield-Segment separat betrachtet werden. Die von der US-Notenbank angekündigten Käufe von Investment-Grade-Unternehmensanleihen sorgen hier für bessere Aussichten und eine erhöhte Marktliquidität im Vergleich zum Bereich High Yield. Wenn die Covid-19-Thematik nicht eskaliert und der aktuelle monetäre und fiskalpolitische Feldzug gegen die Folgen der Epidemie erfolgreich sein wird, besteht die berechtigte Hoffnung, dass die bisher massiven Kursrückgänge im Anlagejahr 2020 ein gutes Stück weit wieder aufgeholt werden.“
Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management, Zürich

 

30. März: Aufgrund der stark steigenden Fallzahlen in den USA hat US-Präsident Donald Trump die Absperrmaßnahmen bis Ende April verlängert. Ursprünglich hatte er gehofft, diese bis Ostern lockern zu können. Trump befürchtet jetzt bis zu 200.000 Tote. Er zitierte entsprechende Zahlen seiner medizinischen Berater, berichtet die Commerzbank. Ende der letzten Woche hat Trump auf Basis des Kriegswirtschaftsgesetzes (“Defense Production Act”, DPA) General Motors zur Produktion von Beatmungsgeräten angewiesen. Einzelne Mitglieder des Kongresses bringen bereits ein weiteres Stimulierungspakets (“Covid-4”) ins Gespräch. Es gibt über die Notwendigkeit hierzu allerdings unterschiedliche Auffassungen zwischen Demokraten und Republikanern. Erst am Freitag hatte der Kongress eine 2,2 Billionen Dollar schweres Hilfspaket verabschiedet, zuvor zwei kleinere Maßnahmenpakete. Der Senat wird wohl bis 20. April eine Sitzungspause einlegen, das Repräsentantenhaus plant ebenso eine längere Pause.

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